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Praxistest in Allendorf: Lässt sich mit den selbst gebauten Filtern sauberes Wasser gewinnen?

Vom Überleben und Erleben

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Wie überlebt man in der Natur? Darum ging es beim »Survival Tag« der Ferienspiele in Allendorf. Outdoor-Pädagoge und Fitnesscoach Dario Stasch zeigte den Kindern unter anderem, wie man Wasser filtert und Feuer macht. Seit einigen Monaten bietet der 26-Jährige unter dem Namen »freiluftaktiv« vielfältige Naturerlebnisse für Groß und Klein an.

Die Wasserstelle, die Dario Stasch ansteuert, ist im Prinzip eine große Pfütze. Der Boden quatscht unter den Schuhen der Kinder und der Matsch färbt das Wasser braun. Dunkel, trüb und absolut ungenießbar sieht es aus, als Stasch es in eine Flasche füllt. Beste Voraussetzungen für einen Praxistest der selbst gebauten Filter. Und tatsächlich: Die mit Kohlestücken, verschiedenen Steinen und Laub gefüllten Tücher halten einen Teil der Verunreinigung zurück, das gefilterte Wasser ist deutlich klarer. »Ich würde aber immer auf Nummer sicher gehen und das Wasser zusätzlich abkochen«, sagt Stasch.

Gemeinsam mit sieben Kindern ist der Outdoor-Pädagoge an diesem Vormittag im Allendorfer Wald unterwegs, um ihnen etwas zum Thema »Überleben in der Natur« beizubringen. »Uns geht es total gut hier«, hatte Stasch zu Beginn des Ferienspielangebots gesagt. Wasser aus der Leitung, genügend Essen, eine bequeme Couch - all das seien hierzulande Selbstverständlichkeiten. »Aber wenn mal irgendetwas passiert, kann es wichtig sein zu wissen, wie man sich selbst helfen kann.«

Da ein Mensch nur wenige Tage ohne Wasser überleben kann, stand das Finden und Filtern von Wasser ganz oben auf der Prioritätenliste. Doch zum Abkochen wird nun noch etwas anderes benötigt: Feuer. Unter Anleitung von Stasch suchen die Kinder nach brennbaren Materialien und dürfen mithilfe von Feuerstahl selbst ein bisschen zündeln. Ein echtes Feuer zu machen, um das Wasser abzukochen, ist wegen der Waldbrandgefahr aber nicht möglich.

Zwischendrin duellieren sich die Kinder mit Stöcken, rennen und erkunden den Wald. »Ich müsste eigentlich gar nichts machen«, sagt Stasch angesichts der Möglichkeiten, die der Wald den Kindern ohne sein Zutun bietet, und lacht. Dennoch liefert er zwischendurch immer wieder ein paar Anregungen und Informationen, denn der Outdoor-Pädagoge möchte auch die Wahrnehmung der Kinder schulen. Dabei geht es um Tierspuren, Vogelrufe oder um das Nutzen des eigenen Sichtfeldes. Mit den Händen macht er den Kindern deutlich, wie viel sie eigentlich sehen können, und animiert sie dazu, das bewusst zu nutzen.

Stasch selbst war als Kind häufiger mit seinem Vater im Wald und hat auch stets Sport in der Natur getrieben. Bewusst als wohltuend empfunden habe er das jedoch nicht. »Das kam mit der Ausbildung zum Erlebnispädagogen«, sagt der 26-Jährige, der anschließend an der Deutschen Sporthochschule in Köln Sport, Erlebnis und Bewegung studiert und mehrere Jahre lang für verschiedene Anbieter im Erlebnis-, Fitness- und Gesundheitsbereich gearbeitet hat. »Ich finde, es liegt in unserer Natur, in der Natur zu sein.«

Das ist daher auch das Grundkonzept seines eigenen Projektes »freiluftaktiv«, das im Zuge der Corona-Pandemie entstanden ist, als plötzlich fast alle seine Kurse ausgefallen sind. »Das Einzige, was man noch machen konnte, war raus in die Natur zu gehen«, sagt der Treiser, der daraufhin beschloss, etwas Eigenes aufzubauen. Im Winter werkelte er an seiner eigenen Homepage, druckte Flyer und schrieb Veranstalter in der Region an - so wie die Jugendpflegen in Allendorf und Staufenberg, die ihn prompt für die Ferienspiele gebucht haben.

Nun sind der Landkreis Gießen, der Lahn-Dill-Kreis und der Landkreis Marburg-Biedenkopf die Arbeitsschwerpunkte des 26-Jährigen, der vorher für seine Kurse oftmals weite Strecken zurücklegen musste. Von Personal-Trainings, Gruppenveranstaltungen und Team-Building-Maßnahmen bis zu Nachtwanderungen oder Orientierungstouren bietet Stasch in der Region diverse Naturerlebnisse an.

Genau jene Erlebnisse haben seiner Erfahrung nach viele Menschen in der Corona-Zeit nun wieder zu schätzen gelernt. »Es gibt ein neues Naturbewusstsein.«

Für Stasch ist das Projekt erst einmal ein Versuch. Ob er davon leben könne, müsse man sehen, sagt er. »Aber dafür, dass es im Prinzip erst in diesem Jahr richtig losgegangen ist, läuft es überraschend gut«, findet der 26-Jährige, der aus Staufenberg bereits positives Feedback zu den Ferienspielen erhalten hat. Zudem hat er eine erste feste Gruppe, die zweimal wöchentlich mit ihm trainieren will. »Ich denke, es ist gut, dass sich die Angebote so ergänzen«, sagt er.

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