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Viele Fragezeichen nach dem Aus

  • vonStefan Schaal
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Seit Mittwoch steht fest: Die "Golden Oldies", das Inheidener Seefest und das Lichterfest in Laubach fallen aus. Das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende August aufgrund der Corona-Pandemie trifft die Organisatoren schwer. Die Gemeinde Wettenberg etwa hat für die "Golden Oldies" bereits knapp 100 000 Euro investiert.

Die Enttäuschung sitzt tief. Traditionsreiche und beliebte Großveranstaltungen im Kreis Gießen wie die "Golden Oldies", das Laubacher Lichterfest und das Seefest in Inheiden fallen in diesem Sommer wegen der Corona-Pandemie aus. Nach einer Entscheidung der Bundesregierung am Mittwoch, bis mindestens 31. August sämtliche Großveranstaltungen abzusagen, steht dies nun fest. Für die Organisatoren beginnen schwere Wochen.

"Es tut wirklich weh", sagte Wettenbergs Bürgermeister Thomas Brunner gestern. Am 24. Juli sollte eigentlich Markus, prominenter Künstler der Neuen Deutschen Welle, mit Gassenhauern wie "Ich will Spaß" am Fuß der Burg Gleiberg die "Golden Oldies" eröffnen. Nun wird an dem Wochenende kein Song aus vergangenen Zeiten auf den Plätzen und in den Gassen von einer Bühne erklingen. Für die Gemeinde Wettenberg, Veranstalter der "Golden Oldies", bricht die Zeit der Verhandlungen an. "Wir beginnen heute nach der Absage, mit Sponsoren, Partnern und den Künstlern zu sprechen", berichtet Brunner. "Wir wollen möglichst alle für das nächste Jahr gewinnen."

Der Bürgermeister betont: "Der Ausfall kostet uns Geld." Als Gemeinde habe man für dieses Jahr bereits knapp 100 000 Euro investiert. "Das heißt aber natürlich nicht, dass diese Summe auch verloren ist." Nun suche man beispielsweise im Gespräch mit Künstlern nach Lösungen, ob Gagen auch für das kommende Jahr gelten können. Konkrete Zahlen will Brunner Ende April vorlegen, wenn die Wettenberger Gemeindevertretung zusammenkommt.

Ideen, die "Golden Oldies" auf September zu verschieben, habe man schnell wieder verworfen. Zunächst wisse man nicht, ob dann auch Großveranstaltungen wieder erlaubt sind. Bei einer Aufhebung des Verbots würden sich außerdem alle Veranstalter um die Künstler reißen.

Doch es sind nicht nur die Künstler. Man habe bereits zahlreiche historische Rennwagen für die Autoausstellung organisiert - darunter auch Fahrzeuge im Wert von mehr als zehn Millionen Euro. Zudem sollte ein Audi Quattro Coupé der Rallye-Legende Walter Röhrl durch den Ort donnern. "Weil die meisten Rennwagen keine Straßenzulassung haben, haben wir schon mit der Polizei Vereinbarungen getroffen." Auch das ist nun obsolet.

"Können wir Tausende produzierte Eintrittsbuttons im kommenden Jahr verwenden, auch wenn darauf das Jahr 2020 steht?", fragt sich Brunner. Bei Werbeartikeln wie zahlreichen Kekspackungen, die auf dem Festival verteilt werden sollten, falle die Antwort leichter, ergänzt der Bürgermeister lachend. "Die müssen wir dann selbst essen."

Enttäuschung herrscht auch in Laubach, wo das Bluesfestival, die Schlossparkkonzerte und das von Vereinen ausgerichtete Lichterfest nun abgesagt worden sind. Eine "traurige Geschichte, aber es hilft nichts", erklären Laubachs Kulturdezernentin Christine Diepolder und Markus Stiehl, Prokurist der städtischen Tourismus und Service gGmbH. Wie es ab September weitergeht, steht in den Sternen.

Was die städtischen Events angeht, erwartet Stiehl für die GmbH "keine existenzielle Gefährdung". Entfalle doch neben Einstandskosten von 40 000 Euro auch das Zuschussrisiko. Die Entscheidung von Bund und Ländern schaffe außerdem Rechtssicherheit und verhindere Regressforderungen von Vertragspartnern.

Stiehl hofft nun auf den Neustart im nächsten Jahr mit erhöhtem Zuspruch nach dem kulturellen Magerjahr. "Nur", wirft Christine Diepolder ein grundsätzliches Thema auf, "meine große Sorge ist, ob es 2021 überhaupt noch unsere Messeveranstalter, Gastronomen und Kulturschaffenden gibt?"

Erstmals in seiner 56-jährigen Geschichte muss auch das Inheidener Seefest abgesagt werden. Die Seefestgemeinschaft, bestehend aus Männergesangverein Eintracht, Radfahrerverein All-Heil und Sportverein Germania hat sich bereits vor drei Wochen darauf verständigt, die Traditionsveranstaltung ausfallen zu lassen. "Wir wollten der Ausbreitung des Virus keine Plattform bieten", sagt Seefest-Koordinator Michael Hoffmann. Man habe sich mit allen Beteiligten abgestimmt und sei einhellig der Meinung gewesen, dass die Absage der richtige Schritt sei.

Wie Bürgermeister Rainer Wengorsch auf Anfrage mitteilte, fällt außerdem eine zweite Hungener Traditionsveranstaltung von überregionalem Ruf der Corona-Krise zum Opfer: Das Schäferfest Ende August kann nach den jüngsten Festlegungen in der bekannten Form nicht stattfinden.

In einem sind sich die Veranstalter einig: Die Absage von Großveranstaltungen zum Schutz vor der Pandemie ist eine nachvollziehbare und richtige Entscheidung. Seefest-Koordinator Michael Hoffmann fügt hinzu: "Auch wenn das Fest hätte stattfinden können, es wäre nie so gewesen wie sonst."

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