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Bürgermeister Dirk Haas (links) und sein Herausforderer Michael Ranft (rechts) bei der Podiumsdiskussion im Kulturzentrum, Moderator ist Carsten Schäfer.

Vieles auf dem richtigen Weg

Gräben wurden bei der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten für Buseck nicht aufgerissen. Es ging vielmehr ruhig, sachlich und fair zu.

Der Busecker Gewerbeverein hat den amtierenden Bürgermeister Dirk Haas (SPD) und dessen Herausforderer Michael Ranft (gemeinsamer Kandidat von Freien Wählern und CDU) am Montagabend in den großen Saal des Kulturzentrums in Großen-Buseck eingeladen und vor rund 70 Zuhörenden zu verschiedenen Themenblöcken befragt. Auch das Publikum war eingeladen, Fragen zu stellen. Von dieser Möglichkeit wurde allerdings kaum Gebrauch gemacht.

So hatten beide Männer auf dem Podium viel Raum, ihre Sicht zur Lage der Gemeinde darzustellen, Ziele für die kommende Legislaturperiode zu formulieren und zu verschiedenen Themen wie Wirtschaft, Tourismus und Infrastruktur Stellung zu beziehen. Die Positionen von Amtsinhaber und Herausforderer lagen allerdings auch nicht sehr weit auseinander. Beide sehen die Gemeinde Buseck für künftige Herausforderungen grundsätzlich gut aufgestellt.

Von Moderator Carsten Schäfer zu seinen Zielen für die kommenden sechs Jahre befragt antwortete Haas, dass er die erfolgreiche Arbeit in Buseck gerne fortführen möchte. Auf seiner Agenda stünden Themen wie Klima- und Hochwasserschutz, die Verbesserung der Betreuungssituation in den Kindergärten sowie die weitere Optimierung der Vereinsförderrichtlinien, der Anreizsysteme für energetische Sanierung und die Schaffung bezahlbaren Wohnraums.

Ranft sieht besonders bei der Zusammenarbeit in den politischen Gremien Verbesserungsbedarf. »Das Miteinander in der politischen Auseinandersetzung hat hier in Buseck großen Schaden genommen und persönliche Kränkungen hervorgerufen«, meinte er. In einer Gemeinde wie Buseck dürfe und solle man um die gute Sache streiten, aber man müsse sich auf der Straße auch erhobenen Hauptes begegnen und abends auch wieder gemeinsam ein Bier trinken können.« Ranft sagte, er verstehe sich selbst als ideologiefrei; er wünsche sich daher die gute Zusammenarbeit mit allen Fraktionen.

Im Hinblick auf die Umsetzung der Sachthemen gab Ranft offen zu, dass sowohl Haas als auch dessen Vorgänger Erhard Reinl gute Arbeit geleistet hätten. »Hier ist schon vieles auf dem richtigen Weg.« Auch er nannte die Kinderbetreuung als wichtiges Thema. Persönlich möchte Ranft die Entwicklung der Kleinmühle als Ort für Bildung und Begegnung vorantreiben. »Buseck ist das Tal der Mühlen - wir könnten an der Kleinmühle einen dauerhaften Mehrwert für die Gemeinde schaffen.« Zum Führungsstil befragt meinte Ranft: »Ich bin tolerant und locker, aber auch verbindlich.« Für ihn sei Wertschätzung und Vertrauen ganz wichtig, denn dann stimme auch die Motivation.

Haas versteht sich als Teamplayer. »Meine Tür steht offen. Ich frage bei meinen Mitarbeitern auch mal direkt nach, wie es ihnen geht.« Das Verhältnis zu seinen Mitarbeitern in der Verwaltung sei sehr gut, obwohl ihn der Betrugsfall (die GAZ berichtete) sehr mitgenommen habe, wie er zugab. »Ich muss mir selbst vorwerfen, dies nicht schnell genug erkannt zu haben«, sagte Haas. Aber er habe auch nicht geglaubt, dass er von jemandem, mit dem er Jahre zusammen gearbeitet habe, so hintergangen werde. »Das wünsche ich niemandem.« In der politischen Zusammenarbeit wünscht sich Haas eine Rückkehr zur Sachlichkeit. »Die Arbeit für die Bürger sollte im Vordergrund stehen, die Sitzungen dienen nicht als Plattform für die Darstellung persönlicher Befindlichkeiten.«

Wirtschaftlich und finanziell sehen beide Kandidaten die Gemeinde gut aufgestellt. Beide schätzen die gute Mischung von großen und kleinen Unternehmen in der Gemeinde, die auch in schwierigen Lagen wie der Coronapandemie eine gute Grundlage darstellten. Ranft lobte die Teilnahme Busecks an der touristischen Plattform »Gießener Lahntäler«. Auch im touristischen Bereich sehen beide allerdings noch Potenzial für die Gemeinde. »Buseck hat viel zu bieten - das muss man auch zeigen.« Ranft sagte, er können sich einen Wochenmarkt in Buseck vorstellen und auch einen Generationenwald. Auch das Freibad werde zur Steigerung der Attraktivität der Gemeinde beitragen. Haas wünschte sich die Weiterentwicklung des Angers in Großen-Buseck.

Den Wahlkampf erleben beide, gerade im Gespräch mit den Bürgern, als sehr freundlich und angenehm, obwohl Corona vieles von den ursprünglichen Planungen verbaut habe. Dass die Bürgermeisterwahl zeitgleich mit Landrats- und Bundestagswahl stattfindet, hält Ranft nicht für schlecht. »Ich wünsche mir eine hohe Wahlbeteiligung.«

Prognosen zum Ausgang der Bundestagswahlen mochten beide nicht abgeben. Bei den Landratswahlen waren sie sich allerdings einig. »Ich bin mit der Arbeit meiner Chefin zufrieden«, meinte Haas. Ranft: »Ich schätze Herrn Neidel, aber ich glaube tatsächlich, dass Frau Schneider wieder das Rennen machen wird.«

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