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Wasser-Pfeiffer und die Bahn

  • vonHans-Joachim Losert
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1953 wurde Karl-Heinz Pfeiffer aus Grünberg konfirmiert. Vom geschenkten Geld kaufte er sich in einem heimischen Fotofachgeschäft eine »Agfa-Box«. Mit dieser fotografierte er die letzte Dampfzug-Fahrt der Butzbach-Licher-Eisenbahn (rechts). In einem Bericht in der Gießener Allgemeinen am 1. März mit dem Titel »Eine Brücke vor dem Aus« ging der Autor auf ein Relikt der Bahnstrecke ein:

Die Brücke über den Teufelswiesenweg in Lich.

Das inspirierte den »Wasser-Pfeiffer« (der Grünberger war in der Gallusstadt jahrelang beruflich für die Wasserversorgung zuständig), seine Erinnerung an die Bahn zu schildern. Der passionierte Modellbauer und Eisenbahnfan schaut zudem regelmäßig die Sendung »Eisenbahnromantik« im Fernsehen. Zufällig war darin in einer kürzlich ausgestrahlten Folge das »Schweineschnäuzchen« mit der Aufschrift »Butzbach-Licher« zu sehen.

1953 erfuhr Karl-Heinz Pfeiffer von der letzten Fahrt eines Zuges mit Dampflokomotive. So gelang ihm die Aufnahme. »Die Lok war geschmückt gewesen, außerdem war eine schwarze Fahne angebracht«, erinnert sich der Eisenbahnfan. Pfeiffer selbst fuhr auf der Strecke oft von Grünberg zur Großmutter nach Ettingshausen. Die Trasse führte von Lich nach Queckborn. Allerdings war dort erstmal Ende. Eine Steigung von 68 Höhenmetern nach Grünberg musste überwunden werden, dafür war erst eine Lösung erforderlich. Heute verläuft auf dieser Trasse ein Radweg von der Kernstadt nach Queckborn. Wie Pfeiffer weiter ausführte, fuhren die Züge damals in Grünberg oberhalb des »Alten Turms« entlang bis zur B 49, wo sie Bundesstraße in Höhe der jetzigen Firma Mack überquerten. Von dort ging es hinter der später gebauten Gallushalle entlang über die Londorfer Straße auf die Rückseite des Gebäudes, das am Ende der Bahnhofstraße lange Domizil für die Post war.

Damit lag der Bahnsteig mit Haltestelle direkt an der Eisenbahnstrecke Gießen-Fulda. Beim Queren der Bundesstraße musste der Schaffner aussteigen und mit einer Fahne den Verkehr anhalten, damit der Zug weiterfahren konnte, weiß Pfeiffer. Einen Bahnübergang gab es damals nicht.

Als der Personenverkehr immer unrentabler wurde, verkehrte statt der Züge ein sogenannter »Wismarer Schienenbus«, das bei Eisenbahnfans bekannte »Schweineschnäuzchen«, auf der Linie.

Nach Einstellung des Bahnverkehrs bauten Amerikaner 1969 einen Teil der Trasse ab. Die Erde wurde auf den Jakobsberg gefahren, entsinnt sich Karl-Heinz Pfeiffer. - Die Veröffentlichung des Fotos links wurde freundlicherweise vom Verlag Uhle und Kleimann in Lübekke genehmigt und stammt aus dem Buch »Die Butzbach-Licher-Eisenbahn« von Klaus-Peter Quill. fp/Foto: fp

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