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Online-Unterricht prägt seit Pandemiebeginn den Übungsdienst der Feuerwehren.

Vom Testcenter bis zur App

  • vonPatrick Dehnhardt
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Freiwillige Feuerwehren sind es gewohnt, auf neue Situationen zu reagieren: Jeder Unfall, jedes Feuer, jedes Unwetter ist anders. Um trotz Pandemie weiter üben zu können, hat man sich deshalb vielerorts Gedanken gemacht. Kein Wunder also, dass auch beim Wettbewerb »Feuerwehr der Zukunft« das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt steht.

Die Pandemie beherrscht seit Monaten den Alltag, auch den der Freiwilligen Feuerwehren. Über Monate hinweg fanden weder normales Üben noch Unterrichtsabende statt. Der diesjährige Wettbewerb »Feuerwehr der Zukunft« steht daher unter dem Motto »Feuerwehr in Zeiten von Corona«. Ein Überblick über die sieben teilnehmenden Wehren und ihre Projekte:

Die Freiwillige Feuerwehr Allendorf/Lumda hat sich überlegt, wie sich Feuerwehrkräfte trotz Pandemie einsatzbereit halten können. Um die Aktiven fortzubilden und »ihnen durch die Ausbildung entsprechende Sicherheit für die Einsätze zu bieten«, wurden Ausbildungen digitalisiert oder als Online-Veranstaltungen abgehalten, erklärt Michael Carl. Unterricht per Konferenz am Computer wurde so zum Alltag. Dabei waren die Allendorfer sehr früh dran: »Gestartet wurde mit der Einsatzabteilung Ende März 2020«, teilt Carl mit. Die Jugend- und die Kinderfeuerwehr kamen im Laufe des vergangenen Jahres dazu, sodass auch an die Nachwuchsabteilungen gedacht wurde.

Als Ergänzung zum Online-Unterricht wurde in Lich an einer E-Learning-Plattform für Jugend- und Einsatzabteilung getüftelt. Tobias Becker und Tim Nier von der Freiwilligen Feuerwehr Muschenheim wollen auf einer Internetseite Anreize setzen, sich mit Feuerwehrinhalten zu beschäftigen. Themen werden erklärt, in einem Quiz können die Nutzer ihr Wissen überprüfen. Das Quiz kann auch nach einem Online-Schulungsabend genutzt werden: »Die Ausbilder können so sicherstellen, dass alle Teilnehmer die vorgetragenen Themen verstanden haben und nicht durch Verbindungsabbrüche und sonstige Beeinträchtigungen gestört wurden«, erklärt Becker.

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Lollar dreht sich alles um das Thema Digitalisierung. So wurden durch die Implementierung von Microsoft-Teams-Accounts für alle Mitglieder laut dem Projektverantwortlichen Daniel Rosenbach schnell wieder Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen ermöglicht. Hintergrund: für gemeinnützige Vereine sind diese kostenlos. Online erreiche man bisweilen sogar mehr Teilnehmer als mit Präsenzveranstaltungen, erzählt Rosenbach. Außerdem habe man das Meldewesen digitalisiert: Die Einsatzkräfte erhalten die Meldung mit Ursache nun auch auf ihr Smartphone und wissen sofort, ob es um eine Ölspur oder einen Wohnungsbrand geht.

An die Jugendfeuerwehren wendet sich das Projekt der Freiwilligen Feuerwehr Buseck : Dort wurde eine Jugendfeuerwehr-App in Angriff genommen. »Mit der App können Jugendwarte Übungstermine erstellen«, schildert Kevin Döll. Die Jugendlichen können dann direkt zu- oder absagen. Zudem lassen sich Nachrichten direkt auf die Handys der Jugendlichen schicken - etwa wenn die Übung krankheitsbedingt ausfällt. In einer Kategorie gibt es Informationen zu wichtigen Themen für die Jugendfeuerwehr. Seit Oktober 2020 wird die App genutzt.

Dass in der Pandemiezeit die Nachwuchsarbeit leidet, damit wollten sich auch die Jugendfeuerwehren des Seenbachtal s nicht abfinden. Ihr Projekt trägt den Titel »Digitial, aber real! Vom Bildschirm rein in die echte Welt«. Die Jugendwarte entwickelten dafür eine digitale Schnitzeljagd mit Aufgaben in der realen Welt. Am praktischen Teil können Jugendliche je zu zweit teilnehmen, in Videokonferenzen wird anschließend über das Erlebte gesprochen.

Die Freiwillige Feuerwehr Allendorf/Lahn hat ein Schnelltest-Center im Feuerwehrhaus eingerichtet. Dort werden seit 1. April wöchentlich Testungen für alle Feuerwehrkräfte sowie deren Angehörige angeboten. Dadurch will man frühzeitig erkennen, ob Feuerwehrleute bei einem Einsatz das Virus mitbringen. Die im gleichen Haushalt lebenden Angehörigen werden ebenso getestet, damit »in die Familie eingetragene Infektionen so früh erkannt werden, bevor das Feuerwehrmitglied weitere Kameraden ansteckt«. Die Tests werden von Feuerwehrkräften durchgeführt, die durch das DRK geschult wurden. Ihr Angebot hat die Wehr längst ausgeweitet, so können sich auch Menschen im Ort testen lassen.

Die Freiwillige Feuerwehr Gießen hat sich mit der Anschaffung eines digitalen Whiteboards beim Wettbewerb beworben. Dort sollen unter anderem digitale Ausbildungsunterlagen eingestellt werden. Diese kann dann jedes Feuerwehrmitglied ohne Zeitverzug herunterladen.

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