Auf dem Belzgass-Hof diskutieren Launsbacher Bürger mit Vertretern der CDU, in der Mitte deren Bürgermeisterkandidat Andreas Heuser. FOTO: SO
+
Auf dem Belzgass-Hof diskutieren Launsbacher Bürger mit Vertretern der CDU, in der Mitte deren Bürgermeisterkandidat Andreas Heuser. FOTO: SO

Ein "vergessenes Dorf"?

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Einige Launsbacher sehen ihr Dorf benachteiligt, ja vernachlässigt. Sie kündigen an, bei der Kommunalwahl mitmischen zu wollen - und sie stellen Parteien und Kandidaten auf den Prüfstand. Am Samstag nutzten sie einen Ortsrundgang der CDU, um deren Spitzenkandidaten ihr Leid zu klagen.

Manchmal sind es Kleinigkeiten, die den Unmut der Menschen heraufbeschwören: Wie ein paar fehlende Gehwegplatten an der Wasserzapfstelle auf dem Friedhof oder ein ungepflegter Weg hinter den Gärten im alten Dorf. Dazu gibt es andere, größere Dinge. Wie etwa die ungeklärte Zukunft der früheren Dorfschule oder die Entwicklung, die das Bürgerprojekt Belzgass in Launsbach genommen hat.

Wer das alte Backhaus mitten im Ort betritt, steht erst einmal vor einer großen Stellwand mit Zeitungsausschnitten und Fotos. "Launsbach - das vergessene Dorf" prangt als Überschrift in großen Lettern darüber. Mitglieder des Vereins "Heimatstuben" und weitere engagierte Bürger haben das arrangiert. Und machen deutlich: Sie sind unzufrieden, sehen ihr Dorf und dessen Menschen zu kurz kommen -- dies vor allem im Vergleich mit den Nachbarn in Wißmar und Krofdorf-Gleiberg. Damit wurde am Samstag der CDU-Bürgermeisterkandidat Andreas Heuser konfrontiert, als er mit Parteifreunden einen Ortsrundgang unternahm. Rund zwei Dutzend Bürger empfingen die Christdemokraten im alten Dorf und belegten sie sogleich mit Beschlag.

Heide Kausch, die resolute ehemalige Leiterin der Gießener Goetheschule, machte der CDU eine klare Ansage: "Wir werden mit der Partei zusammenarbeiten, die uns unterstützt!"

Kausch kündigte an: "Die Launsbacher werden sich aktiv in den Kommunalwahlkampf einbringen." Ihr Ziel: "Wir werden als Bürger den Finger in die Wunde legen, bis es blutet, bis der Eiter spritzt", findet die Launsbacherin auf dem Belzgass-Hof coram publico drastische Worte. Den Dialog mit der SPD habe man schon geführt, so Kausch. Dies sei weniger erfolgreich gewesen.

Es sind mehrere Baustellen, die die Launsbacher teils seit Jahren umtreiben: Das ist der Brunnen in der Lahnstraße, der versiegt ist - angeblich seitdem im Kuhgraben eine Unterkunft für Geflüchtete gebaut wurde und dabei der Zufluss Schaden nahm. Da ist die Zukunft der "nau Schul", der in den 1890ern gebauten Schule an der Gießener Straße. Der Wunsch der Heimatfreunde, die rund 600 Unterstützer-Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt haben: Die Gemeinde soll die Immobilie nicht wie eigentlich geplant an einen Investor verkaufen, sondern das Gebäude stattdessen sanieren und im Eigentum behalten. Die Idee: Im Erdgeschoss einen Ort der Begegnung für die Bürger zu schaffen. Auch das Stichwort "Dauerausstellung des Heimatmuseums" wird in dem Kontext immer wieder genannt. Denn - weitere Baustelle - das Museum im alten Backhaus platzt aus allen Nähten. Das zeigten Kausch und ihre Mitstreiter den Christdemokraten zuallererst.

Weiter ging es zum Belzgass-Hof, ehedem von einem Verein zum lebendigen Bauernhof-Museum ausgebaut mit regelmäßigen Veranstaltungen von Hausschlachtung über Mundart-Theater bis Weihnachtsmarkt. Doch der Verein "Bürgerprojekt Belzgass" habe seit 2013 keinen Mietvertrag mehr. Garten und Hof seien ungepflegt, wird von den einst Aktiven beklagt. Die heutige Vertragssituation sei "unklar", so die Vorwürfe. Es sei ungewiss, ob der Naturschutzbund jetzt Mieter sei und wer dem Unternehmen Biosolution vermietet habe.

Die CDU-Opposition notierte fleißig mit. CDU-Vorsitzender Dr. Gerhard Noeske sieht die Forderung nach zusätzlichen Begegnungsräumen im Ort wie etwa in der "nau Schul" aber eher zurückhaltend angesichts vorhandener Räume im Bürgerhaus, der Verwaltungsstelle, der Belzgass - und gegebenenfalls auch bei der Kirchengemeinde etc.. Zumal eine Analyse zur Auslastung der öffentlichen Räumlichkeiten durchaus aufgezeigt hat, dass es noch freie Kapazitäten gibt. Noeske wie auch Heuser plädierten für ein Gesamtkonzept fürs Dorf.

Sauberkeits-Image

Der Kandidat nahm zudem eine dicke Mappe entgegen, in der die Launsbacher die von ihnen benannten Probleme und Missstände mitsamt Lösungsvorschlägen zusammengestellt haben. Antworten gab er darauf direkt erst einmal keine, sicherte aber zu, die Probleme kennenlernen zu wollen. Er versicherte wiederholt, im Falle seiner Wahl zum Rathauschef wolle er stets gut zuhören und die Kommunikation mit den Bürgern verbessern.

Heuser unterstrich beim Rundgang mehrmals seinen Beruf als Polizist und kündigte an, unter seiner Regie werde es keine ungeschnittenen Hecken o. ä. geben: Bei solch kleinen Missständen, "da rückt sofort die Task Force aus", betonte er ein Sauberkeits- und Ordnungs-Image. "Wer hierherkommt, muss sehen, dass der Ort in Ordnung ist. Da rennen Sie bei mir offene Türen ein. Denn für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance", hatte er den Bürgern gleich zur Begrüßung gesagt. Was freilich umgekehrt auch für den "Antrittsbesuch" des Kandidaten im Dorf gelten kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare