Unterm Strich zufrieden

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Der Heuchelheimer Etat weist Einbrüche bei der Gewerbesteuer auf. Doch Investitionen werden zurückgefahren, und das Land hilft.

Wir werden dem Haushalt zustimmen. Nicht, weil wir darin innovative Programmatik erkennen, sondern weil der Haushalt umsetzt, was umgesetzt werden muss.« Gernot Buseck von der Kinzenbacher Wählerinitiative blickt eher nüchtern auf den Etat der Gemeinde Heuchelheim für dieses Jahr und zeigt sich unterm Strich zufrieden.

Das sind - mehr oder weniger - auch alle anderen fünf Fraktionen in der Gemeindevertretung. Sie haben am Donnerstag unter Vorsitz von Claudia Coburger-Becker (CDU) die Zahlen einmütig beschlossen. Einzig aus den Reihen der Grünen gab es zwei Enthaltungen.

KWI-Mann Buseck mahnte allerdings an, die Entwicklung bei der Alten Schule Kinzenbach nicht aus den Augen zu verlieren und appellierte an den Gemeindevorstand um Bürgermeister Lars Burkhard Steinz, kommunikativer zu sein und die Gemeindevertretung mehr einzubinden.

Selbst Benjamin-Sebastian Unverricht, SPD-Chef und Bürgermeisterkandidat, sparte nicht mit Lob und sprach von einem »handwerklich gut gemachten, sehr, sehr soliden Etat«. Seine Kritik zielt derweil auf das ab, was nicht im Haushalt steht: Bei der Planung für einen neuen Feuerwehrstandort hätte er sich mehr Tempo gewünscht. 2017 war der Planer erstmals vor Ort, drei Standorte stehen immer noch zur Wahl. Doch auch die größte Oppositionskraft stimmt dem Haushalt zu.

Stephan Henrich, Fraktionschef der Grünen, hätte sich eine konservativere Einschätzung der in diesem Jahr erwarteten Gewerbesteuer-Erträge gewünscht anstelle der eingepreisten 5,7 Millionen Euro. Denn: »Die gesamtwirtschaftliche Situation wird immer unüberschaubarer.« In Corona--Zeiten seien Haushaltspläne »nahezu Makulatur«, warnte er, und wollte die Zustimmung der Grünen davon abhängig machen, dass Corona-Hilfen von 75 000 Euro für in Not geratene Bürger und Unternehmen in den Etat aufgenommen werden. Um eben schnell helfen zu können, wo Bund und Land versagten. Schließlich habe Heuchelheim fast acht Millionen Euro auf der hohen Kante, könnte aus diesem »Schatzkästlein« auch noch einen defizitären Haushalt 2022 ausgleichen. Henrich: »Heuchelheim geht es gut genug, um Menschen in Not zu helfen.« Die Idee war bereits in den Fachauscshüssen beraten und als zu schwierig in der Umsetzung verworfen worden. Die nochmals nachjustierten Grünen-Ideen fanden am Donnerstag wiederum keine weiteren Freunde.

»Ein Satz, der gibt uns allen Mut: Heuchelheim, Du hast es gut«, variierte Gerhard Becker von den Freien Wählern sein seit Jahren wiederholtes Statement; diesmal wie auch der größte Teil der Haushaltsrede in Reimform. Auch er zeigte sich überaus zufrieden mit dem Etat und unterstrich wie bereits die KWI oder zuvor Mirko Nowotny (CDU) die großen Potenziale, die in der Entwicklung des Rinn&Cloos-Areals stecken. Dort will Heuchelheim im Dialog mit dem Unternehmen Faber & Schnepp neuen Wohnraum schaffen und zugleich den Gewerbestandort langfristig sichern.

Mirko Nowotny, der als CDU-Chef der Spitze der Regierunsgkoalition mit FW und FDP angehört, unterstrich, dass auch in diesem Jahr, dem vierten in Folge, die Steuern nicht erhöht werden. Für ihn »ein klares Zeichen dafür, dass die Gemeinde Heuchelheim stabil und vor allem verlässlich geführt wird«. Wobei die Steuersätze im Kreisvergleich deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Gleichwohl sieht auch er, dass über 2021 hinaus voraussichtlich für zwei weitere Jahre mit negativen Haushaltsergebnissen zu rechnen ist. Gegengesteuert wird schon dieses Jahr, indem die Investitionen reduziert sind: 1,9 gegen über 4,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Auch Nowotny griff Gerhard Beckers Aussage auf: »Heuchelheim steht gut da.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare