Viel Geld für die Zukunftsvorsorge

  • Thomas Brückner
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Laubach (tb). Die Stadtwaldstiftung Laubach feierte 2019 ihr zwanzigjähriges Bestehen. Doch die Feierlaune war getrübt: Auf das Trockenjahr 2018 folgte ein weiteres. Und auch 2020 brachte zu wenig Niederschlag.

Die Folgen für den rund 2000 Hektar großen Gemeindewald sind verheerend. Die Stiftung um ihren Vorsitzenden Bürgermeister Peter Klug: »Die Käferpopulation ist so enorm gestiegen, zwei Drittel der Fichtenbestände sterben.« Auch andere Baumarten litten und vertrockneten teilweise, Pilze und Insekten verursachten qualitative Schäden oder führten zu schnellerem Absterben. »Diese Entwicklung hat gravierende und langfristige Folgen.«

Die Misere prägte die jährliche Februar-Sitzung der Stiftung. Für Klug war es die letzte als Vorstandschef. Kuratoriumsvorsitzender Dr. Jens Borchers dankte ihm für sein Engagement herzlich. Der wiederum erinnerte sich, wie er vom Skeptiker zum überzeugten Anhänger der Stiftung geworden sei. Neu ins Kuratorium eingetreten ist nun Dr. Markus Dietz (Institut für Tierökologie und Naturbildung). Der Gonterskirchener soll laut Vorstand »das ökologische Profil der Stiftung unterstützen«.

Dank Rücklagen doch Ausschüttung

Zum wirtschaftlichen Profil: Der Jahresabschluss 2020 weist gegenüber der Planung ein um 55 000 Euro besseres Ergebnis aus. Dennoch steht ein Minus von 92 000 Euro zu Buche. Das aber, so verlautete auf GAZ-Nachfrage, könne aus der gut bemessenen Rücklage gedeckt werden.

Die Ursachen liegen auf der Hand: sinkende Erlöse, höhere Kosten für Aufarbeitung und Aufforstung. Allerdings, auch darauf ward verwiesen, seien in dem Ergebnis bzw. Defizit bereits 500 000 Euro an Rückstellungen für Wiederaufforstungen (vor allem klimaresistentere Arten wie Eiche oder Douglasie) sowie Kulturenpflege verarbeitet.

»Damit ist ausreichend für die Zukunft vorgesorgt«, unterstreicht Kurator Borchers. Und merkt an, dies unterscheide die Stiftung von den meisten anderen Forstbetrieben, die die außerordentliche Liquidität aufgrund von Kalamitätsnutzungen in den Folgejahren nicht mehr zur Verfügung hätten.

Die KB Forst GmbH als Bewirtschafter des Laubacher Stadtwaldes hat mit dem Einschlag - dreimal so hoch wie der Nachhaltshiebsatz - alle Hände voll zu tun, um die enormen Mengen aufzuarbeiten und bei den Kunden, u.a. aus China, unterzubringen. Besonders bei Revierleiter Ulrich Imhof laufen hier die Fäden zusammen. »Ohne die hervorragende Kooperation, angefangen beim meist örtlichen Aufarbeitungsunternehmer bis zum Kunden, wäre das Jahr nicht so gut bewältigt worden«, heben Vorstand und Kuratorium hervor.

Im aktuellen, im Oktober beginnenden Geschäftsjahr konnten so bereits die meisten Kalamitätshölzer geborgen werden. Darunter sehr viele Buchen. Imhoff: »Oft dauert es nur wenige Wochen von den ersten Anzeichen der Trocknis bis zum Herunterfallen der Rinde und dem Absterben.« Nur eine rasche Ernte sichere da die nötige Qualität des Holzes für die Kunden und erhalte den Geldwert für die Stiftung. Dass von trockenen Buchen hohe Gefahr ausgehe, warnt der Förster aufs Neue.

Aktuell, so teilt die Stiftung weiter mit, liege man gegenüber der Planung sehr gut im Rennen, über die Hälfte des eingeschlagenen Holzvorrats sei bereits zum Ende des letzten Geschäftsjahres abgesetzt gewesen. Und auch die übrigen Sortimente habe man zu guten Preisen verkauft.

Dass ein Teil des Erfolgs auch staatlichen Fördermitteln für kalamitätsgeschädigte Forstbetriebe zu verdanken sei, wird angemerkt. Borchers dankte hier dem Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Kuratoriumsmitglied Christian Raupach, für erfolgreiche politische Überzeugungsarbeit.

Bleibt noch anzumerken, dass aufgrund des Defizits zwar keine Mittel für die satzungsgemäßen Förderzwecke hinzukommen. Doch gilt auch hier: Die Stiftung hat für diesen Fall in der Vergangenheit angespart. Zudem gehen die Verantwortlichen mit Optimismus ins neue Jahr.

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