"Ich wünsche mir, dass ein Jüngerer sich für die Geschichte seines Heimatortes interessiert", sagt Franz Ewert auf die Frage, wer zukünftig die Fortschreibung der Chronik übernehmen könnte. FOTO: BF
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"Ich wünsche mir, dass ein Jüngerer sich für die Geschichte seines Heimatortes interessiert", sagt Franz Ewert auf die Frage, wer zukünftig die Fortschreibung der Chronik übernehmen könnte. FOTO: BF

Nachfolger gesucht

Vier Jahrzehnte auf 26 000 Seiten: Hobby-Historiker stellt Chronik der Gemeinde Lahnau zusammen

  • vonFranz Ewert
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In 60 schwergewichtigen Bänden hat Franz Ewert mit viel Hingabe eine Chronik der Gemeinde Lahnau und der Ortsteile Atzbach, Dorlar und Waldgirmes zusammengestellt. Nun sucht der Hobbyhistoriker einen Nachfolger, der die Annalen fortführt.

Richtungsweisend, dramatisch oder einfach nur interessant: Wie Ereignisse in der 40 Jahre währenden Geschichte einer Gemeinde einzuordnen sind, ist eine Frage des Standpunkts - und der Leidenschaft für ein Thema. Was die Gemeinde Lahnau angeht, ist die Historie nun jedenfalls ausführlich und mit viel Hingabe und Augenmerk fürs Detail dokumentiert.

Die Chronik der Gemeinde sowie der drei Ortsteile Atzbach, Dorlar und Waldgirmes ist inzwischen auf knapp 26 000 DIN-A-4-Seiten und - zusammengebunden zwischen festen Deckeln - in 59 Bänden festgehalten. Der 60. ist derzeit in Arbeit.

Der Mühe des Sichtens und Archivierens hat sich der ehemalige Polizist und über mehrere Jahrzehnte als freier Mitarbeiter dieser Zeitung aktive und inzwischen 71 Jahre alte Franz Ewert unterzogen.

Angefangen hat die Freude und dann die Leidenschaft für das Sammeln lokaler Veröffentlichungen im Jahr 1979, als erstmals in den lokalen Zeitungen der Name "Lahnau" - am 1. August des Jahres aus der Erbmasse der wieder abgeschafften Stadt Lahn heraus entstanden - als Ortsmarke vor den Berichten aus den drei Ortsteilen Atzbach, Dorlar und Waldgirmes zu sehen war. "Das war etwas Neues", erzählt Ewert. "Und ein Grund, die Meldungen und Berichte aus den Tageszeitungen nicht einfach am nächsten Tag wegzuwerfen, sondern auszuschneiden und aufgeklebt aufzuheben."

Wohin sich diese eher spontan begonnene Tätigkeit entwickeln würde, sei zunächst nicht abzusehen gewesen, berichtet Ewert. Schnell aber sei klar geworden: "Wenn schon, denn schon." Mit der Folge, das möglichst alles, was irgendwo in gedruckter Form von und über Lahnau berichtet wurde, Eingang in die Geschichtssammlung fand.

Und daraus sind nun 60 Bände geworden. Drei Lahnauer Bürgermeister waren in diesen vier Jahrzehnten im Amt, nun ist es als vierte eine Bürgermeisterin. Alle finden sich ausführlich in der Chronik wieder. Dazu möglichst alles aus der Kommunalpolitik, die auf Lahnau bezogenen sportlichen Ereignisse wie beispielsweise der Hessenliga-Fußball und der Bundesliga-Volleyball, Berichte aus dem Dorfleben jeglicher Coleur sowie Ereignisse und Begebenheiten aus der lokalen Wirtschaft und allen möglichen anderen Feldern. Und natürlich Personen und Personelles aus Vereinen, Kirchen, Familien und vieles andere mehr. All das soll in Wort und Bild für spätere Generationen aufbewahrt werden. Ewert betont: "Das ist der eigentliche Sinn des ganzen Bemühens."

Wer stöbert, findet zum Beispiel Informationen zur einstigen Auskiesung der Lahnaue und zur Rettung derselben. Das Römische Forum und der berühmte Pferdekopf sind ebenso vertreten wie der Geschichtsverein und sein Heimatmuseum. Die Brücken der A 45, das Hallenbad, die Grundschule Atzbach, die Sportanlagen, die Hochwässer in Lahnau sowie die Geschichte der Klosterkirche Dorlar durften nicht fehlen. Wer Interesse an der Heimatgeschichte Lahnaus hat, findet in den Bänden ein umfangreiches Wissen von bleibendem Wert für alle, die das notwendige Interesse an dieser Materie haben.

Der fleißige Sammler schätzt, dass in den 40 Jahren rund 3000 Menschen in den drei Ortsteilen verstorben sind - quasi ein ganzer Ortsteil. Rund 2500 Nachrufe finden sich in seinen Chronikbüchern. Nach und nach bemüht sich Ewert nun auch darum, zu möglichst vielen der Traueranzeigen ein Foto zu finden und einzukleben, "damit man noch in 50 oder 100 Jahren mit den Namen der Verschiedenen auch das entsprechende Konterfei in Verbindung bringen kann". Wider das endgültige Vergessen sozusagen.

Der Chronist macht sich unterdessen Gedanken, wer einmal seine Lahnauer Annalen übernehmen könnte. "Ich wünsche mir, dass ein Jüngerer sich für die Geschichte seines Heimatortes interessiert", sagt der ehrenamtliche Lokalhistoriker, der sich freuen würde, wenn die Sammlung auch dann weitergeführt wird, wenn ihm selbst das einmal nicht mehr möglich ist.

Schon sind weitere Berichte in einem Schuber gesammelt, die seit dem 1. Januar angefallen sind. Das bedeutet tägliches Auswerten von Zeitungen, Zeitschriften und anderen Quellen. Auch diese noch losen Blätter - es sind aktuell wegen der Corona-Krise und ihren Folgen nicht mehr ganz so viele wie in den Jahren zuvor, immerhin aber dennoch etwa 500 Seiten - sollen unmittelbar nach Ende des laufenden Jahres wieder in zwei Bänden zusammengefasst werden. Der Chronis fügt hinzu: "So Gott will und ich lebe."

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