so_Freisteller-B_150015_4c_1
+
Das Foto mit der Zigarettenschachtel von 2019 zeigt, wie tief die Löcher im Teer der Waldhausstraße sind. Aktuell sind die meisten geflickt. Doch noch ein Winter und ein Schwung schwerer Holzlaster auf der Straße, und vieles ist vermutlich wieder auf.

Neue Koalition setzt Pläne auf Null

Marode Waldhausstraße: Alles wieder offen

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Die Straße zwischen Krofdorf und der Schmelz ist schlecht. Sehr schlecht. Und zwar seit vielen Jahren. 2020 gab es einen Hoffnungsschimmer: Der Kreis hat zumindest begonnen, die Straße im Teilabschnitt zwischen Krofdorf und Salzböden zu sanieren. Doch jetzt stellt die neue Koalition im Kreis alle weiteren Pläne erstmal wieder auf Null.

Das ist schon überaus bemerkenswert, wenn es ein kleines Sträßchen durch den Krofdorfer Forst in den Koalitionsvertrag schafft: Mit zwei dürren Sätzen zwar nur in fünf Zeilen. Aber die haben es in sich: Die Koalition will »ergebnisoffen innerhalb einer Jahresfrist alle zur Verfügung stehenden Optionen unter enger Einbindung der betroffenen Kommunen sowie von HessenForst überprüfen«, heißt es da. Und weiter: .«Die Koalitionspartner sind sich einig, dass bis zum Abschluss der Prüfung keine Maßnahmen eingeleitet werden, die der ergebnisoffenen Überprüfung widerprechen würden.«

Will heißen: Alle Debatten der vergangenen zwei Jahre, alle Anträge von fünf Fraktionen im Gießener Kreistag - das alles ist Makulatur. Zumindest für ein Jahr. Denn das ist die Frist, die sich die neue Koalition von CDU, Grünen und Freien Wählern selbst setzt, um neu über die Zukunft der Kreisstraße Nummer 394, der so genannten Waldhausstraße, zu befinden.

Koalition im Dilemma

D ie kleine, nur für lokalen und touristischen Verkehr sowie für die Forstwirtschaft bedeutsame Straße zeigt ein Dilemma der Koalition auf: Die Grünen wollen bislang einen Rückbau der Straße im mittleren Abschnitt zwischen Waldhaus und Schmelz zum Fahrad- respektive Wirtschaftsweg, Die CDU will die Straße durchgängig für den Autoverkehr offenhalten. Ergo: Die Entscheidung ist vertagt.

Zur Erinnerung: Der Kreis hat im vergangenen Jahr als Eigentümer der Straße den 2,2 Kilometer langen Teilabschnitt zwischen Salzböden und der Siedlung Schmelz für die Summe von etwas mehr als 500 000 Euro sanieren lassen. Was noch aussteht, das sind die zwei größeren und nicht minder schadhaften Teilstücke zwischen Krofdorf und dem Waldhaus sowie dann zwischen Waldhaus und der Schmelz.

Emotionale Debatten im Kreistag

Eigentlich steht für dieses Jahr Geld im Haushalt, um den Abschnitt zwischen Krofdorf und dem Waldhaus ebenfalls instandzusetzen, so wie es 2020 unten im Salzbödetal geschehen ist. Für die Sanierung des Abschnitts von Krofdorf aus sind 1,1 Millionen Euro im Haushalt 2021 vorgesehen. Ein zweiter Abschnitt könnte frühestens 2022 saniert werden. Doch wenn die neue Koalition von CDU, Grünen und Freien Wählern jetzt erst einmal ein Jahr lang neu prüfen will, dann wird das Geld in diesem Jahr dafür nicht ausgegeben werden. Zu schauen ist, ob es für Arbeiten im kommenden Jahr geparkt wird oder ob es für andere Vorhaben umgeschichtet wird.

Die bisherige Idee der Grünen, im Kreistag mitgetragen von SPD und Freien Wählern, ist, den mittleren Abschnitt zwischen Waldhaus und der Siedlung Schmelz zu einem Radweg auszubauen.

Nachgerade Grüne und SPD hatten sich in einer teils emotionalen Debatte im Kreistag im November vergangenen Jahres dafür stark gemacht, während CDU, FDP und AfD für eine durchgängige Befahrbarkeit mit Pkw plädierten. Geld für eine durchgängige Sanierung wollte die alte SPD-geführte Koalition im Kreis nicht in die Hand nehmen, weil die Straße über kurz oder lang doch wieder vom Schwerverkehr beschädigt würde.

Knackpunkt liegt bei HessenForst

Im Radwegeplan des Kreises ist die strittige Strecke aufgenommen worden. Doch einen Bau des Radwegs hat der Kreis bisher nicht beschlossen. Das hat Baudezernentin Dr. Christiane Schmahl (Grüne) im April auf Anfrage nochmals klargestellt. Und auch die Frage von Zuschüssen für einen Radweg scheint ungeklärt.

Schmahl erklärte im April: »Die Gemeinde Wettenberg wünscht einen asphaltierten Radweg. Es ist auch ein Weg mit einer wassergebundenen Decke denkbar.« Denn das käme HessenForst entgegen. Die Forstverwaltung könnte einen solchen Weg mit eignenen Mitteln instandhalten; eine geteerte Straße aber nicht. Just bei HessenForst liegt ein Knackpunkt. Denn die Forstwirtschaft fährt mit ihren Lkw eine sanierte Straße oder gar einen Radweg, weil nicht auf Schwerlastverkehr ausgelegt, womöglich über kurz oder lang wieder kaputt.

Wettenberg und Lollar zögern

Für den Kreis war bislang die Marschrichtung klar: Die Straße ganz oder in Teilen zu sanieren, um diese nach Rückstufung von einer Kreis- zur Gemeindestraße für ein Übertragen an die Gemeinde Wettenberg und an die Stadt Lollar vorzubereiten. Doch die Begeisterung in den Kommunen ist - gelinde gesagt - gebremst.

Schmahl erklärte dazu: »Der Bauabschnitt zwischen Krofdorf und dem Wald ist sicherlich zu sanieren, wenn die Straße übergeben werden soll. Was mit dem mittleren Abschnitt erfolgen soll wird die neue Kreisregierung entscheiden«.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare