Vorreiterrolle in Hessen

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Gießen (pad). Es gibt viele Beispiele, wie Menschen älteren Mitbürgern helfen: Die Seniorin ohne eigenes Auto wird in den Supermarkt mitgenommen oder der 80-Jährige von gegenüber zur "Star Wars"-Premiere ins Kino eingeladen, weil man weiß, dass er diese Filmreihe auch mag.

Solche kleinen nachbarschaftlichen Dinge finden sich hierzulande noch häufig. Wenn es jedoch um eine regelmäßige Hilfe geht, sind die Helfer teils verunsichert: Machen sie das richtig? Wo liegt die Grenze zwischen Hilfe und ausgenutzt werden? Und wie schränkt man den Menschen, den man unterstützen möchte, in seinen eigenen Entscheidungen nicht ein?

Um diese und weitere Fragen drehte sich jüngst eine Schulung für ehrenamtlich Engagierte in der Betreuung pflegebedürftiger Menschen. Es war der erste Kurs mit dieser Thematik, den die Altenhilfeplanung des Landkreises zusammen mit dem Malteser Hilfsdienst ausrichtete. In ganz Hessen sei man mit solch einem Angebot Vorreiter, erklärte Altenhilfeplanerin Ruth Hoffmann. Auch wenn es bei der Premiere nur sieben Personen waren, die von Sieglinde Weber, Leiterin Sozialpflegerische Ausbildung, und Referentin Anja Kramer angeleitet wurden, so freute sich Hoffmann über jeden Teilnehmer. Diese haben die insgesamt 40 Stunden zählende Schulung besucht - eine Dauer, die so manchen erst einmal abschrecken dürfte. "60 Prozent der Leute, denen ich das gesagt habe, habe ich nie wieder gesehen", erzählt Hoffmann.

Auch Irmtraud Schomber hatte bei dem anvisierten Umfang des Kurses erst einmal gestutzt: "Das klingt am Anfang ganz schön viel", erzählt sie.

Grenzen akzeptieren

Zusammen mit Edith Schomber ist sie bereits im Demenzcafé des Seniorenhauses Lumdatal aktiv. Von dort erhielten die beiden Frauen auch den Hinweis auf das Schulungsangebot. Vom Kurs erhofften sie sich vor allen Dingen mehr Wissen über den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Dieser Wunsch sei erfüllt worden, sagen sie. Die 40 Stunden seien so schnell vorübergegangen, dass "es einem leidtut, dass es jetzt vorbei ist", sagt Irmtraud Schomber.

Die Schulung dürfte auch deshalb so viel Spaß gemacht haben, da sich alle Teilnehmer explizit für das Thema interessierten. Da kommt eben keine Stimmung wie im Latein-Unterricht auf. "Ein Teil der Teilnehmer wird in dem Bereich schon tätig sein, ein Teil erst beginnen", sagte Hoffmann.

Während Irmtraud und Edith Schomber bereits einige Erfahrung mitbrachten, gab es auch Neulinge im Kurs. Roland Pietsch war einer von ihnen. Er wollte herausfinden, ob der Bereich Altenbetreuung etwas für ihn ist. "Das ist eine so allgemeine Begrifflichkeit", sagt Pietsch. Er habe Fingerspitzengefühl für knifflige Situationen bekommen wollen, zum Beispiel wenn "ein 90-Jähriger diskutiert, was er alles noch selbst machen kann". Dass die Einschätzung des Seniors nicht immer mit der des Pflegenden übereinstimmt, liegt auf der Hand.

Wie Ehrenamtliche in solchen Situationen ihre eigene Rolle reflektieren, Grenzen setzen, aber auch die Grenzen der pflegebedürftigen Person akzeptieren, das war ein weiterer Aspekt, der vermittelt wurde.

Die sieben Teilnehmer waren mit dem Angebot jedenfalls hochzufrieden. Und Altenhilfeplanerin Hoffmann denkt bereits über eine Fortsetzung des Angebotes nach.

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