»Von der Politik vergessen«

  • Vonred Redaktion
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Gießen (pm). Die Worte, die die Vorstände der mittelhessischen Lebenshilfen wählen, sind drastisch. Sie sprechen von »Skandal« und dass sie erneut von der Politik vergessen werden. Ihre Kritik richtet sich an die Bundespolitik, die 2022 erneut eine Corona-Prämie als Pflege-Bonus in Höhe von bis zu 3000 Euro nur für Mitarbeiter in Krankenhäusern und Altenpflegeheimen auszahlen will.

»Auch 2022 sollen die Beschäftigten der Eingliederungshilfe leer ausgehen«, schreiben die Sprecher in einer Pressemitteilung.

»Es gibt keinen Grund, warum Beschäftigte der Eingliederungshilfe erneut keine Corona-Prämie erhalten sollen. Sie wurden von der Politik schon 2020 schlicht vergessen, nun soll sich das wiederholen. Das ist ein Skandal, auf den wir als Lebenshilfen in Gießen, Marburg, Dillenburg, Limburg, Wetzlar-Weilburg und Wetterau jetzt gemeinsam aufmerksam machen.«

Die Sprecher der sechs Lebenshilfen, zu denen für die Lebenshilfe Gießen Vorstand Dirk Oßwald die Pressemitteilung unterzeichnet hat, vertreten über 4000 betroffene Mitarbeiter und betreuen mehr als 7000 Menschen mit Behinderung in der Region, viele davon rund um die Uhr.

Die Corona-Pandemie stelle gerade die Beschäftigten in der Behindertenhilfe vor besonders große Herausforderungen, weil die Klienten vielfach die Maßnahmen und Einschränkungen nicht verstehen und entsprechend reagieren. Für Wohnstätten, Werkstätten, Tagesförderstätten und Frühförderstellen galten zudem extreme Einschränkungen mit Betretungsverboten. Auch die Werkstätten der Lebenshilfen mussten viele Wochen schließen, sodass die Klienten über Monate rund um die Uhr in den Wohnstätten und anderen Wohnformen betreut werden mussten.

»Das Personal ist auch jetzt in der vierten Welle weiterhin maximal gefordert. Zusätzlich zur Pandemie ist dieser Bereich extrem durch den Fachkräftemangel betroffen. Viele Stellen sind unbesetzt. Viele Kollegen sind körperlich und psychisch am oder über dem Limit«, mahnen die Geschäftsführer.

Die vollstationären Wohnstätten seien in jeder Hinsicht mit Altenpflegeheimen vergleichbar. »Wir appellieren an die neue Bundesregierung und alle unsere neugewählten Bundestagsabgeordneten, dieser Berufsgruppe endlich die Wertschätzung zu geben, die sie verdient. Das muss sich auch finanziell ausdrücken.«

Mehr denn je brauche es ein Signal aus der Politik, dass das Personal der Eingliederungshilfe nicht vergessen wird: »Wir fordern von der Politik, dass alle sozial-pflegerischen Berufe gleichberechtigt behandelt und gewürdigt werden«, heißt es in der Pressemitteilung. Dazu gehöre, dass der für 2022 geplante Pflege-Bonus auch für Beschäftigte in der Eingliederungshilfe gezahlt werde - insbesondere für das besonders belastete Personal in den Wohnstätten.

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