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Eine Replik des in Waldgirmes vor zehn Jahren ausgegrabenen Pferdekopfes. Zwar nicht das Original, aber immerhin 70 000 Euro wert.

Fundstück

Viele Menschen wollen antiken Pferdekopf sehen

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Die Nachbildung des in Waldgirmes ausgegrabenen antiken Pferdekopfes war an drei Tagen in Lahnau ausgestellt. Das Interesse der Bevölkerung an dem Schmuckstück war groß.

Der Pferdekopf ist zurückgekehrt, allerdings nur für drei Tage und dann auch nur in Form einer Replik. Dennoch war das Interesse riesengroß. Vom Freitag bis Sonntag konnte die Nachbildung des vor zehn Jahren in Waldgirmes gefundenen römischen Pferdekopfes in der Lahnauhalle besichtigt werden, und viele Menschen machten regen Gebrauch von dieser Möglichkeit.

Bereits die Ausstellungseröffnung am Freitagabend hatte rund 150 Personen angelockt. Im Mittelpunkt dieses kleinen akademischen Abends stand ein Vortrag von Dr. Armin Becker zum Thema: Die Ausgrabung des Pferdekopfes. Becker war zur Zeit der Ausgrabung wissenschaftlicher Mitarbeiter der Römisch-Germanischen Kommission am Deutschen Archäologischen Institut. Zwischen 1996 und 2009 war er mit der Durchführung der archäologischen Ausgrabungen um das Römische Forum Waldgirmes betraut. Der Archäologe berichtete in anschaulichen Worten über die Ausgrabungen vor zehn Jahren, bei denen in einem Brunnen unter schweren Mühlsteinen der kaum ramponierte Pferdekopf in einem Holzfass gefunden und am 10. August 2009 gesichert worden war.

Mit Hartnäckigkeit und Herzblut

Wahrscheinlich war der Pferdekopf Bestandteil einer 2000 Jahre alten Reiterstatue, vermutlich von Kaiser Augustus. Neben Becker war auch Dr. Carsten Amrhein, Direktor der Saalburg, unter den Gästen. In der Saalburg wird der Pferdekopf seit August ausgestellt, nachdem er aufwändig restauriert worden ist. Die Kosten dafür lagen bei rund 75 000 Euro. Der Pferdekopf besteht aus mit Blattgold verzierter Bronze, ist rund 14 Kilogramm schwer und 55 Zentimeter groß.

Gastgeber der Ausstellung war der Förderverein Römisches Forum Waldgirmes, deren Vorsitzender Wilfried Paeschke unter anderem Wilfried Schmied begrüßte, der als Regierungspräsident seinerzeit die Ausgrabungen nach Kräften unterstützt habe. Bürgermeisterin Silvia Wrenger-Knispel sprach dem Vereinsvorsitzenden ein großes Lob aus: "Ihrer Hartnäckigkeit und Ihrem Herzblut haben wir es zu verdanken, dass der Pferdekopf hier ist", rief sie Paeschke zu.

Zunächst blieb das Exponat den Zuschauern hinter der Bühne verborgen, ehe Paeschke die Besucher zu dem streng bewachten Ausstellungsstück führte und dann das hinter Plexiglas befindliche Objekt enthüllte - eine gelungene Inszenierung. Bestandteil der Drei-Tages-Ausstellung waren auch Schautafeln, die über den historischen Hintergrund der Germanen und Kelten im Mittelgebirgsraum, das Forum Waldgirmes, die Grabung und Funde in Waldgirmes sowie über archäologische Methoden informierten. Außerdem präsentierten sich "Legionäre" der Legio Prima Germanica mit ihren originalgetreu nachgebildeten Ausrüstungen und gewährten einen Einblick in das Legionärswesen vor 2000 Jahren.

Nach 150 Besuchern am Freitagabend wurden am Samstag 300 Gäste gezählt. Am Sonntag wollten ebenfalls zahlreiche Besucher einen Blick auf die nahezu passgenaue Nachbildung des zwei Jahrtausende alten archäologischen Fundes werfen.

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