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Anders als bei der Bürgermeisterwahl 2018 in Langgöns stehen bei der Kommunalwahl nun auch Hygieneauflagen und Abstände im Fokus. ARCHIVFOTO: JWR

Wahlhilfe unter Corona-Vorzeichen

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Die Kommunalwahl in einem Monat ist für Wahlvorstände eine besondere Herausforderung, auch Hygieneauflagen gilt es diesmal einzuhalten. Wie ist der Stand bei der Suche nach Freiwilligen - und wie wird die Pandemie den Urnengang beeinflussen?

Es ist ein Einsatz für die Allgemeinheit, ohne den repräsentative Demokratie wohl kaum funktionieren würde: Für die Kommunalwahl am 14. März sowie die parallel stattfindende Kreistags- und teils auch Ausländerbeiratswahlen werden in den Kommunen im Kreis Gießen wieder etliche Wahlhelfer gebraucht. Das bedeutet viele Kontakte zu Menschen am Wahltag - und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Hygienekonzepte könnten gerade ältere potenzielle Wahlhelfer skeptisch sein, ob sie sich diesem Restrisiko angesichts der Pandemie aussetzen wollen. Wird es diesmal schwieriger als sonst, die Wahlvorstände zu besetzen?

»Aufgrund von Corona haben ein paar Alteingesessene abgesagt«, berichtet der Reiskirchener Wahlleiter Jan Feldbusch. Die Wahllokale in den Ortsteilen seien schon »gut besetzt«. Doch für Reiskirchen selbst laufe die Suche noch. »Zehn Leute extra für Reiskirchen wären super, der eine oder andere könnte krank werden«, so Feldbusch. Er habe auf ein paar mehr neue, jüngere Wahlhelfer gehofft, doch da sehe es eher mau aus.

Unter den Vorzeichen der Pandemie wird am 14. März auch der Infektionsschutz in den Wahllokalen eine große Rolle spielen: Beispielsweise müssen Wahlkabinen desinfiziert, Fenster regelmäßig geöffnet, allzu dichte Schlangen vermieden werden. Um die Hygieneanforderungen zu gewährleisten, werden unter anderem in Reiskirchen einige »Hilfskräfte« eingesetzt, die die maximal neunköpfigen Wahlvorstände unterstützen.

Laut Feldbusch wurde in Reiskirchen extra eine Änderung beschlossen, nun seien auch die Hilfskräfte bedacht und erhielten ein »Erfrischungsgeld«. Für sie gibt es, wie auch für die übrigen Wahlhelfer, 30 Euro, während die Wahlvorsteher 35 Euro erhalten. Manche Kommunen zahlen fünf Euro weniger, andere aber auch etwas mehr.

Um ausreichend Abstand zu ermöglichen, haben einige Kommunen nun größere Hallen als Wahllokale ausgewiesen - und sich teils auch mit mehr Briefwahlbezirken auf einen hohen Briefwahlanteil eingestellt. Damit wird gerechnet, weil viele Wähler das Wahllokal scheuen könnten und es etliche Kreuze zu vergeben gibt, was mancher vielleicht lieber in aller Ruhe zu Hause erledigt. »Wir regen an, von Briefwahl Gebrauch zu machen«, sagt Feldbusch.

In Staufenberg ist Hauptamts- und Wahlleiter Stephan Grün-Fischer ebenfalls recht guter Dinge mit Blick auf die Wahl. »Wir sind schon relativ gut aufgestellt, die Lokale weitestgehend besetzt.« Zwar habe man einige ältere Wahlhelfer diesmal von vorneherein nicht eingeplant, doch von allgemeiner Skepsis angesichts von Corona sei wenig zu spüren. Grün-Fischer setzt nun darauf, dass es keine krankheitsbedingten Ausfälle gibt - gerade bei den Wahlvorstehern könne es sonst eng werden.

In Pohlheim ist die Kommunalwahl bereits die zweite Wahl während der Pandemie. Die Erfahrungen mit der Bürgermeisterwahl am 1. November lassen den dortigen Wahlleiter Carsten Nowak hoffen, dass alles glatt gehen wird. »Wir haben festgestellt, dass die meisten Wähler sehr diszipliniert waren, das ist sicher abgelaufen«, sagt er. Man habe einzelne Kugelschreiber an die Wähler verteilt und wieder eingesammelt, das sei auch diesmal geplant. Laut Nowak gab es beim Bürgermeistervotum 2020 etwa doppelt so viele Briefwähler wie zuvor - was ihn in der Erwartung bestätigt, dass deren Anteil nun erst recht hoch sein wird.

Die Pohlheimer Wahlhelfer würden aktuell berufen, »ich hoffe, dass wir genügend finden werden«. Vor der Bürgermeisterwahl hätten Wahlvorstände noch kurzfristig nachbesetzt werden müssen - »wir sind nun froh über jeden, den wir in der Hinterhand haben«, bekundet Nowak.

Zwar gestaltet sich die Suche nach Wahlhelfern also diesmal teils etwas schwieriger. Doch die Wahlleiter scheinen optimistisch, dass es am Ende reichen wird - zumal noch ein wenig Zeit bleibt. Sollten einmal nicht genügend Freiwillige zur Verfügung stehen, bliene die »Zwangsverpflichtung« als letztes Mittel. »Das könnte dann so laufen, dass ich in das Telefonbuch schaue, jemanden aus Pohlheim anrufe und sage: ›Du bist verpflichtet.‹«, erläutert der Pohlheimer Wahlleiter Nowak.

Dazu wird es wohl nicht kommen - weil genügend Wähler freiwillig eine ihrer vornehmsten Bürgerpflichten wahrnehmen.

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