Für die Häuser Löwengasse 1/3 (links) und Löwengasse 2 hat sich nun doch ein Liebhaber gefunden. FOTO: US
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Für die Häuser Löwengasse 1/3 (links) und Löwengasse 2 hat sich nun doch ein Liebhaber gefunden. FOTO: US

Viel Arbeit und Idealismus

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Lange wollte sie niemand haben. Jetzt hat sich doch noch ein Liebhaber für die maroden Häuser in der Löwengasse gefunden. Der Zimmermann Bernhard Schindler will die denkmalgeschützten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert Schritt für Schritt sanieren.

Damit kann man kein Geld verdienen." Das sagt Bernhard Schindler über zwei denkmalgeschützte Häuser in der Löwengasse. Wer die abgewrackten Gebäude mit den Hausnummern 1/3 und 2 sieht, glaubt ihm aufs Wort. Seit 40 Jahren stehen sie leer, niemand wollte sie haben. Schindler tickt anders. Dem Zimmermann aus Nonnenroth liegt der Denkmalschutz am Herzen. Er will die Häuser in Eigenleistung restaurieren, und bei der Stadt ist man glücklich darüber. Der als Notparlament tagende Haupt- und Finanzausschuss hat am Mittwoch dem Verkauf der Häuser und einer angrenzenden Freifläche zugestimmt. Der Preis ist symbolisch. Jedes der vier Grundstücke, die zwischen 35 und 121 Quadratmeter groß sind, kostet einen Euro.

Wie Bürgermeister Dr. Julien Neubert erläuterte, ist die Stadt im Zuge der Altstadtsanierung in den Besitz der beiden Häuser gelangt. Alle Bemühungen, einen Investor zu finden, seien bisher gescheitert. In Anbetracht der Zahlen ist das kein Wunder: Die Kosten der Sanierung werden auf insgesamt 1,2 Millionen Euro geschätzt, ein Betrag, den die Vermietung der insgesamt vier Wohneinheiten nie und nimmer einspielen könnte.

Wie Neubert weiter sagte, müsste die Stadt in den kommenden Jahren einen fünfstelligen Betrag für Sicherungsarbeiten aufbringen. Ein Abriss sei problematisch, denn die etwa 400 Jahre alten Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

In dieser Situation kam Bernhard Schindler wie gerufen. Der Zimmermann arbeitet nicht nur seit über 20 Jahren im Bereich Denkmalschutz und Altbausanierung, er hat auch eine enge Verbindung zur Stadt. Vor seiner Heirat hieß er Roth. "Mein Vater war Pfarrer in Lich", erläuterte er den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses. Er kenne die Häuser in der Löwengasse und beobachte ihren Zustand seit Jahren mit Sorge. Und er wisse, dass auf ihn viel Arbeit zukomme. Aber das nehme er in Kauf. "Ich bin Liebhaber. Ich mache das aus Idealismus."

Weil Schindler die Sanierung in Eigenleistung und in seiner Freizeit bewerkstelligen will, stellt er sich auf einen langen Prozess ein. Die Fachwerkfassade des Hauses 1/3 soll bis 2022 wieder hergestellt sein, die Fassade von Nummer 2 zwei Jahre später und die Rückseite bis 2026. Was den Abschluss des Innenausbaus angeht, legt sich der Experte zeitlich nicht genau fest. "Vielleicht sechs bis acht Jahre." Drei Wohneinheiten und eine Gewerbeeinheit sollen entstehen, Letztere im größeren grünen Haus. Das weist nämlich eine architektonische Besonderheit auf: eine vier Meter hohe Halle, von der man momentan leider nichts sieht, weil eine Zwischendecke eingezogen wurde. Diesen besonderen Raum will Schindler als Laden oder als Lokal wieder herstellen, sodass er auch öffentlich zugänglich ist. Und ins kleinere weiße Haus will er, wenn es irgendwann fertig ist, selbst einziehen.

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