Viel Geld für einen Handwerksbetrieb

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Gießen (bf). 298 000 Euro Außenstände - das ist eine Menge Geld für einen mittelständischen Handwerksmeister. Eine solche Summe kann auch einem gut gehenden Betrieb wie dem von Kai Laumann wehtun. Wohl schon eine Zeit lang läuft der Wettenberger Zimmermann seinem Geld hinterher. Laumann ist wie der von ihm Beklagte in der Gießener Immobilienbranche unterwegs, hat unter anderem die Alte Post gekauft. Seit Juni versucht er, sich das Geld auf juristischem Weg zu holen. Und zwar von Jörg Fischer, unter anderem als Lahntower-Investor und als Chef des FC Gießen in der Region und in der heimischen Fußballszene kein Unbekannter. Dem gestrigen Termin vorm Landgericht Gießen blieb er aber fern. Fischer ließ über seine Rechtsanwältin ausrichten, er sei erkrankt.

Worum geht es? Um ein Großprojekt in Wiesbaden, ein Haus mit 177 Apartments für Studenten samt Supermarkt im Erdgeschoss. Rund 513 000 Euro hat Handwerksmeister Laumann für seine Arbeiten an dem Neubau bereits erhalten, doch er hat weitere knapp 300 000 Euro Forderungen an seinen Auftraggeber.

"Ich habe das Material und die Arbeiten vorfinanziert, habe meine Leute bezahlt", macht er im Gerichtssaal deutlich, warum seine Geduld endlich ist. Eine inhaltliche Erörterung der Forderung fand vor Gericht nicht statt. Richter Klaus Lang merkte dazu nur an, es scheine sich hier "überhaupt um ein finanzielles Problem zu handeln".

Zuvor hatte der Immobilienunternehmer noch am Tag vor der Verhandlung versucht, einen Befangenheitsantrag gegen den Richter zu stellen - mit der Begründung, dieser habe den Verhandlungstermin nicht verlegen wollen. "Unzulässig", sagt Richter Lang, schließlich sei die Verhandlung seit Monaten anberaumt. Dann versuchte die Anwältin noch zu bestreiten, ihr Mandant sei überhaupt der Auftraggeber für die Arbeiten in der Größenordnung von rund 800 000 Euro gewesen - dabei liegen dem Gericht doch die Kontoauszüge vor, die die erste große Teilzahlung durch Fischers Unternehmen belegen. Erst als Richter Lang warnend auf die strafrechtliche Komponente für den Fall hinwies, dass die Auftragsvergabe weiter bestritten wird, war dies vom Tisch.

Auf dem Tisch liegt derweil ein von Richter Lang moderiertes Vergleichsangebot. Der Inhalt: Laumann verzichtet auf rund zehn Prozent seiner Forderungen, und der beklagte Unternehmer zahlt bis Ende November 270 000 Euro plus rund 9000 Euro Zinsen, um die an ihn gestellten Forderungen zu begleichen. Er habe ernsthaftes Interesse an einer außergerichtlichen Einigung und einem klärenden Gespräch, gab Laumann Fischers Anwältin zusammen mit dem Vergleich auf den Weg. Bis Ende Oktober hat der Immobilieninvestor nun Zeit, sich auf das Gespräch und den Vergleichsvorschlag einzulassen. Tut er das nicht, dann wird der Richter am 21. November ein Urteil fällen.

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