Marian Moldenhauer aus Treis bringt sich unter anderem als Fußball-Jugendtrainer ehrenamtlich ein. FOTO: JWR
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Marian Moldenhauer aus Treis bringt sich unter anderem als Fußball-Jugendtrainer ehrenamtlich ein. FOTO: JWR

Auf vielen Feldern aktiv

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Fußball-Jugendtrainer, Flüchtlingshelfer, Schulsprecher: Marian Moldenhauer aus Treis gestaltet in vielen Bereichen mit. Die Bürgerstiftung Mittelhessen ehrt den Abiturienten nun dafür. Auch jugendpolitisch bringt er sich ein - doch beruflich will er erstmal einen ganz anderen Weg beschreiten.

Ein bisschen unangenehm waren ihm die lobenden Worte des Staufenberger Jugendpflegers schon. "Mit seiner offenen Art und seinem Optimismus steckt Marian Moldenhauer viele andere junge Menschen an und trägt so dazu bei, dass auch andere sich engagieren und mitmachen", schrieb Sven Iffland in der Begründung der Nominierung Moldenhauers für den Ehrenamtpreis der Bürgerstiftung Mittelhessen, den er nun erhält. "Darüber habe ich mich sehr gefreut, aber da bin ich eher bescheiden", sagt Moldenhauer und lächelt.

Vor wenigen Tagen hat der Treiser und scheidende Schulsprecher an der CBES in Lollar unter besonderen Bedingungen sein Abi gemeistert. Während der letzten, vom Corona-Alltag geprägten Monate, musste er sein ehrenamtliches Engagement notgedrungen runterfahren. Aber davor - und nun allmählich wieder - investiert er etliche Stunden dafür. Wie viel Zeit geht fürs Ehrenamt drauf? "Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht", antwortet Moldenhauer und schätzt den Aufwand auf etwa zwölf Stunden pro Woche, "aber vieles läuft auch so nebenher".

Sein Engagement hat mit 14 Jahren Fahrt aufgenommen. Damals wurde er in den Treiser Juz-Vorstand gewählt. In der evangelischen Kirchengemeinde in Treis ist er Teil des Musical-Chores und der "Sternstunden"-Band. Vor allem hat sich der 19-Jährige bei Projekten der Staufenberger Jugendpflege eingebracht - als Hausaufgabenhelfer und Betreuer beim Internationalen Jugendaustausch und den Ferienspielen. Moldehauer ist auch Inhaber die C-Lizenz, war zuletzt Co-Trainer der Staufenberger B-Jugend und trainiert kommende Saison eine E-Jugend-Mannschaft.

In der Flüchtlingshilfe war er Anleiter beim "Cage Soccer Cup" und beim "Mitternachtsfußball". Kicken sei auch ein Mittel, um Grenzen zu überwinden und junge Menschen zusammenzubringen, findet er. "Ich habe gemerkt, dass man beim Sport nicht eine Sprache sprechen muss - jeder weiß, wie es geht." Auch in der Schule habe er erlebt, dass Integration nicht immer einfach sei - aber gelingen könne, wenn man im Kleinen anfängt.

Zeit fürs Ehrenamt einzubringen, gehört für Moldenhauer "einfach dazu, ich empfinde es nicht als anstrengend". Generell, erzählt er, habe er sich meist leichter fürs Ehrenamt als für die Schule motivieren können.

"Ich glaube, viele machen etwas Ehrenamtliches, bezeichnen es aber nicht so." Als Motivation seien kleine Zeichen oft goldwert: "Die Reaktion der Leute ist unbezahlbar." Und natürlich tue es auch gut, wenn man ein "Danke" höre, die Mitarbeit - wie im Staufenberger Jugendbüro - wertgeschätzt werde. Jugendliche seien bereit, sich einzubringen, so Moldenhauer. Aber man müsse sie auch ernst nehmen, ernsthaft einbinden - und nicht beispielsweise bei einer Radtour schon vorab alles durchplanen.

"Es gibt durchaus Bereiche, in denen man als Jugendlicher belächelt wird, etwa in der Politik", sagt Moldenhauer. Diese Erfahrung habe er als Mitglied des "Jugendforums Lumdatal" gemacht, das nun um Reiskirchen und Buseck erweitert wurde.

Die Jugendlichen debattieren, planen und budgetieren gemeinsame Projekte. Sie haben unter anderem auch eine Satzung erarbeitet, in den Kommunalparlamenten wurde teils kontrovers darüber diskutiert. Es brauchte einen langen Atem, "zum Glück sind alle bei der Stange geblieben", sagt der Treiser.

Politik für Jugendliche interessant zu gestalten, sei schwierig. Dabei werden sie gerade in den Kommunen angesichts des hohen Durchschnittsalters in den Parlamenten dringend gebraucht. Moldenhauer kann sich gut vorstellen, selbst einmal in der Kommunalpolitik aktiv zu werden. Das Interesse dafür hätten seine Eltern, beide Kommunalpolitiker, stets unterstützt.

Wofür wird er die 500 Euro Ehrenamt-Preisgeld verwenden? "Es passt vielleicht nicht ins Bild, aber ich will einen Traktorführerschein machen." Bei Praktika in der Landwirtschaft hat er Kontakte zu Bauern geknüpft, denen er bei der Ernte aushelfen könnte. "Landwirtschaft ist meine geheime Passion", sagt Moldenhauer.

Viele Abi-Kollegen peilen nun direkt die Uni an. "Die erste Frage ist immer: Was studierst du?" Moldenhauer hat erst mal einen anderen Plan: "Ab 1. August mache ich in Allendorf eine Ausbildung zum Zimmermann. Etwas mit den Händen zu machen, finde ich total wichtig." Mit Holz arbeite er besonders gern. Und natürlich mit Menschen.

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