Auch für Judith Markus, Rektorin der Grundschule Laubach, gestern die Hauptbeschäftigung: Organisation des Schulbetriebs in einer absoluten Ausnahmesituation.
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Auch für Judith Markus, Rektorin der Grundschule Laubach, gestern die Hauptbeschäftigung: Organisation des Schulbetriebs in einer absoluten Ausnahmesituation.

Ungewohnte Stille auf den Schulhöfen

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Gießen(tb/so). "Unser höchstes Ziel", macht Hessens Landesregierung deutlich, "ist es, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen und sicherzustellen, dass besonders gesundheitsgefährdete Personen geschützt werden." Wirksamste Maßnahme sei da die Reduzierung persönlicher Kontakte. Diesem Prinzip folgten alle Einschränkungen, auch die Schließung der Schulen.

Freilich gibt es Ausnahmen: Für Kinder von Personen, "die zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens unverzichtbar sind", müssen Schulen unter bestimmten Voraussetzungen (siehe unten) Betreuungsgruppen einrichten. Aus Gründen des Infektionsschutzes sollten die jedoch möglichst klein sein.

Judith Markus, Leiterin der Theodor-Heuss-Schule Laubach, kann diese Vorgabe "mit links" erfüllen. Von den 258 Grundschülern musste sie gestern gerade mal für fünf eine Notbetreuung gewährleisten. Etwa noch mal so viele Kinder schickte sie wieder nach Hause - die Eltern gehörten nicht beide einer "systemischen Berufsgruppe" an.

Die niedrige Zahl dürfte Ergebnis früher Information sein: Gleich zweimal versandte Markus am Freitag elektronische Info-Post an alle Eltern. Waren Erziehungsberechtigte nicht online zu erreichen, setzte sie ganz analog auf die Elternbeiräte.

Bei nur fünf Schülern müssen nur wenige Lehrer - in Worten: zwei - Präsenz zeigen. Der Rest arbeitet im Homeoffice. Zumindest an den meisten Tagen, da er oder sie nicht zur Notbetreuung eingeteilt ist. Oder wenn montags die Jahrgangskonferenz auf dem Dienstplan steht. Und auch für die Kinder gilt: Bis zu den Osterferien auf der faulen Haut liegen ist nicht. Sie erhalten über die Website oder per E-Mail Wochenarbeitspläne. Und falls doch bei dem einen oder anderen Langeweile drohen sollte, kann er sich "Beschäftigungsangeboten" widmen. Für die ganz Kleinen sind das etwa Malvorlagen, für die etwas Größeren versendet die Theodor-Heuss-Schule knifflige Knobelaufgaben.

Nicht viel anders sah es gestern im Westkreis aus. Rektorin Cornelia Anthes berichtete von vier Kindern, die in die Grundschule Krofdorf kamen. Ein ähnliches Bild an der Wilhelm-Leuschner-Schule in Heuchelheim, von "nur sehr wenigen Kindern" berichtete. Schulleiterin Kathrin Schleenbecker. Am Freitag bereits hatte man vorsorglich die Schüler mit Unterrichtsmaterial versorgt. "Alle sind sehr kooperativ", lobte Schleenbecker.

Für die weiterführenden Schulen schreibt das Land nur für die jüngeren Jahrgänge 5 und 6 eine Notbetreuung vor. Jörg Keller, Direktor der TKS Grünberg, bot sich gestern Morgen das gleiche Bild wie an den Grundschulen: kein Lärmen, kein Gewusel von Pennälern, die nach dem Wochenende besonders aufgedreht daherkommen, dafür ungewohnte Stille. Keller zufolge gab es bislang nur für drei Kinder Anfragen für eine Betreuung. "Die Voraussetzungen haben sich wohl herumgesprochen." Offenkundig aber seien die Eltern, auch jene ohne Anspruch, gut vernetzt und hätten für sich Alternativen gefunden. FOTO: TB

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