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Das junge Wohnviertel »Hinter dem Dorf« in Launsbach. Ideen, dort einen Spielplatz anzulegen, stoßen nicht bei allen auf Gegenliebe.

Umstrittener Spielplatz

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Idee ist gut gemeint, aber sie stößt nicht rundum auf Gegenliebe: Ein Spielplatz im jungen Wohnviertel »Hinter dem Dorf« in Launsbach wird von den einen gewünscht, von anderen abgelehnt und sorgt jetzt auch in der Kommunalpolitik für Debatten.

Knapp zwei Dutzend Häuser sind in den vergangenen Jahren unterhalb des Launsbacher Friedhofs entstanden. Dort, in dem Quartier »Hinter dem Dorf«, leben in der Mehrzahl junge Familien. Das zeigen Trampolins, Rutschen, Schaukeln und Sandkisten in vielen Gärten. Stünde dem Viertel nicht auch ein öffentlicher Spielplatz gut an? Zumal die drei anderen in Launsbach etwas weiter weg liegen. Jedenfalls so weit, dass der Weg dahin mit kleineren Kindern zu Fuß schon ein ordentlicher Ausflug ist.

Einige Bürger haben den Wunsch nach einem Spielplatz im Viertel an die Kommunalpolitik herangetragen. Die SPD-Fraktion hat das Thema aufgegriffen und will von der Verwaltung prüfen lassen, was geht. Zumal »Hinter dem Dorf« noch eine kleine Parzelle in kommunalem Besitz verfügbar ist. Die ist bislang als Ausgleichsfläche ausgewiesen. Würde dies Eckchen Land mit zwei Apfelbäumen zum Spielplatz, dann, so die Idee, könnte 50 Meter weiter ein anderes Stück Land neu als Ausgleichsfläche definiert werden.

Doch das findet keine ungeteilte Zustimmung. Direkte Anlieger jedenfalls sehen dies skeptisch. Mutmaßlich weniger wegen der ökologischen Wertigkeit des kleinen Grundstücks nahe Regenrückhaltebecken und ehemaligem Bahndamm, sondern wegen eines Spielplatzes an sich. Einer der Nachbarn hat die Fläche von der Gemeinde gepachtet, dort Erdbeeren gesetzt und Spielzeug platziert. Sollte es öffentlicher Spielplatz werden, müsste er die Fläche räumen.

Doch allein schon die Prüfung sorgte für eine kleinere Auseinandersetzung am Donnerstag in der Gemeindevertretung. Die CDU-Fraktion um Dr. Gerhard Noeske war schon im Austausch mit Anwohnern und rät dazu, von der Spielplatz-Idee Abstand zu nehmen. »Wir haben mit Anliegern gesprochen. Da ist weniger eine Notwendigkeit«, sagt Noeske. Seine Fraktion hat ein Stimmungsbild aus dem Viertel gespiegelt bekommen. 14 Haushalte sollen sich dagegen ausgesprochen haben, acht seien unentschlossen oder hätten sich nicht artikuliert. Die CDU erteilt vor diesem Hintergrund in Teilen sogar einer Prüfung eine Absage.

Auch die Freien Wähler sehen »die Sinnhaftigkeit nicht unbedingt gegeben«, sagt deren Sprecher Karl Fiedler. Für nicht wenig Geld sei erst 2019 in Launsbach am Bürgerhaus der Mehrgenerationenplatz geschaffen worden. Von daher sei zu überlegen, ob ein weiterer, vierter Spielplatz im Dorf notwendig ist. Grüne und SPD wollen derweil eine ergebnisoffene Prüfung. Es könne »Hinter dem Dorf« nur ein kleiner Spielplatz für die ganz Kleinen sein, ist die Auffassung des Grünen Jürgen Quurck. Er schlägt parallel zur Prüfung einen Ortstermin vor, um mit den Anliegern zu reden und dann zu einer Entscheidung zu kommen.

Der SPD-Bürgermeisterkandidat Ralf Volgmann und der SPD-Fraktionsvorsitzende Prof. Ulrich Ellinghaus haben derweil am Freitag das fragliche Areal nochmals in Augenschein genommen und erste Gespräche mit Anwohnern geführt. Auch da überwog die Skepsis hinsichtlich des öffentlichen Spielplatzes. »Jetzt, wo wir in unseren Gärten mit Spielgeräten aufgerüstet haben, ist das nicht mehr unbedingt nötig«, sagt einer von ihnen. Und eine Anwohnerin sieht angesichts der direkten Nähe zu den Häusern die Privatsphäre gestört. »Wenn wir gewusst hätten, dass da ein Spielplatz hinkommt, hätten wir uns vielleicht für ein andere Grundstück entschieden«, sagte sie im Gespräch mit Volgmann und Ellinghaus.

»Wir wollen hier nichts unternehmen, was nicht akzeptiert und nicht gewünscht ist«, versichert SPD-Sozialfachmann Volgmann. Er greift den Vorschlag der Grünen vom Donnerstag auf: Im Frühling ein Austausch mit möglichst vielen Anwohnern, um dabei das Meinungsbild direkt zu erfahren. Und danach zu entscheiden, ob überhaupt und wenn ja, wo ein Spielplatz angelegt werde.

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