Die Wasserbilanz 2019 zeigt: So viel Wasser verbrauchen die Menschen im Kreis Gießen (Symbolbild).
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Die Wasserbilanz 2019 zeigt: So viel Wasser verbrauchen die Menschen im Kreis Gießen (Symbolbild).

Wasserbilanz 2019

So viel Wasser verbrauchen die Menschen im Kreis Gießen

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Beim Wasserverbrauch pro Kopf gab es 2019 zwischen den Kreiskommunen teils deutliche Unterschiede. Das hängt laut Regierungspräsidium auch mit der Gewerbestruktur zusammen. 2020 könnte Corona die Wasserbilanz gravierend verändern.

Ob zum Waschen und Duschen, für die Toilettenspülung oder beim Kochen: Wasser ist im Alltag ein unverzichtbares Gut. Es scheint ganz selbstverständlich aus dem Hahn zu sprudeln - eine Errungenschaft, die kaum noch wegzudenken ist. Angesichts trockener, heißer Sommer einerseits und gewachsener Proteste für mehr Klimaschutz andererseits rückt aber auch der private Wasserverbrauch zunehmend in den Fokus.

Wie sparsam gehen die Menschen Im Kreis Gießen mit dieser lebensnotwendigen, aber endlichen Ressource um? Das Regierungspräsidium (RP) Gießen hat kürzlich die Wasserbilanz für 2019 vorgelegt. Sie gibt auch Aufschluss über Unterschiede beim privaten Pro-Kopf-Verbrauch in den 18 Kreiskommunen: Die im Durchschnitt größte Wassermenge entnahmen demnach Bewohner der Stadt Gießen dem öffentlichen Leitungsnetz. Dort lag der »spezifische Bedarf« 2019 pro Einwohner und Tag bei 133 Litern - ein Liter mehr als 2017.

Über dem privaten Durchschnittsverbrauch des Landkreises (120 Liter) lagen im vergangenen Jahr außerdem Langgöns, Lollar und Lich. In den meisten Kreiskommunen betrug der Pro-Kopf-Bedarf zwischen 100 und 120 Litern. Am sparsamsten waren 2019 laut RP-Statistik die Menschen in Rabenau: Sie verbrauchten im Schnitt pro Tag 99 Liter. Vor drei Jahren hatte Hungen am oberen Ende gestanden (136 Liter), am geringsten war der Pro-Kopf-Verbrauch damals in Allendorf (Lumda) mit nur 95 Litern.

Wasserverbrauch im Kreis Gießen: Kleingewerbe macht einen Unterschied

Woher rühren die kommunalen Unterschiede? »Hierzu ist keine eindeutige Aussage möglich«, äußert sich die RP-Pressestelle auf Anfrage. »Unterschiede können sich im Allgemeinen durch verschiedene Wohn-, Sozial- und Einkommensstrukturen ergeben.« Außerdem kann laut RP die Gewerbestruktur in den Kommunen und einzelnen Orten eine Rolle spielen: In den Pro-Kopf-Verbrauch sind neben Privathaushalten auch Kleingewerbe eingerechnet. Gewerblicher Wasserbedarf wird laut RP erst ab 2000 Kubikmetern pro Jahr erfasst - und geht dann nicht in den Einwohner-Verbrauch mit ein. »Auch die Verbräuche des nicht separat erfassten Kleingewerbes, wie beispielsweise Gaststätten, können bei einer hohen Gewerbedichte zu größeren statistischen Pro-Kopf-Verbräuchen beitragen«, heißt es vom Regierungspräsidium.

Ein Blick auf den durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch im Kreis Gießen über die vergangenen Jahre hinweg zeigt, dass die Sparsamkeit offenbar zugenommen hat: 2004 verbrauchten die Kreis-Gießener im Schnitt noch 130 Liter täglich. Bis 2008 sank dieser Wert Jahr für Jahr und pendelt sich seither bei etwa 120 Litern ein. »Zwar ist beim Pro-Kopf-Wasserverbrauch insgesamt eine abnehmende Tendenz zu erkennen, doch dies schließt Schwankungen von Jahr zu Jahr nicht aus«, teilt das RP mit.

Wasserverbrauch im Kreis Gießen: Keine Sorge um flächendeckende Engpässe

Trotz steigender Trockenheit sind die Grundwasserreserven laut RP übrigens noch ausreichend gefüllt. »Sorgen um flächendeckende Engpässe in der Trinkwasserversorgung müssen wir uns nicht machen.« Wenn die Grundwasserneubildung aber künftig so gering bleibt wie in den vergangenen Jahren, »käme ein zunehmendes Missverhältnis zwischen Entnahme und Nachlieferung zustande«. Das RP sieht die Trinkwasserversorger in der Verantwortung, die Wasserversorgung auch an »die zukünftigen Herausforderungen des Klimawandels anzupassen« - etwa durch Erschließung neuer Grundwasserreserven, den Ausbau von Pufferspeichern oder die Verknüpfung von Versorgungsnetzen.

Wie hoch der Pro-Kopf-Verbrauch in den Kreiskommunen für 2020 unterm Strich ausfallen wird, steht natürlich noch in den Sternen. Doch es gibt einen Faktor, der die Verbrauchsstatistik diesmal umkrempeln könnte: die Corona-Pandemie. In vielen Branchen arbeiten nun deutlich mehr Menschen im Homeoffice. Man könne die Auswirkungen nur schwer abschätzen, sagt das RP. Aber: »Durch das vermehrte Arbeiten von zu Hause und den Ausfall des Sommerurlaubs kann im privaten Bereich ein Mehrbedarf entstehen.« Überregional könnte das jedoch durch einen sinkenden Bedarf in Industrie und Gewerbe, den Ausfall von Veranstaltungen und vorübergehende Schwimmbad-Schließungen kompensiert werden. »Zudem können sich die Verbrauchsspitzen räumlich von den typischen Arbeitsstätten in die Wohngebiete verlagern.« Das könnte sich nach der Abrechnung dann auch im Geldbeutel niederschlagen.

Zusatzinfo: So wird Wasser in Haushalten genutzt

Laut Umweltbundesamt (UBA) wurde Wasser in Privathaushalten und von Kleingewerbe 2018 in Deutschland wie folgt genutzt:

Körperpflege: 36 Prozent

Toilettenspülung: 27 Prozent

Wäschewaschen: 12 Prozent

Geschirrspülen: 6 Prozent

Raumreinigung, Autopflege, Garten: 6 Prozent

Essen/Trinken: 4 Prozent

Anteil Kleingewerbe: 9 Prozent

2016 lag der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch pro Kopf und Tag laut UBA bei 123 Litern. Nicht eingerechnet ist der indirekte Verbrauch von »virtuellem Wasser«. Er zeigt an, wie viel Wasser für die Herstellung von Produkten und Gütern benötigt wird. Im Vergleich zum direkten Trinkwasserbezug ist der tägliche »Wasserfußabdruck« horrend: Laut UBA betrug er 2010 in Deutschland 3900 Liter - pro Kopf und Tag. pm/jwr

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