Verteidiger geht auf Angriffskurs

  • VonConstantin Hoppe
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Gießen (con). Im Prozess am Landgericht Gießen um mutmaßliche Betrügereien in 45 Fällen durch eine Firma für Rohrreinigung aus dem Kreis Gießen haben am Donnerstag mehrere Geschäftsführer anderer Unternehmen aus der Branche ausgesagt. Einer der Verteidiger allerdings attackierte einen der Zeugen scharf und sprach ihm die Fachkunde ab.

Überteuerte Rechnungen, Zahlungen in bar und ohne Quittung: Bundesweit haben vier Geschwister der Kanalreinigungsfirma laut Anklage Kunden getäuscht und bestohlen. »Eine Stammkundin von uns ist im Juni 2014 in unser Büro gekommen und hat aufgeregt erzählt, dass eine andere Firma bei ihr im Hause tätig sei und sie nicht wisse, was die da genau machen würden«, berichtete der 47 Jahre alte Geschäftsführer einer Firma für Gebäudetechnik aus Bielefeld. »Ich habe ihr geraten, zur Polizei zu gehen und die Monteure mithilfe der Beamten aus dem Haus zu werfen.«

Dann allerdings erhielt die Frau eine Rechnung über 4000 Euro: »Das hätten wir für weniger als die Hälfte der berechneten Summe gemacht«, erklärte der Geschäftsführer aus Bielefeld. Seine Firma beendete damals die angefangenen Arbeiten. »Einige Dinge sind völlig überflüssig gewesen.«

Ebenfalls im Jahr 2014 waren die Monteure aus dem Kreis Gießen auch in Wilhelmshaven unterwegs. Dort wurde der 33 Jahre alte Geschäftsführer einer anderen Rohrreinigerfirma in die Vorgänge involviert. Dieser erzählte: »Wir wurden angerufen, weil eine Kundin ein Angebot einer anderen Firma für die Behebung einer verstopften Toilette bekommen hatte«, berichtete der Zeuge. »Die Frau war aufgelöst. Sie hatte einen Vertrag über eine Rohrsanierung unterschrieben und einen recht hohen Betrag in bar bezahlt.«

Die mutmaßlichen Betrüger hätten der Kundin Bildaufnahmen gezeigt, auf denen Wurzeln in der Wasserleitung des Hauses zu sehen gewesen seien. Der Zeuge aus Wilhelmshaven berichtete, er habe sich die Situation vor Ort angeschaut, habe mit seiner Kamera aber keine Wurzeln entdecken können: »Und das verstopfte Rohr war nicht gesäubert worden - das habe ich dann gemacht«.

Auch er riet der Frau, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten: »Wenn man bar und ohne Quittung bezahlen soll, dann ist das immer auffällig«, merkte der Zeuge an.

Dann allerdings ging Verteidiger Dr. Ulrich Endres auf Angriffskurs und stellte die Kompetenz des Zeugen in Frage. Dieser sei kein gelernter Rohrreiniger - auch wenn er auf mehr als 14 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann. »Es geht darum: Wer hat hier wen anschwärzt und mit welcher Fachkunde«, ging er den Zeugen an. »Dieser Zeuge behauptet von sich, eine Fachkraft zu sein - was er aber nicht ist.« Dieser fragte sich zeitweise, wer in dem Verfahren auf der Anklagebank sitzt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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