Der Basis-Tarifstundenlohn für einen erfahrenen Maurer im Kreis Gießen beträgt derzeit 20,63 Euro. FOTO: DPA
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Der Basis-Tarifstundenlohn für einen erfahrenen Maurer im Kreis Gießen beträgt derzeit 20,63 Euro. FOTO: DPA

IG Bau warnt vor "Kamikaze-Kurs"

  • vonred Redaktion
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Gießen(pm). Zwei Bauarbeiter, die gleiche Arbeit - und trotzdem zwei unterschiedliche Löhne: Gut 10 Euro könnten die Löhne pro Stunde auf den Baustellen im Landkreis Gießen bald auseinandergehen. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen. Das teilt die IG Bau Mittelhessen mit. Betroffen davon könnte ein Großteil der 1 600 Bauarbeiter im Kreis Gießen sein.

"Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG Bau schon gemacht hat: Die Arbeitgeber müssen nämlich einem Schlichterspruch und damit neuen Bau-Mindestlöhnen zustimmen. Passiert das nicht, droht dem Bau im Landkreis Gießen schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze. Jetzt hängt alles am seidenen Faden der Arbeitgeber", sagt Doris Hammes, IG-Bau-Bezirksvorsitzende.

Der Schlichterspruch sieht vor, dass die Branchen-Mindestlöhne auf dem Bau ab April steigen - und zwar auf 12,55 Euro für Hilfsarbeiten und auf 15,40 Euro für Facharbeiten.

"Diese Bau-Mindestlöhne sind die Lohn-Stoppschilder nach unten. Und genau die braucht der Bau ganz dringend. Wenn die Arbeitgeber die neuen Branchen-Mindestlöhne allerdings nicht akzeptieren, dann wäre das ein Lockruf an alle Billig-Firmen aus dem In- und Ausland, als Dumping-Konkurrenz auf den Markt zu drängen", sagt Hammes. Diese, so ihre Befürchtung, würden dann den Tariflohn zahlenden Unternehmen im Kreis Gießen wirtschaftlich das Handwerk legen. Hames warnt die heimischen Bauunternehmen davor, sich hier auf einen "Kamikaze-Kurs" einzulassen. Der Countdown dazu laufe bereits: Die Arbeitgeber müssen bis kommenden Freitag, 17. Januar, grünes Licht für höhere Mindestlöhne auf dem Bau geben.

Die IG Bau ruft deshalb "alle anständigen Bauunternehmen im Landkreis auf, im Schulterschluss mit anderen als ›starke Hessen-Kraft‹ klare Signale an den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und an den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) zu senden - und zwar für das Akzeptieren der neuen Bau-Mindestlöhne", heißt es in der Pressemitteilung.

"Hier steht viel auf dem Spiel. Nämlich der faire Wettbewerb bei fairer Bezahlung. Der Bau darf nicht zur Niedriglohn-Branche werden", sagt Hammes. Die Folgen für die Beschäftigungsentwicklung wären nach Ansicht der Gewerkschaft verheerend. Selbst Facharbeiter würden dann abwandern, so die Befürchtung. Vom Niedriglohn-Image der Baubranche und ihrem fehlenden Nachwuchs ganz zu schweigen. Gerade jungen Menschen müsste das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft sei, in der man was Tolles schaffen, den Erfolg seiner Arbeit sehen und gutes Geld verdienen könne, sagt Hammes.

Mit dem Tariflohn sei die "Lohnlatte" fair gelegt, erklärt die IG Bau. Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer im Kreis Gießen liegt derzeit bei 20,63 Euro. "Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig nur den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von über 10 Euro beim Stundenlohn bedeuten. Das würde der Bau nicht verkraften. Das würde zulasten der Unternehmen gehen, die für fairen Wettbewerb und Qualität stehen", sagt Hammes. Dem Bau drohe dann ein Preiskampf.

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