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Ein Gruppenbild mit über 200 Menschen - 2019 problemlos möglich, derzeit noch undenkbar. ARCHIVFOTOS: PAD

Warten auf die Gold-Chance

  • VonPatrick Dehnhardt
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Zehn Jahre ist es her, da holte sich Cleeberg den Titel »Dollstes Dorf Hessens«. Dornholzhausen wäre gerne in die Fußstapfen des Nachbarorts getreten. Doch aufgrund der Pandemie ist unklar, ob und wann es einen Wettbewerb um den »Goldenen Onkel Otto« geben wird.

Als am 16. Mai 2019 Dornholzhausen als »Dolles Dorf« der Woche aus der »Hessenschau«-Lostrommel gezogen wurde, machte die Nachricht innerhalb weniger Minuten die Runde wie ein Lauffeuer. Tags drauf begleiteten viele Menschen den Dreh, schauten Reporterin Nora Enns und dem Kamerateam über die Schulter.

In einer Zeit, in der Corona lediglich der Name einer Biersorte war und man anderthalb Meter Abstand nur von Mitmenschen hielt, wenn sie gerade Knoblauch gegessen hatten, standen am Ende dieses Freitags an der Kirche für das Abschlussbild weit über 200 Dornholzhäuser dicht an dicht und winkten in die Kamera.

Damals war die Vorfreude groß. Denn vom Nachbarort Cleeberg - Hessens Dollstes Dorf 2011 - wusste man, dass es mit dem einmaligen Besuch des Fernsehens nicht vorbei sein musste. 2020 sollte es eine Vorrunde geben, die jeweiligen Gruppensieger-Dörfer würden dann auf dem Hessentag in Bad Vilbel um den Titel »Dolles Dorf des Jahres« kämpfen. Da hätte man gerne mit den Cleebergern gleichgezogen.

Doch daraus wurde erst einmal nichts: Aufgrund der Pandemie wurde der Hessentag 2020 abgesagt. Der Hessische Rundfunk verzichtete zunächst auf eine Ersatzveranstaltung. Denn eine Finalshow, bei der die Gruppensieger jeweils eine handvoll Kandidaten in ein Studio entsenden würden und das restliche Dorf Zuhause im eigenen Wohnzimmer die Daumen drücken müsste, wäre stimmungstechnisch eine Katastrophe geworden. Zumal das Siegerdorf den Erfolg nicht hätte wirklich feiern können.

Zwei Jahre später ist der Besuch des HR-Fernsehteams in Dornholzhausen fast schon in Vergessenheit geraten. Ortsvorsteher Thorsten Fuchs muss einen kurzen Moment überlegen. »Stimmt, da war ja was.« Es ist beinnahe eine Erinnerung an eine andere Zeit. Seit März 2020 dreht sich sehr vieles um Corona, sind reihenweise Veranstaltungen ausgefallen, läuft das Vereinsleben auf Sparflamme. »Alles, was Spaß macht, ist in den Hintergrund getreten.« Vor zwei Jahren war die Euphorie in Dornholzhausen groß, wurden schon Pläne geschmiedet, wie man es ins Finale schaffen könnte. Diese Pläne sind fast vergessen und werden wohl dieses Jahr nicht mehr gebraucht werden. Auch der Hessentag 2021 in Fulda ist gestrichen - und damit die Bühne für eine zeitnahe Finalshow.

Nachgefragt beim Hessischen Rundfunk. Derzeit ist noch nicht klar, ob und in welchem Rahmen der Wettbewerb für 2020 nachgeholt werden soll, erklärt die Pressestelle gegenüber dieser Zeitung. Derzeit lasse es die Pandemielage noch nicht zu,

Neben den rund 50 Dörfern, die 2019 aus der Lostrommel gezogen wurden, kommen noch gut zwei Dutzend hinzu, die 2020 vor Pandemiebeginn sowie im vergangenen Sommer porträtiert wurden.

Denkbar wäre, alle seit 2019 gezogenen Dörfer in einem Wettbewerb antreten zu lassen. Eine weitere Möglichkeit ist, für die 2019er Dörfer einen eigenen Wettbewerb abzuhalten. Die Orte, die 2020 porträtiert wurden, könnten dann zusammen mit den 2021 gezogenen Dörfern eine Konkurrenz bilden. Dieses Jahr stand die Lostrommel allerdings noch still. Im schlimmsten Fall könnte der Wettbewerb für Dornholzhausen und Co. allerdings ausfallen.

Dies würde jedoch in dem Langgönser Ortsteil für Enttäuschung sorgen. »Wir hätten da schon wieder Interesse«, sagt Ortsvorsteher Fuchs. Der Zusammenhalt im Dorf sei gut, die Vereine würden viel gemeinsam auf die Beine stellen. Da käme der Wettbewerb gerade recht und für einen »Goldenen Onkel Otto« wäre im Eselsdorf auch noch Platz. »Wenn es geht, dann schlagen wir zu«, sagt Fuchs. »Jetzt erst recht.«

In Röthges wurde das bislang letzte Dorfporträt gedreht.

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