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Von Promis und großen Partys

  • Philipp Keßler
    VonPhilipp Keßler
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(phk). »Von meinen drei Gemeinden ist Langgöns die idyllischste«, sagt GAZ-Redakteur Stefan Schaal. Das kann er auch leicht sagen, schließlich beginnt unser gemeinsamer Spaziergang durch die Gemeinde am Steinbruch im Ortsteil Oberkleen, einem absoluten Augenöffner. »Beim ersten Mal war auch ich richtig geflasht«, erinnert sich Schaal, der die Location auch schon als Treffpunkt für ein Interview mit Bürgermeister Marius Reusch genutzt hat.

Neben viel Wald, Wiesen und Feldern, etlichen Fachwerkhäusern samt den bekannten »Hüttenberger Hoftoren« ist Langgöns auch überregional wichtig - als Logistikstandort. Seit 1997 ist hier das Briefverteilzentrum für all die Orte, deren Postleitzahl mit »35« beginnt, angesiedelt. Rund 1 Million Briefe werden pro Tag abgefertigt. Auch ein Weltunternehmen wie die Spedition Bork, die ihre Heimat im interkommunalen Gewerbegebiet Magna Park hat, nennt Langgöns ihr Zuhause.

Den Erfolg der Ansiedlung dieser und weiterer Gewerbe kann sich die Politik ans Revers heften, die in Langgöns laut Schaal meist gesittet diskutiert und im Grunde harmonisch und auf einer sachlichen Ebene miteinander umgeht.

Auch kulturell hat Langgöns trotz seiner vergleichsweise geringen Größe einiges zu bieten - darunter eine Art »Goldene Generation«. Zu der gehören etwa »Juli«-Sängerin Eva Briegel, TV-Moderator Jochen Schropp, die Brüder Christoph und Lars Amend, von denen Erster Editorial Director des »Zeit-Magazins«, Letzterer Bestseller-Autor ist, aber auch Kabarettist und Autor Dietrich Faber. Daneben gesellen sich mit Sprinterin Lisa Mayer, dem Dreisprung-Weltmeister Charles Friedek, Ex-Handball-Nationalspieler Volker Michel, den Basketball-Profis Johannes und Benjamin Lischka und den (Ex-)Profifußballern Dexter Langen sowie Gian-Luca und Davide-Jerome Itter sportliche Größen des Landes.

Zusammenhalt in den Dörfern

In Langgöns erklärt man sich diese »extrem auffällige« Promi-Dichte mit einer Mischung aus einer bullerbüartigen Kindheit auf dem Land und einer Portion lokalpatriotischem Selbstbewusstsein in Verbindung mit einer durch besondere Lehrer geprägten Schule vor Ort. Was es auch ist, besonders ist es allemal.

Ebenfalls besonders ist der Zusammenhalt: Als 1990 das »Ohl’sche Haus« in Niederkleen Opfer eines Brandes wird, ergießt sich eine Welle der Hilfsbereitschaft: Die betroffene Familie kommt bei Nachbarn unter, Sach- und Geldspenden gehen ein, die Helfer beim Wiederaufbau müssen extra koordiniert werden, damit die schiere Masse nicht den Betrieb aufhält. Nach neun Monaten kann wieder eingezogen werden.

Eine funktionierte Dorfgemeinschaft ist auch im Rest der Gemeinde vorhanden, ein reges Vereinsleben zeugt davon. Während heute vor allem in diesem Zusammenhang Feste gefeiert werden, war Langgöns in den 1980er und 1990er Jahren ein Party-Hotspot - dem »Hardrock« sei Dank. Am 4. Juli 2009 schloss die Disco.

Auch sonst hat sich Langgöns verändert: Heute stehen Themen wie die Sanierung der Ortsdurchfahrt Lang-Göns, der Ausbau von Mobilfunk und schnellem Internet via Glasfaser oder der Hochwasserschutz auf dem politischem Programm. Schaal ist sich sicher, dass auch dafür Lösungen gefunden werden. Denn der seit Langem in Gießen beheimatete Schwabe hat seit seiner Kindheit eine Verbindung in die südlichste Kommune des Landkreises, stammen doch zwei Freunde seines Vaters hierher: »Die beiden waren immer engagiert und aktiv - das passt zu Langgöns.«

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