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Thomas Brückners Lieblingsplatz in Laubach: Der Klipsteinturm.

Weiter nach Laubach

  • Burkhard Bräuning
    VonBurkhard Bräuning
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Laubach und Grünberg, das war lange Zeit eine nicht ganz konfliktfreie Nachbarschaft. Unter anderem hatte die Gebietsreform Wunden geschlagen - hier wie da. Grünberg war stark an dem Dorf Lauter interessiert, weil nah dran. Doch in einer »Nacht-und-Nebel-Aktion«, so nannten es damals viele, zog Laubachs Bürgermeister Alfred Funk Lauter rüber nach Laubach.

Lange her, Schwamm drüber. Heute ist die Beziehung enger geworden, man respektiert und schätzt sich. Und nimmt sich auch mal auf den Arm. Als Thomas anfing, aus der Residenzstadt zu berichten, stand auch in Laubach das Thema Altstadtsanierung noch oben auf der Tagesordnung. »So konsequent wie in Grünberg wurde das Mammutprojekt nicht durchgezogen«, sagt Thomas aus der Sicht von heute. Das Parkdeck Wildemannsgasse sei so ein Mahnmal, das an eine gewisse Fehlplanung erinnert. Aber schön sei Laubach trotzdem, sagt »tb«. Warum? »Fachwerk, malerisch-verschwiegene Gassen wie das Grüne Meer, der Park, das Schloss und noch viel mehr.«

Ach ja, Laubach hat den Ausschuss, Grünberg den Gallusmarkt - beides Traditionsfeste. Der Frühschoppen in Grünberg, der wie der Markt auch dieses Jahr leider wieder ausfällt, ist für viele der absolute Höhepunkt des Jahres. Für die Laubacher ist es der Tag, an dem die Sektionen der Ausschussgesellschaft im Schlosshof aufmarschieren. Tradition auch das: Die Männer von der Blasiusgesellschaft, ihre Vorfahren lebten einst im später wüstgegangenen Dorf Baumkirchen rund um die Höresmühle bei Freienseen, wählen heute noch ihren Schultheiß, heute sagt man Bürgermeister. »Das ist unter anderem das, was diese zwei Kleinstädte so liebenswert macht: Die Pflege dieser Traditionen. Das ist mehr als Nostalgie, da steckt viel Herzblut drin.«

Aus der Anfangszeit in Erinnerung geblieben sind ihm die scharfen Wortwechsel zwischen dem bereits erwähnten Bürgermeister Alfred Funk der damaligen CDU-Fraktionschefin Lieselotte Philippi im Stadtparlament »Das ist legendär, wer noch dabei war, wird wohl mit einem Schmunzeln daran zurückdenken. Das war anders als heute. In den letzten Jahren ging es im Parlament und in den Ausschüssen oft turbulent und laut zu. Auch Funk und Philippi sparten nicht mit harten Worten, aber da war immer noch gegenseitiger Respekt zu spüren. Und den vermisst man heute manchmal.«

Die Zeiten ändern sich, und auch in Laubach sind die Uhren nicht stehen geblieben. Die Stadt tut was, sorgt für eine gute Infrastruktur, investiert in Kindergartenplätze (da gibt es Nachholbedarf), hat ein großes Gewerbegebiet erschlossen und immer wieder erweitert. Ob das der Innenstadt gutgetan hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. Um bei dem Guten zu bleiben: Laubach ist eine Tourismusstadt geworden. Auch wegen den Dingen, die Laubach auch liebenswert machen: Große dunkle Wälder, ein wunderschönes Mühltal, Wege zum Wandern und zum Radeln. Wenn der Tunnel in Freienseen irgendwann durchfahren werden darf, wird das Radwegenetz der Stadt noch einmal an Zugkraft gewinnen. Noch ist Freizeitdruck auf die Natur kein großes Thema …

Im Wald sind wir übrigens heute offenbar ganz allein - kein Wanderer, kein Mountainbiker, kein Waldarbeiter zu sehen. Ob’s am Wetter liegt? Eigentlich nicht. Wir sind ja auch unterwegs, zwar nass bis auf die Haut, aber wir schwelgen in Erinnerungen.

Thomas erzählt von Lichterfesten, bei denen das Feuerwerk auch in einen trüben Sommerhimmel Sterne malte. Und von legendären Festen wie der 1200-Jahr-Feier. An die privaten und dienstlichen Besuche von Festivals und Veranstaltungen wie »Blues, Schmus, Apfelmus«, das Orgelfestival und La Villa Cotta. Wer mit dem Schlosspark so eine feine »Location« hat wie Laubach, der hat’s gut.

Die Dorfschmiede in Freienseen sorgte jahrelang für Schlagzeilen, nun ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Und vielleicht wird, wenn Corona seinen Schrecken verloren hat, allen bewusst, dass die Grundidee des ehemaligen Freienseener Pfarrers Ulf Häbel wegweisend ist. Allein: Bei der Umsetzung wurden eben Fehler gemacht. Ein richtiges Aufregerthema gibt es im Moment nicht, und das ist ja eigentlich eine gute Nachricht.

Wir sehen Licht am Ende des Waldes, lassen den Tiergärtner Teich links liegen, laufen an Hallenbad und Bürgerhaus vorbei in Richtung Innenstadt und Bürgerhaus vorbei. Links der Ramsberg, der für Laubach in vielerlei Hinsicht eine große Bedeutung hat, auch die Gesamtschule wurde dort gebaut. Wir biegen ab in den Schlosspark. Heute ist er menschenleer. Trostlos wirkt er nicht. Dafür ist er viel zu grün, zu bunt. Im Hintergrund thront auf einem Hügel das Schloss. Wir stellen fest: Die Wälder, der Park, das Schloss - alles an seinem Platz. Ein Trost in einer sich rasant verändernden Welt. Thomas mag all das an Laubach. Aber etwas ganz Besonderes, sagt er, sei der Klipsteinturm. Der ist nicht sehr hoch, aber er ist der letzte große bauliche Rest der alten Stadtbefestigung. Einst stand er für Wehrhaftigkeit, heute ist er ein Ort von Kunst und Kultur. Wir sind übrigens am Ziel. Und ja, der Regen hat aufgehört … Burkhard Bräuning

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