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Seit Dienstag arbeitet Larissa Hildebrand als Klimaschutzmanagerin im Busecker Schloss. FOTO: JWR

Voller Energie für den Klimaschutz

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Seit dieser Woche arbeitet Larissa Hildebrand als Klimaschutzmanagerin in Buseck. Was gehört zu ihren Aufgaben? Und was bringt der Gemeinde diese Stelle? Klar ist schon jetzt: Es geht auch darum, das Thema stets "mitzudenken".

Noch ist Larissa Hildebrand in der Einarbeitungsphase, muss ihren neuen Arbeitgeber und damit die Gemeinde Buseck erst mal kennenlernen. Bei einer Rundfahrt hat sie sich schon einen groben Überblick über Gebäude verschafft, die sie künftig noch beschäftigen werden: die Sporthallen, Bürgerhäuser, Feuerwehrgerätehäuser und Kitas. Schon vor dem offiziellen Dienstbeginn hat sie im Energiebeirat Akten gewälzt. "Ich wurde sehr nett aufgenommen", sagt Hildebrand, die seit dem 1. Februar das Team der Busecker Bauabteilung ergänzt.

Ab sofort beschäftigt Buseck die 24-Jährige als Klimaschutzmanagerin. Beim Kreis und der Stadt Gießen gibt es diese Stelle schon, ebenso seit Februar in Staufenberg, außerdem in Langgöns und - bereits seit zweieinhalb Jahren - in Hungen. Biebertal sucht einen Klimaschutzmanager, andere Kommunen, etwa Allendorf/Lumda und Heuchelheim, prüfen diese Option.

Dass diese neue Position zurzeit in etlichen Orten geschaffen wird, liegt nicht zuletzt an der günstigen Fördersituation: Im Zuge des "Masterplans 100 Prozent Klimaschutz" hat der Kreis Gießen Ziele und Handlungsfelder im Bereich Klimaschutz festgeschrieben. Kreiskommunen haben die Möglichkeit, weitgehende Bundeszuschüsse für die Einstellung von Klimaschutzmanagern zu beantragen. Für diesen Weg hat man sich auch im Bu- secker Schloss entschieden.

Doch was fällt eigentlich in den Aufgabenbereich der Klimaschutzmanagerin? Bürgermeister Dirk Haas zählt einige Stichworte auf, mit denen Hildebrand voraussichtlich zu tun haben wird: Verkehr und Mobilität, Ökopunkte-Management, Bilanzen über die Ver- und Entsiegelung von Flächen, Ausgleichsmaßnahmen, Energie, Gebäudesanierungen und mehr. Schon diese Aufzählung macht deutlich: Der Klimaschutz ist ein Querschnittsthema, das in viele Politikfelder hineinstrahlt.

Künftig, so die Idee des Bürgermeisters, sollen alle Vorlagen für das Parlament auch auf Auswirkungen auf Klima und Umwelt hin abgeklopft werden. Aus seiner Sicht ist das nur konsequent, schließlich werde ja auch stets ausgewiesen, welche finanziellen Auswirkungen ein Beschluss für die Gemeinde hat. "Wir müssen schauen, wie wir das mit der Prüfung konkret machen", sagt Hildebrand, aber das werde sich bald zeigen.

Zwar habe die Gemeinde noch kein ausgefeiltes Klimaschutzkonzept, doch man sei in den letzten Jahren durchaus vorangekommen, erläutert Haas. So gebe es zwei E-Autos im gemeindeeigenen Fuhrpark.

Die Energieverbräuche der kommunalen Gebäude habe man über Jahre kontinuierlich gemessen, sagt Haas. Nun gelte es, Schlüsse aus diesen Daten zu ziehen. Er nennt die Beleuchtung der Sporthallen, da wolle man von Leuchtstoffröhren auf LED umrüsten.

"So was nimmt man sich vor, aber es bleibt schon mal hängen." Umso wichtiger sei es, dass nun eine Kollegin in der Gemeindeverwaltung sitzt, die solche Themen gezielt auf dem Schirm hat. Ein weiteres Projekt: Mit "moderner Netzwerktechnik" will die Verwaltung in Kooperation mit den Stadtwerken Gießen innovative Möglichkeiten der An- und Abschaltung von Straßenlampen bei Nacht prüfen.

"Wir wollen, dass das Thema Klimaschutz auf kommunaler Ebene zu einem der wichtigsten Punkte wird", sagt Haas. Wie viel die Klimaschutz-Stelle der Gemeinde unterm Strich konkret einbringen wird, etwa gemessen an eingesparter Energie, könne man so nicht beziffern. "Das kann man nicht in Zahlen fassen."

Wichtig ist ihm vor allem, das Bewusstsein für den Klimaschutz zu stärken, dieses Thema quasi stets mitzudenken. "Das muss in die Köpfe rein", sagt Haas - und dafür habe man mit der neuen Stelle auch ein wichtiges Signal gesetzt.

"Es nutzt nichts, wenn wir hier Zettel vollschreiben, die Öffentlichkeitsarbeit ist wichtig." Von der neuen Klimaschutzmanagerin wird auch erwartet, dass sie kommunikativ ist, das Thema Klimaschutz nach vorne bringt, Bürger berät, bei Bedarf auch Veranstaltungen moderiert. So soll sie beispielsweise die Kommune bei Treffen der Initiative "Verkehrswende" vertreten.

Für Hildebrand ist es nach einem Praktikum die erste Anstellung, "ich habe noch nicht so viel Erfahrung in dem Beruf". Doch Berufserfahrung sei eben nicht alles, gibt Haas zu bedenken und findet: "Wir haben eine gute Fachkraft gefunden." Zurzeit dauere es oft länger, offene Stellen in der Verwaltung zu besetzen, so Haas. Er habe auch in diesem Fall nicht mit allzu vielen Bewerbungen gerechnet, am Ende waren es aber immerhin rund 20 - zum Beispiel auch von Geografen und Geologen. Eine Handvoll Bewerber wurde eingeladen, am Ende machte Hildebrand das Rennen.

Sie wollte gern im öffentlichen Dienst arbeiten, erzählt Hildebrand, und nun habe es auf Anhieb funktioniert. Mit ihren vielfältigen Aufgaben wird sie sich nun Stück für Stück im Busecker Schloss vertraut machen, das geht freilich nicht von heute auf morgen.

Während eines Praktikums bei der Stadt Gießen hat sie Erfahrungen im Bereich Klimaschutzmanagement gesammelt. "Da hat eher das Thema Verkehr Vorrang, hier Gebäudesanierungen", sagt sie. Von Abfallwirtschaft über Energiefragen bis Gewässerschutz hätten viele Bereiche in der Uni-Ausbildung eine Rolle gespielt. Insgesamt fühlt sich die Klimaschutzmanagerin gut gewappnet für den neuen Job - auch wenn der im konkreten Arbeitsalltag noch an Kontur gewinnen muss.

Hildebrands Stelle ist auf drei Jahre befristet, so lange läuft die Förderung. Man muss kein Prophet sein, um zu sagen: Die Herausforderungen des Klimaschutzes werden die Kommune weit länger beschäftigen. Wie geht es in drei Jahren weiter? "Wir gucken, was das für die Gemeinde bedeutet", sagt Haas. "Wir wollen das Thema nachhaltig auf den Weg bringen, das wird auch von den Ergebnissen und der Akzeptanz abhängen." Nicht ausgeschlossen, dass sich Buseck dann eine Klimaschutz-Stelle auf eigene Kosten leistet.

Für die weitere Perspektive dürfte nicht zuletzt entscheidend sein, was die neue Kollegin in den nächsten drei Jahren mit anschiebt.

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