Am 9. März wurde Dana Bujard ein Corona-Abstrich verwehrt. Zehn Tage später hätte sie ihn bekommen. FOTO: SRS
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Am 9. März wurde Dana Bujard ein Corona-Abstrich verwehrt. Zehn Tage später hätte sie ihn bekommen. FOTO: SRS

Viele Symptome - aber kein Test

  • vonStefan Schaal
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Schwerer Husten, Lungenbeschwerden, hohes Fieber: Dana Bujard wies Symptome auf, die auf Corona hinweisen. Doch ein Test auf das Virus wurde der Pohlheimerin verweigert. Stattdessen landete sie stationär in der Licher Asklepios-Klinik in einem Zimmer mit zwei Seniorinnen und einer COPD-Patientin. Die Klinik hat dafür eine Erklärung.

Dana Bujard ist überzeugt: "Ich hatte Corona." In ihren Worten liegen Ärger und Unverständnis. Denn Anfang März wies sie Symptome auf, die auf das Coronavirus schließen lassen konnten. Mit Atembeschwerden, Husten, Fieber und Schüttelfrost wurde sie stationär in der Licher Asklepios-Klinik aufgenommen. Ein Corona-Abstrich wurde ihr aber verwehrt. Und zu ihrem Erstaunen wurde sie in einem Zimmer untergebracht, das sie zunächst mit zwei älteren Frauen und dann mit einer COPD-Patientin teilte.

Bujards Erkrankung und der Umgang mit ihr im Licher Krankenhaus erzählen wohlgemerkt von keinem Skandal. Auch der Pohlheimerin ist diese Feststellung wichtig. Es geht um Unsicherheiten und Merkwürdigkeiten in Zeiten der Pandemie und um Regelungen, die sich innerhalb weniger Tage im Eiltempo ändern. "Ich will sensibilisieren", sagt die 42-Jährige, die als Kinderkrankenschwester im ambulanten Dienst chronisch kranke und schwer behinderte Kinder betreut. Sie betont allerdings auch: "Ich habe mich im Stich gelassen gefühlt."

Noch immer sei ihr unverständlich, warum kein Abstrich auf Corona genommen wurde, erklärt sie. Auch ihr Hausarzt habe einen Abstrich abgelehnt. "Wer steht denn da im Testzentrum Schlange, wenn sie mich nicht testen?" Sie berichtet vom 9. März, als sie sich in der Asklepios-Klinik untersuchen ließ. "Mir wurde anfangs ein Mundschutz aufgesetzt", erzählt sie. Nach dem Röntgen stellten die Ärzte eine schwere Lungenentzündung fest. "Ein Abstrich auf Influenza wurde gemacht", sagt sie. Daraufhin habe sie nach einem Test auf Corona gefragt. Die Antwort lautete nein. "Dann haben sie mir den Mundschutz abgenommen." Die Pohlheimerin fügt hinzu: "Wäre ich bei Kräften gewesen, hätte ich mich auf die Füße gestellt."

Als sie mit den beiden älteren Frauen auf einem Zimmer lag, habe sie geweint. "Ich habe keine Ruhe finden können." Dass sie dann das Zimmer mit einer Patientin teilte, die an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung leidet, "hat mich schockiert."

Die Licher Klinik erklärt ihr Vorgehen allerdings. Auf einen Abstrich auf Corona sei angesichts der Befundlage verzichtet worden, sagt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Prof. Ulrich Grandel. Man habe sich an die zu dem Zeitpunkt gültigen Richtlinien des Robert-Koch-Instituts gehalten. Demnach wurden bei einer Erkrankung der Atemwege "nur diejenigen Patienten getestet, die Kontakt zu einem gesicherten Covid-19-Fall hatten" oder sich in entsprechenden Risikogebieten aufgehalten hatten. Grandel betont weiter: "Da diese Kriterien nicht auf Frau Bujard zugetroffen hatten, wurde kein Abstrich durchgeführt."

Auf Corona seien zu diesem Zeitpunkt außerdem Patienten getestet worden, bei denen eine viral ausgelöste Lungenentzündung "ohne Alternativdiagnose" festgestellt wurde. Bei der Pohlheimerin hatten die Ärzte allerdings "am ehesten", wie Grandel sagt, eine bakteriell ausgelöste und damit nicht ansteckende Lungenentzündung diagnostiziert. Daher sei die Pohlheimerin auch in einem Mehrbettzimmer untergebracht worden.

Eine Sprecherin der Asklepios-Klinik fügt hinzu: "Es ist aus unserer Sicht nicht vorstellbar, dass sie zu einem so frühen Zeitpunkt unerkannt erkrankt war". Denn bis Ende März, Anfang April könne man in der Region die Ansteckungskette ohne Weiteres dokumentieren.

Mitte März übrigens hat das Robert Koch-Institut die Kriterien für die Corona-Tests erweitert: So werden inzwischen auch Abstriche bei Patienten mit Symptomen wie Husten und Halsschmerzen genommen, die bei der Arbeit mit Menschen in Kontakt kommen, die ein hohes Risiko für schwere Erkrankungen haben. Die Kinderkrankenschwester wäre somit heute auf Corona getestet worden. Im Licher Krankenhaus werden Patienten aktuell auf einer Isolierstation untergebracht, bis das Ergebnis des Abstrichs vorliegt.

Bujard sitzt in ihrem Garten in Hausen und schüttelt den Kopf. Sie habe sich Ende Februar bei einer Geburtstagsfeier im Bekanntenkreis mit Corona angesteckt, vermutet sie. "Die waren vorher im Skiurlaub, einen Tag auch in Ischgl." In der Familie der Bekannten habe es auch Krankheitsfälle mit Fieber und Husten gegeben.

Sie habe beim Kinderarzt einen ELISA-Antikörpertest durchführen lassen, berichtet die Pohlheimerin, die Covid-19-Erkrankung sei dem Arzt zufolge zu 98 Prozent sicher. "Ich bin mir wehrlos vorgekommen", blickt sie auf ihre Zeit im Krankenhaus zurück. Als sie kürzlich ihren Hausarzt auf ihre Erkrankung angesprochen hat, antwortete dieser: "Eine Woche später - und wir hätten Sie getestet."

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