Brigitte Block
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Brigitte Block

Die Vermittlerin

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Im Mittelpunkt stehen möchte Brigitte Block nicht unbedingt. Die SPD-Politikerin arbeitet gerne im Hintergrund und kann gut vermitteln. Seit über 40 Jahren engagiert sich die Langsdorferin in der Licher Kommunalpolitik. Heute wird die Fraktionsvorsitzende 70 Jahre alt.

Eine große Feier zum 70. Geburtstag gibt es heute pandemiebedingt natürlich nicht. "Aber vielleicht bereitet mein Mann für mich ein schönes Frühstück vor", sagt Brigitte Block und lacht. Einen Zeitungsbericht zum Ehrentag fand sie eigentlich auch nicht notwendig, denn schließlich mag sich die SPD-Politikerin nicht gerne in den Vordergrund drängen. "Mir war es nie so wichtig, wo ich stehe", sagt sie. "Mir war es immer wichtiger, dass etwas geschieht. Und was mir immer ganz wichtig ist, ist das Team zusammenzuhalten."

Dafür wirkt die derzeitige Fraktionsvorsitzende der SPD Lich seit über 40 Jahren auf entscheidende Weise im Hintergrund. "Sie ist einfach die gute Seele der Licher SPD", sagt Bürgermeister und Parteikollege Dr. Julien Neubert. "Sie hat ein offenes Ohr und kann mit jedem reden, auch über Parteigrenzen hinweg." Dabei zeichnet sie besonders aus, dass sie sich immer treu geblieben ist und für ihren Standpunkt eingesetzt hat. "Das ist nicht selbstverständlich", findet Neubert, der Block auch als sehr solidarisch bezeichnet. "Sie kann aber auch wie eine Löwin kämpfen", sagt der Bürgermeister. 2018 wurde ihr Engagement mit der Willy-Brandt-Medaille geehrt. Das ist die höchste Auszeichnung, die die SPD an ihre Mitglieder vergibt.

Angefangen hat alles Ende der 1970er Jahre. "Sibylle Starzacher fragte mich, ob wir nicht auch in die Partei eintreten wollen", erinnert sich Block. Die Ehemänner der Frauen, Günter Block und Karl Starzacher, der später auch einmal hessischer Finanzminister (1995-1999) werden sollte, hatten sich da schon in der SPD in Langsdorf engagiert. Warum also nicht auch die Frauen? "Ich weiß noch, als ich das zu Hause erzählt habe, sagte mein Vater: ›Lass die Finger davon, das taugt doch nichts für Frauen‹. Von Emanzipation war man damals noch weit entfernt." Aber die beiden Frauen haben es durchgezogen.

Konzentrierte sich die Arbeit zunächst auf Langsdorf, wurde im Zuge der Gebietsreform mit der Eingemeindung des Dorfes nach Lich der Wirkungskreis größer. "Ich weiß noch, dass der vorletzte Tagesordnungspunkt in unserer letzten Sitzung in Langsdorf sich darum drehte, ob auch der Gemeindeeber gut untergebracht ist", sagt Block und schmunzelt. Danach wurde das Gebiet größer und die Probleme waren fortan ganz anders gelagert.

Auch die Zeiten änderten sich, und ganz neue Punkte traten auf die Tagesordnung der Kommunalpolitik. "Es ist immer eine Kunst, eine Mannschaft in der Partei zusammenzuhalten, die bereit ist, für ihre Anliegen einzutreten. Und man muss gucken, wie man hinbekommt, dass alle mit Entscheidung zufrieden sind - auch in allen Ortsteilen und der Kernstadt", blickt Block zurück. "Das ist ein ziemlicher Lernprozess."

Stolz macht sie, dass in Lich die Bürgerbeteiligung sehr gut funktioniert und zählt dafür beispielsweise den Hallenbadverein, die Turmfreunde, den Förderverein der Stadtbibliothek und den Bürgerparkverein auf. "Damit diese Dinge gelingen, muss vieles zusammenspielen, und all das miteinander zu verbinden, das ist das, was es für mich immer interessant gemacht hat", sagt Block.

Doch es ist nicht immer einfach. Wie man in den vergangenen Jahren in der sehr emotional geführten Diskussion um das Gewerbegebiet Langsdorfer Höhe gesehen hat. "Heute gebe ich zu, dass man im Vorfeld vielleicht mal genauer drüber nachdenken hätte sollen, wie man das Gewerbegebiet entwickelt. Da haben wir gelernt, dass man eher eine Bürgerbeteiligung machen sollte. Und es stellt sich die Frage, wie man es hinbekommt, dass sich auch die schweigende Mehrheit äußert und man ein Meinungsbild der gesamten Stadt erhält."

Die Frau, die bemüht ist, alles zusammenzuhalten, hat es geschmerzt, das zwei Parteimitglieder mit ihrem Mandat zu den Grünen gewechselt sind angesichts der Diskussion um die Langsdorfer Höhe.

Mit der Kommunalwahl am 14. März wird Block den Fraktionsvorsitz abgeben. "Die Licher SPD wagt den Neuanfang und ist bereit für eine neue Generation", sagt sie. Ruth Rohdich und Knut Stieger bauen den Ortsverein neu auf. "Ich finde es spannend zu sehen, wie sich die Stadt weiterentwickelt."

Gehen wird Brigitte Block mit einem weinenden und einem lachenden Auge, aber richtig bedauern wird sie den Rückzug nicht. "Ich freue mich darauf, wieder mehr Zeit für andere Dinge zu haben", sagt sie. Mit ihrem Ehemann, der ebenfalls über Jahrzehnte die Licher SPD prägte, im Magistrat sitzt, und in Kürze 77 Jahre alt wird, ist sie verheiratet, seit sie 18 Jahre alt ist. "Wie haben so viele Jahre mit Parteiarbeit verbracht, da wollen wir nun auch wieder unseren anderen Hobbys nachgehen." Der Garten etwa, die Bienenzucht und auch das Reisen mit dem Wohnmobil gehören dazu. Und dann sind da auch noch die zwei Enkel, die ihren Großeltern viel Freude bescheren. FOTO: PM

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