Wechselbad der Gefühle

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Gießen(pm). Vom Lockdown im Frühjahr mit stationärem Verkaufsverbot und teilweise geschlossenen Kfz-Zulassungsstellen über Lieferengpässe bei Neuwagen bis hin zum deutlich erhöhten Umweltbonus für E-Fahrzeuge: Das Corona-Jahr 2020 brachte den Kfz-Betrieben ein Wechselbad der Gefühle.

"Solch ein Jahr möchten wir alle nicht noch einmal erleben", sagt Obermeister Carsten Müller. Selbst die Werkstätten litten im März und April unter deutlich reduzierter Auslastung, obwohl sie im Lockdown aufgrund ihrer Systemrelevanz weiter geöffnet waren. Ab Juni habe sich die Lage in den Betrieben dann wieder stetig verbessert. Trotzdem war der im Frühjahr erlittene Rückstand im Kfz-Gewerbe laut Müller bis zum Jahresende nicht mehr aufzuholen.

Viele Betriebe hätten jedoch die Krise als Chance genutzt, um etwa die Digitalisierung vieler interner Prozesse, aber auch der Kommunikation mit den Kunden weiter voranzutreiben. Wie unverzichtbar der stationäre Autohandel als Schnittstelle zwischen Hersteller und Kunde nach wie vor sei, lasse sich beispielhaft an der stark wachsenden Zahl von Elektro- und Hybridfahrzeugen festmachen, so Müller.

"Hier ist erhöhter Aufwand für grundsätzliche und umfassende Beratung zu leisten, von der Technik über Einsatzzweck und Fördermöglichkeiten der Fahrzeuge bis hin zum Errichten einer entsprechenden Ladeinfrastruktur. Selbst die Nutzung und Abrechnung von öffentlichen Ladestationen steht auf der Agenda. Man sieht: Ohne den Handel ist die Transformation hin zu alternativen Antrieben gar nicht umzusetzen", betont der Obermeister.

Mit Elektromobilität allein könnten die Klimaziele jedoch schon aufgrund der nach wie vor nicht ausreichenden Ladeinfrastruktur kaum erreicht werden. "Wir brauchen Technologieoffenheit, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken", sagt Björn Hendrischke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. "Klimaneutral hergestellte synthetische Kraftstoffe für Verbrennungsmotoren sowie die Brennstoffzellentechnologie müssen auch aus Kundensicht eine Zukunft haben und stärker gefördert werden."

Die Corona-Krise habe außerdem deutlich gemacht, wie wertvoll das eigene Auto als geschützter Raum sei. Viele Menschen würden es den öffentlichen Verkehrsmitteln vorziehen aus Angst, sich anzustecken. "Im eigenen Auto fühlen wir uns sicher. Das ist eine gute Botschaft für die Mitglieder unserer Innung.", sagt Hendrischke.

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