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Verein für »neue Altstadt« steht

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Von: Jonas Wissner

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Das Projektteam, nun in einem Verein organisiert, will das Altstadtquartier nördlich der Treiser Straße in Allendorf/Lumda schrittweise aufwerten. ARCHIVFOTO: JWR © Jonas Wissner

Wie geht es weiter mit den ambitionierten Plänen für einen Umbau von Teilen der Allendorfer Altstadt? Aus der privaten Initiative hat sich nun ein Förderverein gegründet. Dessen Vorstand will als nächstes die Stadt ins Boot holen.

Die Ziele des Allendorfer Projektteams klingen ehrgeizig: Ein Fachwerkquartier in der Altstadt mit weiträumigem, aber nicht barrierefreiem Wohnraum und Scheunen soll mittelfristig so umgebaut werden, dass generationenübergreifendes Wohnen sowie ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht werden. Auch Komponenten wie Tagesbetreuung, Nachbarschaftshilfe und die Schaffung von Treffpunkten sind angedacht, um das Quartier zu beleben und, so die Idee der Initiatoren, auf Dauer auch Allendorf/Lumda ingesamt im Zentrum aufzuwerten.

Zwar haben die Stadtverordneten das Vorhaben schon im vergangenen Jahr grundsätzlich befürwortet - und Landeswirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat die Initiative »Hand in Hand - neue Altstadt« im August in Allendorf persönlich mit dem Hessischen Innovationspreis samt 20 000 Euro ausgezeichnet. Doch noch handelt es sich lediglich um zukunftsweisende Ideen, die der Umsetzung harren.

Nun allerdings haben die Initiatoren einen weiteren wichtigen Schritt gemacht: Kürzlich hat sich der Förderverein »Hand in Hand - neue Altstadt Allendorf« im »Alten Bahnhof« gegründet, vor allem auch als Ansprechpartner für das Projekt gegenüber der Kommune, wie der frisch gewählte Vorsitzende Roland Meuschke auf Anfrage erläutert. Ziel ist jetzt, die Gemeinnnützigkeit anerkennen zu lassen. Der Verein solle auch ein Anlaufpunkt für an gemeinschaftlichem Wohnen Interessierte sein und zu einem Erfahrungsaustausch beitragen, heißt es in einer kurzen Mitteilung des Vorstands.

»Unser Hauptaugenmerk ist jetzt die Gründung einer Genossenschaft oder gemeinnützigen GmbH«, so Meuschke. In diese noch zu schaffende Struktur könnten dann auch Gebäude in dem Quartier zwischen Marktstraße, Rheingasse, Treiser Straße und Kirchstraße eingebracht werden. Einen Zeitplan für diesen Schritt gibt es laut Meuschke aber noch nicht, unter anderem müssten Haftungsfragen noch geklärt werden.

Der Förderverein wurde mit acht Personen gegründet. Weiteren Beitritten stehe man offen gegenüber, strebe aber nicht unbedingt an, eine »Masse an Mitgliedern« zu gewinnen, so der Vorsitzende. »Wir wollen den Verein nicht allzu groß aufblasen, es soll ja ein Förderverein sein.«

Im nächsten Schritt liegt der Fokus laut Meuschke auf Gesprächen mit Vertretern der Stadt: »Wir brauchen die Stadt und die Stadtverordneten, müssen jetzt Überzeugungsarbeit leisten«, sagt er. Es gehe um »Aufbruchstimmung«. Konkret sei ein Gespräch mit dem Ältestenrat geplant, dem auch die Fraktionsvorsitzenden angehören. Zudem soll Prof. Maik Neumann (THM), der federführend ein Grundkonzept für die Umgestaltung des Areals in Modulbauweise erarbeitet hat, demnächst einen Vortrag zu den Plänen in der Stadtverordnetenversammlung halten.

Die Eigentümer im Quartier sind laut den Initiatoren zum Großteil bereit, in Sachen »neue Altstadt« mitzuziehen. Wichtig ist aus Meuschkes Sicht, sich das Areal nun nach und nach vorzunehmen. »Wir wollen gern mit zwei bis drei Scheunen anfangen, um auch der Bevölkerung zu zeigen, dass es funktioniert.« Wie optimistisch ist der Vereinsvorsitzende, dass die städtischen Gremien auf dem langen Weg zur Umsetzung mitziehen werden? »Ich schätze es so ein: Wenn wir kleinteilig anfangen, kann es gelingen.«

Auch Renate Becker, Ideengeberin für das Projekt und nun zweite Vorsitzende des Fördervereins, setzt auf die Unterstützung der Kommune und sieht dafür »gute Chancen«. Zumindest vom Chefsessel im Rathaus kommen dazu positive Signale: Allendorfs Bürgermeister Thomas Benz betont erneut, dass er das Projekt unterstütze und »sehr wohlwollend« begleite. Gerade wenn es um die Beantragung von Fördergeld gehe, sei die Stadt als Institution gefragt. »Jetzt müssen wir gucken, wie es weitergeht, wie der Verein sich aufstellt - und was förderfähig ist«, so Benz.

Trotz erster Schritte auf dem Weg zu einer »neuen Altstadt« bleibt also noch ein weiter Weg zu gehen.

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