Diese kleinen Bälgchen werden alle neu mit Leder bezogen. FOTO: CON
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Diese kleinen Bälgchen werden alle neu mit Leder bezogen. FOTO: CON

Verjüngungskur für die Orgel

  • vonConstantin Hoppe
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Die evangelische Kirche in Reiskirchen gleicht im Moment eher einer Werkstatt. Die historische Orgel wird saniert und dafür komplett auseinandergenommen.

Wie eine leere Hülle steht der hölzerne Rahmen auf der Empore. Wo sich sonst metallisch glänzende Pfeifen aneinanderreihen, kann man durch das hölzerne Skelett der Orgel hindurchschauen. Nahezu die ganze Technik - das Innenleben des Instruments - wurde aus dem Rahmen herausgeholt, und wo sonst Besucher dem Gottesdienst auf den Bänken folgen, ruhen nun hunderte metallener und hölzerner Bauteile.

Es ist schon bei einem kurzen Blick ins Innere der evangelischen Kirche in Reiskirchen offensichtlich, dass die Sanierungsarbeiten an der historischen Orgel auf Hochtouren laufen.

"Ich freue mich schon gewaltig darauf, wenn alles fertig ist und wir hier wieder Gottesdienste mit einer erneuerten Orgel feiern können", sagt Pfarrer Bert Schaaf, während er im Kirchenschiff steht und sich umschaut. Was er sieht, erinnert derzeit mehr an eine Werkstatt: Geräte und Werkzeuge sind auf den Bänken verteilt, und große Lederstücke liegen bereit.

Seit dem 11. Januar erhält das 121 Jahre alte Musikinstrument eine Verjüngungskur: Aktuell werden zahlreiche kleine Bälgchen mit neuem Leder bestückt - alles in kleinteiliger Handarbeit. Diese kleinen Bauteile sorgen dafür, dass die Druckluft (der "Arbeitswind") später bei Tastendruck in die Pfeifen kommt.

Für die anstehenden Arbeiten müssen die alten, stark mitgenommenen Lederteile von den ausführenden Mitarbeitern der Werkstatt Förster & Nicolaus abgezogen werden, bevor die passgenau zugeschnittenen Lederteile - genutzt werden dafür hauchdünne Lederhäutchen - wieder aufgezogen werden. Anschließend müssen die Bälgchen wieder an ihrem alten Platz angebracht werden.

Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, was vermutlich Ende der kommenden Woche der Fall sein wird, sollen die Pfeifen wieder in die Orgel eingesetzt und gestimmt werden.

Auch eventuelle Ausbesserungen an den Rahmenteilen stehen noch an.

Es ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die zum Erhalt der Orgel ergriffen werden müssen. Dazu erklärte Pfarrer Schaaf, "zum Glück müssen solche Arbeiten ja nicht alle fünf Jahre durchgeführt werden, sondern alles hält mehrere Jahrzehnte. Wenn man sich anschaut, wie oft so eine Orgel gespielt wird und was diese Teile aushalten müssen, ist das schon sehr beeindruckend."

Eigentlich hieß es zuerst, dass für die Dauer der Arbeiten der Kirchenraum auch weiterhin nutzbar sei, doch dies ist nun nicht der Fall, wie Schaaf berichtet: "Zwar gibt es coronabedingt aktuell keine normalen Gottesdienste, aber für Beerdigungen wurde die Kirche trotzdem genutzt. Diese finden aktuell fast täglich statt und müssen leider bei den derzeitigen Wetterbedingungen draußen begangen werden."

Insgesamt wurden beim Start der Arbeiten die Kosten auf rund 35 000 Euro geschätzt - doch diese stiegen Anfang des Jahres noch einmal etwas an, da eine Lohnerhöhung bei den Orgelbauern anstand. Ein großer Teil der Kosten muss über Spenden oder die Rücklagen der Kirchengemeinde getragen werden. "Wir freuen uns über jede Spende", sagt der Pfarrer.

Wie lange die Sanierungsarbeiten noch andauern werden, kann Schaaf aktuell noch nicht genau sagen, aber spätestens Anfang März sollten der Innenraum der Kirche und auch die Orgel wieder nutzbar sein.

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