Vielfalt statt Schotter

  • vonred Redaktion
    schließen

Gießen(pm). Anlässlich des diesjährigen Tages des Friedhofs am kommenden Wochenende unter dem Motto "Natürlich erinnern" ruft der Naturschutzbund (NABU) auch hierzulande dazu auf, die Artenvielfalt auf Friedhöfen zu bewahren. "Friedhöfe sind Refugien für bedrängte Stadtnatur. Sie leisten so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und bieten uns Menschen gleichzeitig einen Ort der Andacht und Erholung" sagt Gerhard Eppler, Vorsitzender des NABU Hessen.

Wie artenreich Friedhöfe sein können, zeigen gerade historische Anlagen. In diesen jahrhundertelang gewachsenen Biotopen finden zahlreiche Vogel- und Insektenarten, Igel, Eichhörnchen, Bilche und Fledermäuse, aber auch Eidechsen einen sicheren Rückzugsort. Aber gerade in neueren Anlagen, ähnlich wie in Vorgärten, zeige sich immer häufiger ein Trend zu naturfernen Gestaltungen mit Schotter, erklärte der NABU in einer Pressemitteilung.

Vielen Menschen fehle heute die Zeit für eine aufwendige Grabpflege. Da klinge das Versprechen eines pflegeleichten, aber immer ordentlichen Grabes, dass zudem nicht gegossen werden muss, natürlich verlockend. Die Natur bleibe aber dabei auf der Strecke.

Schottergräber nicht pflegeleichter

"Gräber mit Schotterflächen sind aus Sicht des Naturschutzes äußerst bedenklich", erklärt Biologe Eppler. "Anders als in echten Steingärten, die, wenn sie fachgerecht angelegt werden, vielen Insekten Nahrung bieten, finden sich auf den mit Schotter gestalteten Gräbern kaum noch Pflanzen. Diese Flächen bieten daher keine Lebensräume und Nahrung für Insekten oder Vögel."

Pollen, Nektar oder Samen, die von Vögeln oder Insekten als Nahrung genutzt werden könnten, haben diese Pflanzen nicht. Die Böden seien zudem meist versiegelt.

Auch für Menschen sei viel Schotter auf dem Friedhof nicht gut, befindet der NABU. Die Steine heizen sich stark auf und fördern so die Erwärmung der Stadt. Allergene, Pollen und Schadstoffe aus der Luft werden nicht, wie bei begrünten Gräbern, durch das Laub gefiltert.

Auch seien die Schottergräber nicht pflegeleichter, befindet der NABU - da die Steine mit den Jahren Moos und Algen ansetzen. Zudem sammeln sich zwischen den Steinchen Laub und Staub. Der Schotter müsse dann aufwendig gereinigt oder sogar ausgetauscht werden. Die grünen Oasen der Friedhöfe mit ihrer einzigartig ruhigen und besinnlichen Atmosphäre, so der NABU, dürften nicht zu Steinwüsten werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare