Schluss mit Ladenverkauf: Siena Ochs muss ihre Parfümerie in Großen-Buseck schließen und darf - Stand jetzt - erst am 11. Januar wieder öffnen. FOTO: TI
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Schluss mit Ladenverkauf: Siena Ochs muss ihre Parfümerie in Großen-Buseck schließen und darf - Stand jetzt - erst am 11. Januar wieder öffnen. FOTO: TI

"Unsere Kunden stehen hinter uns"

  • vonChristina Jung
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Der Non-Food-Handel gehört zu den Verlierern der Corona-Pandemie. Nach dem ersten Shutdown im Frühjahr mussten die Läden nun erneut schließen. Die Verlagerung des Verkaufs ins Internet, Bring- und Abholservices, vor allem aber treue Kunden helfen den Unternehmern im Landkreis durch die Krise.

Die Großen-Busecker Dorfmitte wirkt wie ausgestorben. Auf dem Anger parken kaum Autos. Ab und an kommt ein Fußgänger vorbei. Die Türen der umliegenden Geschäfte - verschlossen. Schilder in und vor den Schaufenstern weisen auf die aktuelle Lage hin und informieren über alternative Einkaufsmöglichkeiten, die Parfümerie to go etwa oder ein Schaufenster-Shopping für Geschenke.

Vor wenigen Tagen sah das ganz anders aus. Ob Buseck, Grünberg, Reiskirchen oder Lich - vor manchem Geschäft im Landkreis standen die Kunden Schlange, um vor dem Zapfenstreich noch schnell die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen. "Normalerweise kommen zwischen 70 und 90 Kunden am Tag zu uns, am Samstag waren es 300", sagt Fritz Reinhard, der in der Gallusstadt einen Buchladen betreibt. Auch Montag und Dienstag sei der Ansturm groß gewesen und eine Situation entstanden, die für ihn und seine Mitarbeiter "kaum noch zu händeln" war. Reinhard führt das auf Fehlentscheidungen der Politik zurück. "Wenn man uns im Oktober gesagt hätte, dass wir auf das Weihnachtsgeschäft verzichten müssen, hätten wir uns darauf eingestellt", sagt der Betreiber des Buchladens. Aber jetzt komme der Lockdown zu kurzfristig.

Außerdem zu einer Unzeit, denn in den Wochen vor Weihnachten macht der Handel sein Hauptgeschäft. Fast ein Viertel des Jahresumsatzes ist es beim Grünberger Buchhändler, bei Siena Ochs, die in Großen-Buseck die Parfümerie Pur betreibt, sogar ein Drittel. Dennoch ist der Lockdown in ihren Augen notwendig. Die Geschäftsfrau, der zwei weitere Parfümerien in Nidda und Alsfeld gehören, hätte ihn sich allerdings schon viel früher gewünscht. Außerdem vermisst sie klarere Ansagen der Politik und ein entschiedeneres Durchgreifen der Behörden.

Der hessische Handelsverband warnt unterdessen vor den Konsequenzen der neuerlichen Geschäftsschließungen, befürchtet fatale Folgen für die Überlebensfähigkeit vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Zwar könne man erst im Januar sagen, wie viele Läden das ihre Existenz kosten wird, sagt Hauptgeschäftsführer Sven Rohde. Deutschlandweit rechnet der Verband aber mit 50 000 betroffenen Einzelhändlern. Täglich, so Rohde, gingen dem Handel in Hessen 50 bis 70 Millionen Euro Umsatz verloren, deutschlandweit eine Milliarde. Dabei standen die Geschäfte mit Blick auf ein wachsendes Online-Angebot schon vor Corona massiv unter Druck. Die Pandemie habe die Situation noch verschärft, sagt Rohde.

Ein Vorteil gerade für Unternehmen in kleineren Städten und Gemeinden könnte in diesen Tagen ihre enge Kundenbindung sein, wenn sie auf Click-and-Collect-Angebote setzten. Zwar sei das kein Ersatz für die schließungsbedingten Einnahmeausfälle, aber ein Teil des Umsatzes sei auf diese Weise generierbar, so Rohde.

Fritz Reinhard hat sein Online-Angebot in den vergangenen Monaten ausgebaut, erreicht damit mittlerweile den vierfachen Vorjahresumsatz. Außerdem ist er auf Social Media unterwegs. 20 Jahre lang fristete die Internetseite des Ladens eher ein Schattendasein. "Jetzt wird uns das übers Gröbste hinweg helfen", sagt er. "Wir werden die Krise überstehen, weil wir Umsätze verlagern können."

Gut 15 Kilometer entfernt setzt auch Siena Ochs auf ein Internetangebot sowie Abhol- und Lieferservice. Parfümerie to go eben. Bestellt werden kann über alle verfügbaren Kanäle (Telefon, WhatsApp, E-Mail), wovon ihre Kunden intensiv Gebrauch machen. Ochs: "Das läuft super. Unser persönlicher Kontakt kommt uns jetzt zugute." Und das wird sie und ihr Team irgendwie durch die Krise tragen.

Ähnlich die Stimmungslage ein paar Hundert Meter weiter im Kauflädchen Trend. "Ich habe keine Angst vor der Zukunft, weil unsere Kunden hinter uns stehen", sagt Sabrina Trommer, die zum Jahreswechsel das Geschäft übernimmt, in dem sie seit 15 Jahren arbeitet. Bestell-, Bring- und Abholservice wird es wie im Frühjahr geben, außerdem schön Verpacktes aus der Kaiserstraße in verschiedenen Supermärkten. Dazu ein Schaufenster-Shopping mit Präsenten, die vor Ort ausgesucht und dann per Telefon bestellt werden können.

Auch wenn sie keine Zukunftssorgen hat, von der Politik wünscht sich Trommer mehr Weitblick bei künftigen Entscheidungen, um den Menschen vor Ort eine bessere Planbarkeit zu ermöglichen, außerdem direkte Informationen. Denn: "Wir erfahren alles nur aus den Medien." Darüber hinaus appelliert sie an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten. Trommer: "Es gibt leider immer noch zu viele Querdenker, die glauben, Corona gibt es nicht."

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