Klaus Ringel hat die Evangelische Stiftung Arnsburg durch bewegte Jahrzehnte begleitet. Der Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats übt sein Ehrenamt seit 50 Jahren aus und blickt mit Vorstand Fabian Scharping zurück. FOTO: US
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Klaus Ringel hat die Evangelische Stiftung Arnsburg durch bewegte Jahrzehnte begleitet. Der Stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats übt sein Ehrenamt seit 50 Jahren aus und blickt mit Vorstand Fabian Scharping zurück. FOTO: US

Weichen stellen für ein gutes Leben

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Er wirkt im Hintergrund. Aber er trägt dazu bei, dass Kinder mit schwierigen Startbedingungen gut ins Leben finden können. Dr. Klaus Ringel sitzt im Aufsichtsgremium der Evangelischen Stiftung Arnsburg in Lich. Vor 50 Jahren wurde der Rechtsanwalt aus Gießen erstmals in dieses Ehrenamt gewählt.

Als Klaus Ringel 1970 in den Vorstand des Ev. Kinderheims Arnsburg gewählt wurde, führten im Heim noch Darmstädter Diakonissinnen Regie. Der sonntägliche Kirchgang war Pflicht, und Kinder anderer Konfession wurden nur aufgenommen, wenn die Eltern einverstanden waren, dass sie im evangelischen Glauben erzogen werden. Die Zeiten ändern sich. Ein halbes Jahrhundert später besteht das Team aus pädagogischen Fachkräften. In die Kirche geht, wer will, die Konfession spielt keine Rolle mehr und das Ev. Kinderheim Arnsburg heißt jetzt ESTA, Evangelische Stiftung Arnsburg. Doch eine Konstante gibt es: Dr. Klaus Ringel sitzt weiter im Stiftungsrat, er ist dessen stellvertretender Vorsitzender und denkt auch mit 83 Jahren nicht ans Aufhören. Groß gefeiert wurde dieses besondere 50-jährige Jubiläum nicht. Aber Ringel und ESTA-Geschäftsführer Fabian Scharping haben sich in alte Unterlagen vertieft und auf fünf bewegte Jahrzehnte zurückgeblickt.

Horst Schubring, der damalig Probst für Oberhessen, hatte den gerade erst 33 Jahre alten Juristen 1970 für den Vorstand angeworben. Warum? Ringel weiß es nicht so genau. "Er hielt mich wohl für einen vielversprechenden jungen Mann." Der Probst hatte offensichtlich einen guten Riecher. Ringels juristischer Sachverstand ist immer wieder gefragt. "Und er kennt sich mit Zahlen aus", weiß Scharping.

Die ESTA ist mit einem mittelständischen Unternehmen zu vergleichen, und der Stiftungsrat, der 2007 an die Stelle des früheren Vorstands trat, ist quasi der Aufsichtsrat. "Als sein Mitglied kriege ich einen sehr theoretischen Teil dieses Hauses mit", erzählt Ringel. "Den Alltag erlebe ich kaum."

Um den kümmert sich das 60-köpfige Team mit Fabian Scharping als Vorstand, wie die Geschäftsführung inzwischen heißt. Aber der Stiftungsrat stellt wichtige Weichen. Er ist zum Beispiel gefragt, wenn die Satzung geändert werden soll. Er entscheidet über die Geschäftsführung. Und er kontrolliert sie. Aktuell gibt es nichts zu beanstanden. "Manches Unternehmen mit 60 Leuten wäre froh, wenn es solche Bilanzen hätte wie wir hier", lobt Ringel.

So rosig war die Lage nicht immer. Der 83-Jährige hat in seiner ehrenamtlichen Funktion geholfen, die ESTA durch einige Untiefen zu lotsen. Er hat einige knifflige Satzungsfragen gelöst. Sein Sachverstand war aber nicht zuletzt in Zeiten gefragt, in denen es dem Heim wirtschaftlich nicht gut ging.

An zwei Krisen, verursacht durch rückläufige Belegungszahlen, kann sich der Rechtsanwalt erinnern. Beim ersten Mal Anfang der 1980er Jahre machte eine vom Stiftungsrat beschlossene Satzungsänderung den Weg frei für Kinder aller Konfessionen und damit auch die Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen aus Eritrea. Die zweite Krise Mitte der 1990er Jahre war tiefgreifender. "Wir waren ehrlich gesagt froh, dass die Mitarbeiterschaft den Karren aus der Talsohle gezogen hat", erinnert sich Ringel. Mit der Einstellung von Reiner Philipp als neuem Heimleiter sei es dann wieder aufwärts gegangen.

"Herr Philipp war ein sehr fleißiger Mann", lobt der 83-Jährige. Er habe ein schlüssiges Konzept für das Heim entwickelt und die Finanzen äußerst erfolgreich neu geordnet. "Ich habe ein wohl bestelltes Haus genommen", sagt auch Scharping über das Wirken seines 2013 verstorbenen Vorgängers.

Ringel hat in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit für die ESTA mit vier Vorsitzenden zusammengearbeitet. Auf Dekan Lenz folgten die Pfarrer Helmut Brumhard und Cornelius Mann; seit 2007 leitet die von Ringel sehr geschätzte Dr. Christiane Solms den Stiftungsrat. "Sie macht das prima." Der Jurist aus alteingesessener Gießener Familie spricht sie übrigens nicht, wie die meisten anderen, mit Frau Dr. Solms an, sondern benutzt mit großem Vergnügen die Anrede Prinzessin. "Es kommt ja nicht so oft vor, dass man es mit einer richtigen Prinzessin zu tun hat."

Auch wenn der Stiftungsrat mit dem Tagesgeschäft nicht viel zu tun hat, so nehmen seine Mitglieder doch regen Anteil am Geschehen. Das Sommerfest am zweiten Juni-Wochenende ist eine feste Größe in Ringels Terminkalender. Und wenn er auf diesen Festen ehemalige Bewohner trifft, die, wie er es ausdrückt, "gut ins Leben gefunden haben" und nun mit ihren eigenen Kindern zu Besuch kommen, dann fühlt er sich beglückt. "Da weiß man, wofür man arbeitet."

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