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Weißstörche finden in den Auen zwar noch genug zu fressen. An der Horloff-, Wetter- und Lahnaue wird es für die Vögel allerdings bereits knapp.

Viele Bruten - wenig Jungvögel

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Gießen (pm). Die Zahl der Weißstorchbruten im Kreis Gießen ist 2019 erneut gestiegen. Wie Achim Zedler vom NABU-Kreisverband berichtete, kamen in diesem Jahr auf 26 Brutpaare insgesamt 50 Junge, was einem Durchschnitt von 1,9 pro Paar entspricht. Knapp hinter der Kreisgrenze, vor allem im Wetteraukreis und im Lahn-Dill-Kreis, gab es zudem zehn weitere Paare. Obwohl mit 29 Brutpaaren 2018 ein Rekordwert erreicht wurde, gab es damals nur 1,12 Bruten pro Paar. An der Kreisgrenze nisteten zu dieser Zeit zusätzlich neun Brutpaare.

Fast alle Paare im Kreis seien dieses Jahr erfolgreich gewesen. Acht bis zehn von ihnen hatten zwei bis drei Junge, ein Paar zog erfolgreich vier Storchenkinder groß. Im Jahr davor seien weniger als die Hälfte der Brutpaare erfolgreich gewesen und nur 35 Jungvögel hätten das Alter erreicht, in dem sie fliegen können. Auch dieses Jahr bringe verhältnismäßig wenige Jungvögel hervor - fünf Bruten seien gar aufgegeben worden.

Ursache: Extremwetterlagen

Als Grund, warum so viele Bruten aufgegeben wurden, nennt Experte Zedler Extremwetterlagen. Vor allem Stürme und Starkregen haben den Vögeln dieses Jahr zu schaffen gemacht. In einer Brutkolonie mit neun Paaren im Hungener Raum wurden mehrere Baumhorste von Unwettern zerstört. Dieser Verlust konnte zum Teil durch neue Brutstandorte bei Hungen-Utphe und an der Peinmühle bei Nieder-Bessingen kompensiert werden. Auch auf einem Jägerhochsitz war ein Brutversuch erfolgreich.

Die Hälfte der brütenden Störche trägt eine Ringmarkierung, was eine Herkunftsbestimmung zulässt. Den Kontrolleuren viel dabei auf, dass vor allem die schon lange hier lebenden Weißstörche ihre Horste auch im Winter versuchen zu besetzen. Nur bei geschlossener Schneedecke würden sie nach Süden ausweichen - dann nur für wenige Tage. Die Ältesten dieser Störche seien 13 bis 15 Jahre alt. Einer von ihnen stammt aus der Schweiz, weitere aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. Auch einige Jungstörche im zweiten oder dritten Lebensjahr haben Brutversuche unternommen. In diesem Alter bleiben diese aber in der Regel erfolglos.

NABU fordert Umdenken

Im Jahr 2004 gab es nach 40 Jahren wieder den ersten Brutversuch eines Weißstorchenpaars im Landkreis Gießen. Seitdem stiegen die Brutenzahlen jährlich. Damit dies so bleibt, hofft der NABU-Kreisverband Gießen, dass der Weißstorch auch weiterhin genügend Lebensraum findet. Bisher sei die Ernährungslage in den Auen zwar gut, allerdings komme der Weißstorch an der Horloff-, Wetter- und Lahnaue an seine Kapazitätsgrenzen.

Eine Ausbreitung im Kreisgebiet werde aber auch durch teils intensive Landwirtschaft verhindert. An dieser Stelle sei ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik nötig, damit der Weißstorch sein Brutvorkommen weiter ausdehnen kann. Und zwar auf Gebiete, die noch nicht erschlossen sind und nicht intensiv gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln bearbeitet werden.

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