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Auch im zweiten Anlauf an der Pandemie gescheitert: Dr. Roland Baetzel, Egon Kellermann und Kurt Hillgärtner vom Vorstand des Heimatvereins Allertshausen, der die 800-Jahr-Feier des Dorfes organisiert. ARCHIVFOTO: TB

Weiter Warten auf bessere Zeiten

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Gleich zwei Dörfer im Landkreis können auf ein 800-jähriges Bestehen zurückblicken. Besser konnten, denn Stangenrod und Allertshausen hatten bereits 2020 »Geburtstag«. Feiern aber war wegen der Pandemie nicht drin. Und die Hoffnung auf ein besseres 2021 trog: Corona ist nicht weg, wieder muss das Jubiläum ausfallen. Wie steht es da um die Motivation der Organisatoren?

Im vergangenen Juni hatte der Heimatverein Allertshausen die Reißleine gezogen. Freilich in der Erwartung, im neuen Jahr den Lohn der ungezählten Stunden der Festvorbereitung ernten zu dürfen. Doch ist es anders gekommen, die Pandemie ist nicht abgeebbt, vielmehr schwappt gerade die »dritte Welle« übers Land. Also haben die Jubiläumsmacher aus dem Rabenauer Ortsteil zum zweiten Mal ihr Vorhaben storniert, das 800-jährige Dorfjubiläum groß zu feiern.

»Auch wenn es bis zum Festwochenende im September noch lange hin ist, es hat keinen Sinn«, sagt Vorstandsmitglied Kurt Hillgärtner.

Was zum einen mit der ambitionierten Planung zu tun hat: Der Stehende Festzug am 19. September sollte schließlich nicht weniger als 80 Stationen umfassen. Für jede einzelne steht das Konzept. »Das Dorf im Wandel der Zeit« ist dabei der rote Faden, so sollte es etwa einen Hochzeitszug geben, sollten eine Holzmacherei und Dreschmaschine zu bewundern sein.

Nur braucht es dafür nicht nur heimische Akteure, beispielhaft genannt seien die Musikgruppen oder ein Trachtenverein. In diesen unsicheren Zeiten, so Hillgärtner, lehnten es manche ab, überhaupt eine vertragliche Verpflichtung einzugehen. »Was wissen wir heute, was dann sein wird«, laute häufig die Antwort.

»Zu unserem Publikum«, fährt Rabenaus Ehrenbürgermeister fort, »gehören nun mal viele Ältere.« Von diesen hätten viele und nachvollziehbar Angst vor Ansteckung in dem Getümmel. Keinesfalls aber, das sei Leitlinie im Heimatverein, dürfe das Jubiläum eine exklusive Sache werden.

Das gilt ebenso für weitere Termine, etwa den Kommersabend. Eine Abkehr von Präsenz- hin zu Onlineformaten sei keine Option. Als viel zu wichtig erachtet man das Erlebnis der Gemeinschaft. Und die funktioniert offenbar unter den »Feldhasen«, wie die Allertshäuser im Volksmund heißen. Das trotz der »viralen Nackenschläge« ungebrochene Engagement im Heimatverein ist für Hillgärtner ein weiterer Beleg.

Fest hält der Vorstand noch an der Fotoausstellung. Viel ist da zusammengekommen, quasi eine Fortsetzung des Festbuchs im Großformat. Weniger eine weitere Dorfansicht aus dem letzten Jahrhundert stehe dabei im Fokus. sonden »die Oma auf einem alten Klassenfoto«.

Noch »taufrisch« sei der Beschluss, erstmal auf alles Geplante zu verzichten, sagt Christian Aff, Vorsitzender des Vereins »800 Jahre Stangenrod«. Der Vorstand hatte sich eine Frist bis Ostern gesetzt. Bis dahin musste die Entscheidung stehen, schließlich war der zweite Versuch für das Festwochenende bereits Mitte Juni geplant. Nach der Absage im Vorjahr, einzig ein virtuelles Eröffnungscafé war möglich gewesen war, hatten auch die Stadteil-Grünberger auf ein besseres neues Jahr gehofft. Vergebens, wie sich zeigen sollte. Wie Aff, zugleich Vorsitzender des Carnevalvereins, besitzen weitere Vorstandsmitglieder Erfahrungen im Organisieren größerer Veranstaltungen. Das hilft, grundsätzlich. Passiert etwas Unvorhergesehenes, hat man hier nicht gleich »Puls«. Hinzu kommt: Probleme mit Vertragspartnern gab es keine. Die Bands etwa hätten allesamt versichert: »Falls es wegen der Pandemie mit dem Auftritt nichts wird, treten wir vom Vertrag zurück.«

2021 ist noch recht jung, weswegen sich die Jubiläums-Planer ein Türchen offen gelassen haben. Sofern die Corona-Krise abebben sollte, könnten im Herbst wenigstens die geplanten Feldrundgänge oder auch der Mundartabend stattfinden. Programmpunkte, die anders als das Festwochenende keinen aufwendigen Vorlauf benötigen.

Nicht anders bei anderen Festkomitees ist die Enttäuschung auch in Stangenrod natürlich groß. »Seit zwei Jahren sind wir mit der Organisation beschäftigt. 2020 hatten wir gedacht, na gut, dann geht es halt 2021«, erzählt Aff. Pustekuchen, die Geburtstagstorte musste wieder abbestellt werden.

Frustriert das nicht, springt vielleicht sogar der eine oder andere ab? »Eine gewisse Müdigkeit« stellt der Vorsitzende schon fest, räumt auch ein, dass etwas die Luft raus sei. Doch zeigt er sich sicher: »Wenn es endlich losgeht, stehen alle wieder mit großen Enthusiasmus bereit.«

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