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Auch durch Innenverdichtung in den Ortskernen wollen die Staufenberger Parteien Wohnraum schaffen.

Wachstum nicht mit der Brechstange

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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In Staufenberg zieht die Kommunalpolitik häufig an einem Strang. Die Finanzen wurden in den vergangenen Jahren in einem gemeinsamen Kraftakt konsolidiert, Projekte wie das interkommunale Gewerbegebiet »Interkom« (Ebsdorfergrund) und der Aktivpark Lumdatal vorangetrieben. Was wollen die Parteien in Sachen Radwege tun? Wo sehen sie Potenzial für neuen Wohnraum - und wie wollen sie verhindern, dass Treis von der Entwicklung abgehängt wird?

Antworten von SPD, CDU, FW, Grün-Alternativer Liste und der zurzeit nicht im Parlament vertretenen FDP. Der letzte Teil unserer Serie zur Kommunalwahl.

?Was schlagen Sie vor, um Staufenberg als Kommune für Radfahrer attraktiver zu gestalten?

SPD: Wir schlagen Folgendes vor: Ausbau des Radwegs von Treis nach Mainzlar in der Talaue (nach Abschluss der Tiefbrunnensanierung ab Frühjahr 2021, teils asphaltiert, wassergebunden im Tiefbrunnenbereich), Ausbau der Radwege zu den ÖPNV-Bahnhaltepunkten Friedelhausen und Lollar, Bau von neun Radabstellanlagen ab Frühjahr 2021 (46 000 Euro an Fördermitteln sind bewilligt) vor allem an Kitas, Rathaus, Juz Treis, Stadthalle, Sporthalle Treis, Aktivpark Lumdatal. Ausbau des E-Ladestellennetzes für Fahrräder und Pkw, Bereitstellung von drei Mietlastenrädern für Bürger.

CDU: Vordringlich ist die Radwegverbindung von Treis nach Mainzlar. Der Weg an der Sandgrube vorbei ist aus mehreren Gründen ungeeignet und muss deshalb ins Lumdatal verlegt und asphaltiert werden. Seit 2011 gibt es von uns dazu im Parlament Aktivitäten - ohne jeden Erfolg. Aktuell versinkt man auf diesem Weg im Schlamm, er gleicht einer Kraterlandschaft. Darüber hinaus benötigen wir ein sicheres Netz an Radwegen im gesamten Stadtgebiet als Ergänzung zu den vorhandenen Radwegteilstücken.

FW: Der Radweg von Treis nach Mainzlar ist so zu befestigen, dass ihn alle Personen gefahrlos nutzen können, auch mit Inline-Skates, Laufrädern, Rollatoren und anderem mehr. Weitere Bänke müssen aufgestellt und Mülleimer bereitgestellt werden.

GAL: Straßen und Verkehrsführung sind langfristig so zu gestalten, dass Radfahrwege ausgewiesen sind und sich Radfahrer sicher im Ort bewegen können. Wo immer möglich, kann das direkt umgesetzt werden. An zentralen Orten wie der »Vitalen Mitte« sollen Abstellplätze eingerichtet werden, möglichst mit Ladestationen für E-Bikes. Um eine umweltverträgliche Mobilität über die Kommune hinaus zu fördern, soll das überörtliche Radwegenetz durch Radschnellwege weiter ausgebaut werden.

FDP: Wir Freien Demokraten sehen den Fahrradverkehr als eine wichtige Komponente des Individualverkehrs, der gleichzeitig zu einer Entlastung anderer Verkehrsmittel beiträgt. Dabei ist auf eine ausgewogene Balance zwischen Kfz-, Radverkehr und Fußgängern zu achten. Eine weitere innerörtliche Verkehrsberuhigung kann dazu beitragen, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen partizipieren. Zwischen den Ortsteilen sollten Radwege oder Fahrradspuren ausgebaut oder neu angelegt werden.

?Auch wegen der Nähe zu Gießen ist die Stadt Staufenberg als Wohnort gefragt. Wo und inwieweit sehen Sie Potenzial, um neuen Wohnraum zu schaffen?

SPD: Prioritär ist die Innenraumverdichtung (Schließung von Baulücken aller Ortsteile, Nutzbarmachung von Scheunen/Nebengebäuden zu Wohnzwecken). Neubaugebiete sollen nur noch moderat erschlossen werden. In Treis wurde schon ein Konzept zur Aufwertung des Ortskerns angestoßen, die anderen Ortsteile sollen folgen. Sobald die gemeinsame Grundschule für Staufenberg, Daubringen und Mainzlar errichtet ist, wollen wir an den Altschulstandorten bezahlbaren Wohnraum für junge Familien und ältere Menschen schaffen.

CDU: 2018 hat die CDU die Initiative ergriffen und es wurde ein Planer beauftragt, um ein Konzept zur Innenentwicklung in Treis zu erstellen. Dies soll auch in den anderen Ortsteilen geschehen. Für weiteren Wohnraum eignen sich die Standorte der Grundschulen. Wir wollen auf diesen vergleichsweise riesigen Flächen mit einer hohen Anzahl an Wohnungen nicht nur Sozialwohnungen errichten, wie von einigen gefordert. Dies würde die Kernstädte überfordern. Auch in Zukunft wird es Neubaugebiete mit Augenmaß geben.

FW: Die Infrastruktur ist großartig und bietet Familien alles zum Wohlfühlen in Staufenberg. Wir wollen vorhandene Bausubstanz nutzen (Innenverdichtung) und sprechen uns für die Ausweisung weiterer Baugebiete aus.

GAL: Wohnraum schaffen ja, aber nicht um jeden Preis. Die bereits ausgewiesenen Bau- und Mischgebiete sind eine Ressource, daneben haben eine sensible Innenraumverdichtung sowie Baulückenschlüsse Vorrang. Über eine in Planung befindliche Gestaltungssatzung soll ein energetisch und ökologisch sinnvolles Bauen befördert werden. Dazu gehört auch, dass gegebenenfalls Flächen entsiegelt und begrünt, Bäume gepflanzt und Plätze zum Verweilen geschaffen werden. Staufenberg soll mehr als eine Schlafstadt sein!

FDP: In Anbetracht der demografischen Entwicklung wollen wir Freien Demokraten die sich verändernden Wohnbedürfnisse bei der städtebaulichen Planung stärker berücksichtigen. Neben die Ausweisung von Bauland mit eher klassischen Wohnformen tritt die nachhaltige Nachverdichtung im innerörtlichen Bereich - das Schließen von Baulücken, das Aufstocken von Häusern, der Ausbau von Dachgeschossen und das Anbauen. Auf diese Weise werden differenzierte Wohnformen ermöglicht, die gleichzeitig die Umwelt schonen.

?Während Staufenberg, Mainzlar und Daubringen eng verwoben sind und auch von der Nähe zur »Vitalen Mitte« profitieren, bereitet in Treis der Wegfall von Infrastruktur Sorge. Aktuell gibt es Proteste gegen den geplanten Abbau des Volksbank-Geldautomaten. Was wollen Sie konkret tun, damit dieser Stadtteil nicht von der Entwicklung abgehängt wird - gerade im Hinblick auf nicht mobile Einwohner?

SPD: Wir setzen uns für den Erhalt einer Poststelle und eines Geldautomaten ein. Wir wollen, dass der Bürgerbus mindestens drei- bis viermal wöchentlich verkehrt, wodurch die Mobilität der älteren Treiser (zu Einkauf, Arzt oder Apothekenbesuch etc.) deutlich verbessert werden könnte. Wir wollen auch die Schaffung einer Begegnungsstätte für Jung und Alt nach dem Vorbild des Daubringer Kulturcafés unter Einbeziehung der örtlichen Vereine.

CDU: Schön wäre es, wenn sich in Treis ein Dorfladen, ergänzend zum bestehenden Hofladen, etablieren könnte. Nicht nur zum Einkaufen, sondern es bestünde die Chance, dass sich ein sozialer und kultureller Treffpunkt mitten im Ort bildet. Dies lässt sich aber nicht durch die Politik »beschließen«, sondern es müssen sich Ehrenamtliche finden, die dies auf die Beine stellen, natürlich mit Unterstützung durch die Stadt. Zusätzlich zum Bürgerbus können »Mitfahrbänke« zur »Vitalen Mitte« etabliert werden.

FW: Treis war der größte Stadtteil von Staufenberg, doch durch die Entwicklung besonders in Staufenberg-Mitte ist Treis ins Hintertreffen geraten. Aufgrund der Verkehrs- und Wohnsituation wird es sehr schwer, Gewerbe oder Einzelhandel anzusiedeln. Wir Freien Wähler sind für eine Ausweitung des Seniorenbusses, auch an Mitfahrgelegenheiten (Mitfahrbänke) sollte gedacht werden. Trotzdem ist in Treis eine intakte Vereinsstruktur vorhanden.

GAL: Durch die Unterstützung der bestehenden Dorf-App, in der Anbietende und Suchende zusammenkommen, wollen wir das bürgerschaftliche Engagement im Sinne von Nachbarschaftshilfe stärken. Möglicherweise gelingt es uns, die digitale Mini-Filiale, »teo«, von Tegut zur grundlegenden Versorgung nach Treis zu holen. Für weniger mobile Einwohner muss der Bürgerbus stärker ins Bewusstsein gerückt sowie die Busanbindung durch den ÖPNV verbessert und mit der (bald) reaktivierten Lumdatalbahn verknüpft werden.

FDP: Viele Treiser haben das Gefühl, von der Entwicklung der anderen Ortsteile abgehängt zu werden. Wir Freie Demokraten stehen dafür, dass alle Staufenberger an der Entwicklung der Stadt teilhaben können. In Treis muss es wieder eine Nahversorgungsmöglichkeit geben. Ein »Dorfladen« kann dabei eine Einkaufsgelegenheit für Produkte des täglichen Bedarfs, Post und Treffpunkt in einem sein. Der Landkreis als ein Träger der Gießener Sparkasse soll zudem den Bargeldbezug mittels Bankautomaten sicherstellen.

Zwar gibt es in Treis noch Gaststätten und ein reges Vereinsleben, doch der Wegfall von Infrastruktur und Nahversorgung bereitet Probleme.

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