Fraktionsvorsitzender Prof. Ulrich Ellinghaus (links) und Bürgermeister Thomas Brunner mit dem designierten SPD-Bürgermeisterkandidaten Ralf Volgmann.
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Fraktionsvorsitzender Prof. Ulrich Ellinghaus (links) und Bürgermeister Thomas Brunner mit dem designierten SPD-Bürgermeisterkandidaten Ralf Volgmann.

Volgmann soll auf Brunner folgen

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Ralf Volgmann (56) will Wettenberger Bürgermeister werden. Der SPD-Vorsitzende wird sich um die Nachfolge von Thomas Brunner bewerben. Der tritt im kommenden Jahr nach zwei Amtszeiten nicht mehr an. Über seine berufliche Zukunft hüllt sich der 56-jährige Amtsinhaber noch in Schweigen.

Seit Freitag ist es amtlich: Die SPD geht mit einem neuen Direktkandidaten ins Rennen um das Bürgermeisteramt in Wettenberg. In den vergangenen Tagen haben die Fraktion in der Gemeindevertretung und der Parteivorstand einmütig Ralf Volgmann das Vertrauen ausgesprochen. Der Wettenberger SPD-Vorsitzende soll am 22. Oktober in einer Mitgliederversammlung nominiert werden.

Amtsinhaber Thomas Brunner (SPD), 2009 als Nachfolger von Gerhard Schmidt gewählt, tritt kein weiteres Mal an. Die zweite Amtszeit des 56-jährigen endet am 31. Januar 2022.

Volgmann, ebenfalls 56 Jahre alt, ist Geschäftsführer der Gießen@Schule gGmbH, die in der Stadt Gießen den Ganztagsbetrieb der Schulen organisiert. Der gebürtige Berliner ist in Ost-Westfalen aufgewachsen und seit 2002 auf dem Gleiberg direkt unter der Burg heimisch. In Wettenberg ist er seit sechs Jahren SPD-Vorsitzender und gehört seit 2011 der Gemeindevertretung an. Seit 2016 steht Volgmann dem Sozialausschuss vor. Er engagiert sich zudem als Vorsitzender des Bürgerprojekts Gleiberg, ist Presbyter der ev. Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg, kümmert sich im Vorstand der Deutsch-Französischen Gesellschaft Wettenberg vornehmlich um die junge Partnerschaft mit Grigny und hat sich in der Arbeit mit Geflüchteten eingebracht.

Volgmanns berufliche Wurzeln liegen im Sozialbereich: Nach einer Bäckerlehre und acht Jahren als Zeitsoldat besuchte er die Fachschule für Wirtschaft in Hannover sowie die CVJM-Fachschule für Sozialpädagogik in Kassel, um sich als Erzieher und für kirchliche Jugendarbeit zu qualifizieren. Der weitere Weg führte nach Gießen in die Paulus- und die Stephanus-Gemeinde sowie in die CVJM-Verwaltungsleitung. Nach einem kurzen Ausflug in die Selbstständigkeit mit dem Betrieb des Café Rühl am Gießener Marktplatz ("War ein Traum von mir, aber wirtschaftlich nicht zu stemmen") ging er zur Schulverwaltung in die Organisation des Ganztagsbetriebs; heute mit Verantwortung für 275 Mitarbeiter.

"Als Thomas Brunner seine Entscheidung bekannt gab, war der Vorstand der SPD gefordert, sich Gedenken zu machen", sagte er am Freitag. Nach eingehender Beratung mit der Familie und Freunden war die Sache klar. Volgmann gilt über Parteigrenzen hinweg eher als ausgleichend denn als polarisierend und als offen im Dialog. "Ich möchte die Menschen mit einbeziehen, das habe ich gelernt", sagt er über seinen Arbeitsstil.

Thomas Brunner hat es sich nach eigenem Bekunden nicht leicht gemacht: "Für mich persönlich eine schwere Entscheidung. Das Bürgermeisteramt war und ist ein Traumjob". Dennoch wolle er sich einer neuen Herausforderung stellen, sagt der 56-Jährige: "Wenn nicht jetzt - wann dann?!" Was das sein soll, ließ er offen. Es sei eine Position weniger auf dem politischen Feld denn vielmehr auf wirtschaftlichem, blieb er vage. Da sei jedoch noch nichts entschieden, gebe es noch Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Die Entscheidung, auf eine dritte Amtszeit zu verzichten, habe nichts mit der Kommunalwahl im März 2021 zu tun, beteuert er. Bürgermeisterwahl ist voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte, also nachdem die Mehrheiten in der Gemeindevertretung womöglich neu sortiert sind. In Wettenberg hat die SPD seit 2016 keine absolute Mehrheit mehr, kooperiert mit den Grünen. Brunner: "Es war und ist für mich kein Thema, womöglich mit anderen Mehrheiten arbeiten zu können oder müssen".

Bereits im April hat die Wettenberger CDU den von ihr favorisierten Bürgermeister-Kandidaten vorgestellt: Den wie Brunner in Frankenbach lebenden, aus Krofdorf stammenden Andreas Heuser, einen 54-jährigen Polizeihauptkommissar. Zum "Duell der Frankenbacher" kommt es also nicht. Ob es bei zwei Kandidaten bleibt, ist offen. Grüne und Freie Wähler haben sich noch nicht geäußert; weitere Bewerber sind möglich. FOTO: SO

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