Auch nicht in diesem Jahr und auch nicht in Laubach (Foto): Ein Bummel übern Weihnachtsmarkt fällt im Gießener Umland aufs Neue flach.
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Auch nicht in diesem Jahr und auch nicht in Laubach (Foto): Ein Bummel übern Weihnachtsmarkt fällt im Gießener Umland aufs Neue flach.

Absagen rund um Gießen

Weihnachtsmarkt-Veranstalter ziehen Reißleine: „Zu hoher Aufwand bei begrenzter Man-Power“

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Lange keimte in vielen Kreiskommunen die Hoffnung auf Weihnachtsmärkte. Doch nun sind viele Veranstaltungen im Gießener Land abgesagt.

Gießen – Schon die Kulisse macht’s: Unter anderen Umständen locken Städte wie Hungen, Grünberg oder Laubach mit ihren pittoresken Altstadtkulissen zur Weihnachtsmarktzeit ungezählte Besucher an. Die Erwachsenen erfreuen sich dann an Glühwein, an zur Jahreszeit passenden Deko-Artikeln und Klängen. Für Kinder ist der Besuch des Nikolaus das absolute Highlight.

All das macht den Weihnachtsmarkt aus, nur fällt er vielerorts wieder der Pandemie zum Opfer. In Bayern gar komplett, in Hessen etwa im Werra-Meißner-Kreis, wo sich die Kommunen am Mittwoch auf eine Absage geeinigt haben - übrigens bei einer kreisweiten Inzidenz von 224.

Weihnachtsmärkte 2021 im Kreis Gießen: Geforderter Corona-Schutz nicht machbar

Vor allem in größeren Städten, auch in Gießen, finden die Märkte hingegen statt. Allerdings unter strengen Auflagen; erwähnt seien eigens eingerichtete und kontrollierte Verzehr-Zonen, wo die 2G-Regel gilt (lesen Sie hier mehr).

Für kleinere Kommunen aber sind die Anforderungen des Infektionsschutzes oft nicht zu schultern. Hatte etwa Langgöns, mit über 100 Ständen der größte Markt im Umland von Gießen, schon im Oktober die Reißleine gezogen, gab Grünberg vor vier Tagen die Absage bekannt (eine Liste der bisherigen Weihnachtsmarkt-Absagen gibt‘s hier).

»Nach langem Abwägen«, so die örtliche Werbegemeinschaft (GWG) als Veranstalterin, sehe man sich dazu gezwungen. »Wir können das Ansteckungspotenzial nicht einfach ausblenden«, sagt Vorstand Bernd Messerschmidt. Der Schutz der Bürger und ein verantwortungsvolles Handeln müsse Vorrang haben.

Weihnachtsmärkte 2021 im Kreis Gießen: „Zu hoher Aufwand bei begrenzter Man-Power“

So schade es auch sei, und obgleich sich viele schon auf das weihnachtliche Beisammensein gefreut hätten, sei die Absage doch eine »Entscheidung der Solidarität und Vernunft« ergänzt Präsidiumskollegin Lena Hiete.

Die Planungsunsicherheiten und strengen Hygieneauflagen wären zudem für die GWG und die beteiligten Vereine nur schwer zu händeln gewesen. »Zu hoher Aufwand bei begrenzter Man-Power«, bringt es Frank Ide als Schriftführer der GWG auf den Punkt.

2019 hatten die Grünberger den Markt unterm Namen »Sternenzauber« neu aufgestellt. »Das gemütliche Konzept auf dem Marktplatz passt nicht zu Abstand, Maske und Distanz«, bedauert der Vorstand der GWG.

In Hessen per se erlaubt, auch nach der jüngsten Regelverschärfung vom Freitag, hat Wiesbaden den Veranstaltern freilich einige Hausaufgaben erteilt. Die »Auslegungshinweise füllen 40 Seiten«, erklärt Biebertals Bürgermeister Patricia Ortmann. Da beim Markt in Rodheim das Gros der Stände im Bürgerhaus aufgebaut würde, seien die Auflagen - allein was Abstand, Wegeführung, 2G drinnen, 3G im Verzehrbereich draußen angeht - besonders streng.

Weihnachtsmärkte 2021 im Kreis Gießen: Unsicherheit bedingte Absagen

Wer solle all das kontrollieren? Der Aufwand für die Ehrenamtlichen von der Interessensgemeinschaft wäre zu groß gewesen, daher die Absage. Hinzu trat die Gefahr, zum Hotspot zu werden. Ortmann: »Wir hatten natürlich auch die Bilder vom Kölner Karneval im Kopf, wissen um die Lage in den Kliniken.«

Um die weiß auch Markus Stiehl. Für den ersten Advent hatten der Geschäftsführer der Laubacher Kultur und Bäder gGmbH und sein Team ein Konzept erdacht, das auf die alte Markttradition der Stadt setzt. Erwähnt seien nur weihnachtliche Live-Musik und ein Basar. Letzterer in einem Gewölbekeller am Marktplatz, wo unter 2G stilvolles Kunsthandwerk, Gestricktes und Gehäkeltes feilgeboten werden sollte.

»Unsere Hoffnung war es, endlich wieder - mit Abstand zwar - ein schönen Markt feiern zu können. Daraus ist leider nichts geworden«, bedauert Stiehl. In Laubach eingerichteter Corona-Krisenstab, der sich u.a. um Nutzungsregeln für Bürgerhäuser kümmert, war zur fast einstimmigen Entscheidung gekommen: »Wir sagen es ab.«.

Nicht nur die steigenden Corona-Zahlen, auch die große Unsicherheit in der Bevölkerung hätten den Ausschlag gegeben.

Corona-Lage zu unsicher: Viele Weihnachtsmärkte im Kreis Gießen fallen 2021 aus

Dem »Weihnachtszauber« in Hungen geht es nicht anders: Kein Budenzauber rund um den Alten Zwenger. Bürgermeister Rainer Wengorsch wird auch im Namen der Kollegen vom Stadtmarketing sprechen, wenn er meint: »Ein solches Event mit vielen engeren Kontakten ist derzeit nicht angesagt.« Die Lage sei einfach sehr unsicher, das Infektionsgeschehen sehr dynamisch. Ein Lob des Rathauschefs gilt den Ausstellern, die mit großem Verständnis auf die Absage reagiert hätte. Nicht anders sieht es in Lich aus: Das »Adventsgeflüster« am ersten Advent, ein kleiner Weihnachtsmarkt auf dem Kirchenplatz, fällt aus. Der veranstaltende Verein »Lich erleben« verweist dazu auf die verschärfte Pandemielage: »Eine 2G-Regelung lässt sich für uns als kleiner Verein nicht umsetzen, ist finanziell als auch personell nicht leistbar.«

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