Unkraut statt kühles Nass: Der Brandweiher in Nieder-Bessingen ist ausgetrocknet. FOTO: PAD
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Unkraut statt kühles Nass: Der Brandweiher in Nieder-Bessingen ist ausgetrocknet. FOTO: PAD

Weiher ohne Wasser

  • vonChristina Jung
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Wer sich als echten Nieder-Bessinger bezeichnet, hat mit dem Brandweiher am Ortseingang schon mindestens einmal in seinem Leben Tuchfühlung auf- genommen. "Die Bach", wie man den ehemaligen Löschteich im Dorf nennt, ist quasi ein Wahrzeichen des Licher Stadtteils. Das Problem: Wasser floss dort schon lange nicht mehr. Das soll sich jetzt ändern.

Was haben der Licher Stadtturm und die Ober-Bessinger Pforte gemeinsam? Ihren hohen Identifikationsgrad für die Menschen vor Ort, In Nieder-Bessingen gibt es - neben Kirche und alter Linde - ebenfalls ein solches Wahrzeichen. Der Brandweiher, von den Stadtteil-Lichern liebevoll "die Bach" genannt. Doch Wasser hat der frühere Löschteich seit Jahren nicht mehr gesehen, und das hat nicht nur mit der Trockenheit der vergangenen Sommer zu tun. Unkraut macht sich breit. Nun drängen die Nieder-Bessinger darauf, dass sich das ändert.

Im Ortsbeirat war der Brandweiher dieser Tage mal wieder Thema, ebenso in der Jahreshauptversammlung der "Bessinger Gurken". Denn in den Augen vieler Bürger ist das Wahrzeichen mittlerweile zu einem "Schandfleck" verkommen, wie Alexander Gottuck, bis vergangene Woche Vorsitzender der "Gurken", im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen erläutert. Der Verein, der sich bei seiner Gründung 2013 die Traditionspflege auf die Fahnen geschrieben hatte, möchte den Brandweiher wieder in seinem ursprünglichen Zustand, also voller Wasser, sehen. Und viele andere Nieder-Bessinger auch.

Einst wurde das kühle Nass zum Löschen genutzt, außerdem für die Pferdefuhrwerke, die man hineinzog, um deren Holzräder wieder gangbar zu machen. Neubürger wurden darin getauft. Gottuck: "Er hat schon immer seinen festen Platz im Dorf. Wer einmal drin war, ist Nieder-Bessinger."

Ortsvorsteher Markus Pompalla pflichtet dem Landwirt bei. "Die Nieder-Bessinger haben ein besonderes Verhältnis zu ›ihrer Bach‹". Nicht zuletzt deshalb war der Zustand des alten Löschteichs in der Vergangenheit immer mal wieder Thema kommunalpolitischer Diskussionen. Jetzt will man gemeinsam mit der Stadt an einer Problemlösung arbeiten.

Doch die scheint mit Blick auf die Wasserzuleitung nicht ganz so einfach. Letztere erfolgt über den sogenannten Junkerngraben, der aus dem südlich gelegenen Mühlwäldchen ins Dorf fließt und in einen Rückstaukanal führt, aus dem der Brandweiher gespeist wird.

Bevor das Wasser dort ankommt, wird aus Gründen des Hochwasserschutzes ein Teil in das Entwässerungssystem der Umgehungsstraße abgeführt. Und auch an anderen Stellen des vorgeschalteten Grabensystems wird Wasser entnommen, um die Austrocknung des dortigen FFH-Gebiets zu verhindern. Die Folge: Für "die Bach" ist nicht mehr genug übrig.

Doch einfach mal irgendwo einen Schieber öffnen, wie so mancher sich die Lösung des Problems vorstellt, geht es laut Bürgermeister Julien Neubert nicht: "Wenn es um Fragen der Wasserentnahme geht, müssen wir uns mit der Unteren Wasserbehörde abstimmen." Mehr noch. Da die Gräben sich im FFH-Gebiet befinden, ist die Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde erforderlich. Neubert hofft nun auf das städtische Grabenpflegekonzept, dessen Ausarbeitung 2021 neu in Auftrag gegeben werden soll. "Wir möchten, dass das Thema hier berücksichtigt wird."

Wasser hin, Konzept her. Das fehlende Wasser ist nicht die einzige Baustelle am Nieder Bessinger Ortseingang. Auch die Stützmauer am Brandweiher bedarf der Aufmerksamkeit weil sanierungsbedürftig. Für die Neugestaltung inklusive des an den ehemaligen Löschteich angrenzenden Bereichs sind im aktuellen Haushalt Planungskosten in Höhe von 5000 Euro ein- gestellt. Das Investitionsprogramm 2021 sieht Geld für die Umsetzung vor: 100 000 Euro sind dafür vorgesehen.

Laut Neubert arbeitet ein Ingenieurbüro bereits an der Neugestaltung. Die Präsentation der Pläne ist für Herbst vorgesehen. Für den Ortsvorsteher allerdings macht eine Umsetzung der Pläne nur in Kombination mit der Lösung der "Bach"-Problematik Sinn. Pompalla: "Ohne Wasser keine Aufwertung des Areals."

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