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Die Graugans ist eine von 25 Arten, die zu den Rückkehrern im Landkreis zählt. Seit 1979 brütet sie regelmäßig hier.

Vielfältige Vogelwelt

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Gießen (pm). Jüngst ist erstmals eine sogenannte Avifauna des Landkreises erschienen, herausgegeben vom NABU-Kreisverband, der die vogelkundlichen Jahresberichte bereits seit 30 Jahren erstellt. Dieses Jubiläum, so schreibt es der NABU in einer Pressemitteilung, war Anlass, die in diesen drei Jahrzehnten gesammelten Beobachtungsdaten über die heimische Vogelwelt einer Auswertung zu unterziehen und in einer Gesamtübersicht darzustellen.

Da der Rückgang vieler Vogelarten - auch solchen »vor unserer Haustür« aus unterschiedlichen Gründen dramatisch fortschreitet, schien der Zeitpunkt laut NABU für ein solches Vorhaben unaufschiebbar. Dies sei nicht zuletzt deshalb so dringend, um aus den so gewonnenen Erkenntnissen notwendige und dringende Schutzmaßnahmen fundiert zu begründen.

Die Zusammenstellung soll das Vorkommen der Vogelarten im Kreis Gießen und einigen Randgebieten aus aktuellen und historischen Literaturquellen dokumentieren und damit alle vorhandenen Vogeldaten aus dem Kreis zusammenfassen und aufbereiten.

Insgesamt gibt die Literatur Hinweise auf 309 Arten, die bisher im Kreis Gießen nachgewiesen wurden. Es wären 314, wenn alle bekannten Beobachtungen auch dokumentiert beziehungsweise anerkannt worden wären. Hinzu kommen noch 33 Arten von sogenannten Gefangenschaftsflüchtlingen wie etwa dem Trauerschwan oder der Streifengans, die in Europa nicht heimisch sind, und 18 Typen von Mischlingen. Hier sind beispielsweise Hybriden aus Grau- und Kanadagans hervorzuheben, unter anderem am Wißmarer See brütete über 15 Jahre ein Mischpaar aus Grau- und Kanadagans.

Von den 309 Arten sind inzwischen 24 Arten als Brutvogel im Kreis ausgestorben, davon acht Arten seit 1979. Unter letzteren finden sich etwa Raubwürger, Steinschmätzer sowie Hauben- und Heidelerche. Vier Arten stehen kurz davor auszusterben, mit entsprechend wenigen Brutpaaren sind Braunkehlchen, Wiesenpieper, Gelbspötter und Schleiereule noch im Kreis Gießen vertreten.

Als neue Brutvogelarten oder Rückkehrer im Kreisgebiet wurden seit 1979 insgesamt 25 Arten registriert. Davon brüten acht Arten regelmäßig, zum Beispiel Graugans, Reiheente und Sperlingskauz. Hierzu zählen auch die etablierten Neozoen Nil- und Kanadagans. Elf Arten haben nur eine oder wenige Bruten bisher getätigt, wie zum Beispiel Rothalstaucher, Waldwasserläufer und Lachmöwe. Des Weiteren gibt es sechs Arten, die nach zwischenzeitlichem Aussterben wieder als regelmäßige Brutvögel vertreten sind. Es handelt sich um Schwarzstorch, Graureiher, Uhu, Wanderfalke und Kolkrabe, die sämtlich wegen direkter menschlicher Verfolgung ausgerottet waren, sowie den Weißstorch.

Seit 2010 große Bestandseinbußen

Neben den Brutvogelarten und regelmäßigen Durchzüglern wurden auch seltene Gastvogelarten schon in historischer Zeit registriert. Von 33 Arten gibt es bisher erst einen bis zwei Nachweise im Kreisgebiet, so zum Beispiel von der Zwergohreule oder dem Mauerläufer. Weitere 32 Arten wurden bis zu zehnmal gesichtet, wie Zwergadler oder Halsbandschnäpper.

Die Türkentaube, die Beutelmeise und der Karmingimpel sind im 20. Jahrhundert eingewandert und inzwischen schon nicht mehr oder nur noch sporadisch nachweisbar. Hervorzuheben ist außer dem deutlichen Überwiegen von langfristig negativen Trends, dass viele Arten, besonders auch eher häufige, seit etwa 2010 deutliche, teils sogar dramatische Bestandseinbußen zu verzeichnen haben.

Die Avifauna ist in Papierform für 10 Euro plus Porto zu bestellen bei: Lioba Krämer, Mittelgasse 1, 35457 Lollar, Telefon 0 64 06/7 70 45, E-Mail lioba.kraemer@t-online.de.

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