Starkregen hat vor anderthalb Jahren die Reithalle an der Troher Mittelsmühle überflutet. SYMBOLFOTO: JÜRGEN FRIESS, ECHZELL
+
Starkregen hat vor anderthalb Jahren die Reithalle an der Troher Mittelsmühle überflutet. SYMBOLFOTO: JÜRGEN FRIESS, ECHZELL

Wasser in der Reithalle

  • vonred Redaktion
    schließen

Rund zwei Monate war die Reithalle auf der Mittelsmühle bei Trohe nicht nutzbar, nachdem sie im August 2018 unter Wasser stand. Auf rund 5200 Euro beziffert Besitzer Heinz Artz den Schaden. Und den möchte er von der Gemeinde Buseck ersetzt bekommen. Die Parteien streiten vor Gericht. Am Ende steht ein Vergleich.

Wann ist Regen als Starkregen anzusehen? Wann ist’s ein "Jahrhundertregen"? Ab welchen Wassermassen ist es ein Unwetter? Welche Regenmengen am 7. August 2018 genau über Trohe niedergingen, das wurde am gestrigen Mittwoch vor dem Gießener Landgericht nicht mehr erörtert.

Es dürfte jedenfalls reichlich Regen gewesen sein, denn die Feuerwehr musste an diesem Tag etliche Male in Buseck und Trohe ausrücken, um Keller leer zu pumpen. Und eben auch die Reithalle der Mittelsmühle, die unter Wasser stand und Schaden nahm. Dessen Beseitigung beziffert Eigentümer Heinz Artz mit rund 5200 Euro.

Die fordert er von der Gemeinde Buseck ein. Denn erst durch deren Versäumnis ist es laut Artz zu der Überflutung gekommen. Am Mittwoch standen sich Artz, Betreiber der 1970 gegründeten Pferdepension auf der Mittelsmühle, und die Gemeinde im Landgericht gegenüber.

Was genau war geschehen? Bei dem kräftigen Regen lief ein rund 500 Meter langer und bis zu 1,50 Meter tiefer Entwässerungsgraben über. Und zwar, weil laut Artz der Einlauf in einen Kanal verstopft war. Das Gitter vor dem Kanal mit rund einem Meter Durchmesser war mit Dreck und Gras zugesetzt. Nur mit Mühe sei es dem Sohn Mirco Artz gelungen, den Unrat von dem Einlauf wegzuzerren. Bis zum Hals stand er dabei in dem rund 1,50 Meter tiefen Wasser.

Das suchte sich derweil seinen Weg, bis es wieder ungehindert in den Kanal geleitet werden konnte - und zwar direkt in die Reithalle, die daraufhin 30 Zentimeter tief unter Wasser stand. Rund drei Stunden lang habe die Feuerwehr pumpen müssen, um die Brühe wieder nach draußen zu befördern. Erst nach acht Wochen war es laut Artz wieder möglich, die Halle zu benutzen. So lange hatte es gedauert, die Schäden zu beseitigen und den Hallen- boden wieder zu richten. Denn die Feuerwehr hatte beim Auspumpen zwangsläufig reichlich von dem Sandboden der Halle nach draußen befördert.

Laut Artz wäre es Aufgabe der Gemeinde gewesen, den Graben und den Einlauf in den Kanal in Ordnung zu halten. Das sei aber versäumt worden. Bereits im Juni 2018, so legt der Mann aus Trohe dar, habe es eine Ortsbegehung an besagtem Graben gegeben. Mit der Feststellung, dass der stark zugewachsen war und dass Zweige, Äste und trockenes Gras das Gitter vor dem Kanaleinlauf verstopften. Die Gemeinde sei dort schlicht ihrer Unterhaltspflicht nicht nachgekommen.

Ein Vorwurf, den man im Busecker Rathaus nicht auf sich sitzen lassen will. Da wird mit "höherer Gewalt" argumentiert - es sei schlicht ein Regen von solcher Stärke gewesen, dass der Graben das Wasser nicht habe fassen können. Im Übrigen werde der Graben regelmäßig, alle zehn bis zwölf Wochen, überprüft, legte der Anwalt der Gemeinde Buseck dar. Stimmt, sagt Pferdehofbesitzer Artz im Gericht. Aber eben erst seit dem Malheur. Vorher habe sich die Gemeinde bald zehn Jahre nicht um den Graben gekümmert.

Finale mit Vergleich

Gegenrede des Rechtsanwalts der Kommune: Sehr wohl sei der Graben nach dem Ortstermin und noch vor dem Starkregen in Ordnung gebracht worden. Womöglich könne es auch Gras vom angrenzenden Artz’schen Wiesenstück sein, dass den Graben verstopft habe?! Da habe der Mann von der Mittelsmühle vielleicht eine Mitschuld? Wer den Graben vor knapp anderthalb Jahren wann in welchem Umfang instand gesetzt hatte und wessen Grünschnitt darin trieb, das wurde vor Gericht nicht mehr vertiefend erörtert.

Letztlich folgten die streitenden Parteien dem Vergleichsvorschlag des Gerichts: Die Gemeinde beteiligt sich an der Schadensregulierung zu einem Drittel - allerdings ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. "Der gute Wille steckt in dem Betrag", sagte der Rechtsanwalt des Rathauses. Damit sind dann sämtliche Ansprüche des Klägers abgegolten und erledigt.

Reithallenbesitzer Artz hat bereits sein Einvernehmen signalisiert. Der Anwalt der Kommune wollte dies gestern ebenfalls mittragen - vorbehaltlich der noch einzuholenden Zustimmung aus dem Rathaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare