Strahlender Gewinner: Lars Becker wird als Preisträger eines internationalen Rednerwettstreits in Mastershausen (Hunsrück) vom Publikum gefeiert. FOTO: PM
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Strahlender Gewinner: Lars Becker wird als Preisträger eines internationalen Rednerwettstreits in Mastershausen (Hunsrück) vom Publikum gefeiert. FOTO: PM

Nerven wie Drahtseile

In vier Minuten auf den Punkt: Hüttenberger gewinnt internationalen Redner-Wettbewerb

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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In 240 Sekunden muss alles gesagt sein. Vier Minuten entscheiden über Top oder Flop. Lars Becker aus Hüttenberg hat bei einem internationalen Rednerwettstreit Nerven wie Drahtseile bewiesen und "abgeräumt". Noch vor einem Jahr hätte er von einem solchen Triumph kaum zu träumen gewagt.

Der Mann, der nach eigenem Bekunden noch vor nicht allzu langer Zeit selbst eine "Riesenangst" davor hatte, vor Menschen frei zu sprechen, hatte beim "Internationalen Speaker Slam" in Mastershausen (Hunsrück) Grund zum Feiern. Für seinen Beitrag zum Thema "Keine Angst vor der Bühne" wurde Lars Becker aus Hüttenberg durch den Top-Speaker Hermann Scherer mit dem "Excellence Award" ausgezeichnet - die stylische Trophäe passt perfekt zu dem modernen Ambiente seiner Wohnung in Volpertshausen.

Der strengen Jury stellten sich 56 Redner aus neun Nationen, darunter auch Teilnehmer aus der Türkei und Brasilien. Becker überzeugte neben den Autoren, Rednern und Unternehmern in der Jury auch das coronabedingt auf 60 Personen limitierte Publikum mit seinem Auftritt und der Dramaturgie, die er in seiner Rede aufgebaut hatte.

Dabei hatte er ebenso wie seine Mitstreiter nur vier Minuten Zeit, die Zuhörer mitzureißen und zu begeistern. "Einen Vortrag so zu kürzen und trotzdem alles zu sagen, was wichtig ist, und sich dann noch mit seinem Publikum zu verbinden - das ist wohl die Königsklasse im professionellen Speaking", versichert Becker gegenüber dieser Zeitung.

Wer sich dieser Herausforderung stellt, der braucht Nerven wie Drahtseile: Nach vier Minuten wird das Mikrofon ausgeschaltet. Ohne Wenn und Aber. Becker ("Ich wusste, dass ich nicht patzen darf") gelang eine Punktlandung - er behielt die Uhr im Blick und war exakt eine Sekunde vor Ablauf der Frist fertig. Anmoderiert hatte man ihn übrigens als den "Mann, der den Menschen die Angst und die Panik nimmt, vor Publikum zu sprechen". Sein Vortrag: rundum überzeugend. Als "Speaker No. 3" konnte er den folgenden Teilnehmern entspannt zuhören.

Allein von Beruf wegen ist es heute für viele Menschen wichtig, sich gut zu präsentieren. Corona spielt Becker dabei quasi in die Hände. In Zeiten wie diesen ist verstärkt Homeoffice angesagt. Videokonferenzen boomen. Wer sich beim virtuellen Austausch mit Kunden und Kollegen sprichwörtlich gut verkaufen will, holt sich professionellen Rat, zum Beispiel in Hüttenberg bei dem Trainer, Speaker und Coach für Persönlichkeitsentwicklung und Selbstwert. Dabei saß der 47-Jährige noch bis vor etwa einem Jahr (bildlich gesehen) noch auf der anderen Seite der Schulbank. Für den gebürtigen Gießener, der mit seiner Familie bis 2018 in Biebertal lebte, war die Erweiterung der persönlichen Komfortzone seinerzeit das Gebot der Stunde. Als Webdesigner hatte sich der gelernte IT-Fachmann, Administrator und Software-Entwickler schon vor zehn Jahren selbstständig gemacht. Nun meldete er sich zu Rhetorikseminaren an.

Bei einer solchen Veranstaltung in Mayrhofen (Österreich) hatte er sein persönliches "Aha-Erlebnis", als er vor 300 Menschen sprach. Die waren zuvor in kleineren Gruppen gecoacht worden - jene zehn, die am schnellsten rannten, durften auf die große Bühne. Becker erinnert sich: "Ich war der Neunte". Sein Vortrag damals schon: mitreißend, da sehr persönlich. Er hatte seine eigene Angst zum Thema gemacht - und besiegt, "Das war ein schönes Gefühl die eigene Botschaft unterzubringen", resümiert Becker und sagt: "Meine Botschaft lautet ›Trau dich, zeig’ dich so, wie du bist‹". Sein Glücksgefühl fasste Ehefrau Gil Brandtner damals in einem einzigen Satz zusammen: "Ich habe dich noch nie so strahlen gesehen". Dieser Satz wirkte sich entscheidend auf das Leben des 47-Jährigen aus. Am Coachen und Co. hat der Familienvater einen derart großen Gefallen entwickelt, dass er es mittlerweile zum Beruf gemacht hat. Um anderen ihre Angst zu nehmen.

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