Christian Zuckermann
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Christian Zuckermann

"Das ist unmöglicher Wahnsinn"

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Grünen sind im Aufwind: Zählte der Kreisverband vor vier Jahren noch 250 Mitglieder, so sind es jetzt rund 380. Und die Zahl derer, die sich engagieren möchten, ist groß. Ein Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, Christian Zuckermann, über Perspektiven und personelle Angebote an die Wähler.

Herr Zuckermann, vor einigen Tagen sagten Sie: ›Wir wollen bei dieser Wahl so stark werden, dass alle anderen an uns nicht vorbeikommen.‹ Große Worte…

Aber das ist unser Ziel: Wir wollen am 14. März bei der Kommunalwahl auch auf Kreisebene das beste Wahlergebnis erreichen, das wir jemals im Landkreis Gießen hatten. Wir wollen nach dem 14. März auf jeden Fall wieder in Regierungsverantwortung kommen. Und wir Grünen werden dann unserem Ergebnis entsprechend auch ein starkes Amt beanspruchen.

Aber das hängt von den Mehrheitsverhältnissen ab. Wie stehen Sie zum Fortsetzen der Koalition mit SPD und Freien Wählern?

Das ist eine Option. Und ja: Es hängt eben vom Ausgang der Wahl ab. Wir haben in den vergangenen fünf Jahren gute Arbeit für die Menschen im Kreis gemacht. Und wir setzen auf die richtigen Themen.

Die da wären?

Etwa die Reaktivierung der Bahnstrecken und die Verkehrswende. Ich möchte nicht, dass Familien im ländliche Raum im Landkreis Gießen sich das dritte Auto anschaffen müssen, nur um im Alltag klarzukommen. Mit der Reaktivierung der Bahnstrecken im Lumdatal und an der Horloff sowie weiteren Bausteinen zur Verkehrswende im Landkreis Gießen haben wir wichtige Themen gesetzt. Und unsere Arbeit daran wird von den Menschen honoriert.

Wie positioniert sich der Kreisverband der Grünen zur A 49? Zum Weiterbau durch den Dannenröder Forst?

Das ist ein unmöglicher Wahnsinn, der dort im Dannenröder Forst passiert. Wir wissen nicht genau, welche Auswirkungen der Bau der Autobahn auf die Wasserversorgung in der Region, im Kreis Gießen haben wird. Das ist nicht abzusehen, was es bedeutet. Unsere Mitgliederversammlung hat am Samstag in Grünberg eine eindeutige Resolution gegen den Weiterbau verabschiedet und sich mit den gewaltfreien A 49-Gegnern solidarisiert. Und zwar einmütig. Zudem wird Verkehrsminister Tarek Al-Wazir aufgefordert, etwas zu tun. Etwa die wasserrechtliche Prüfung nochmals zu betreiben.

Zurück in den Kreis Gießen und zu den anstehenden Wahlen. Denken die Grünen über eine eigene Landrats-Kandidatur im kommenden Jahr nach?

Über eine mögliche Kandidatur für das Landratsamt haben wir im Grünen-Kreisvorstand noch nicht gesprochen. Ich will es nicht ausschließen, dass es passiert und wir ein personelles Angebot machen. Wir müssen uns aber noch ganz konkret damit auseinandersetzen, ob wir das wollen oder nicht. Und am Ende dieses Prozesses gibt es einen Kreisvorstandsbeschluss dazu.

Wann wird das sein?

Definitiv nach dem 14. März. Nach der Kommunalwahl. Wir haben einen Koalitionsvertrag. Und an den werden wir uns halten.

Darin steht, dass die Grünen und auch die Freien Wähler Anita Schneider als gemeinsame Kandidatin bei der Landratswahl 2021 aktiv unterstützen und entsprechend auf eine eigene Kandidatur verzichten. Richtig?

Richtig! Ich wiederhole: Daran werden wir uns halten. Es gibt keinen Anlass, daran jetzt schon was zu ändern. Im Übrigen: Landrätin Anita Schneider macht einfach gute Arbeit. Und wir alle warten gespannt darauf, wann sie sich offiziell zu einer neuerlichen Kandidatur äußert.

Sie haben für die Wahl zum Kreistag ihr personelles Angebot beschlossen. Hat sich das Umfrage-Hoch der Grünen auf die Länge der Liste ausgewirkt?

Ja klar. Das politische Interesse bei den Menschen ist da. Wir haben am Samstag eine 81-köpfige Liste beschlossen. Und wir hatten rund 130 Interessenten, die für die Grünen im Kreis antreten wollen. Das ist doch was! Im Übrigen sind eine ganze Reihe junger Leute dabei. Die haben wir versucht, gut einzubinden. Auch sie sind auf aussichtsreichen Plätzen präsent.

Ein ungebrochener Aufwärtstrend also?

Wir haben im Moment einen ordentlichen Push. Der digitale Parteitag vor acht Tagen hat es nochmals gezeigt: In allen Landesverbänden legen die Grünen zu. Und im Kreis Gießen ist es ebenso. Wir sind da keine Ausnahme. Wöchentlich kommen neue Mitgliedsanfragern rein. In mancher Woche sind es zwischen fünf und zehn. Das ist schon Wahnsinn! FOTO: GECK

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