Umsatzsteuer: Das ändert sich 2020

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Gießen (pm). Uneinheitliche Regeln in der EU, unklare Haftungsfragen, komplexe Anforderungen: Für Unternehmer hat sich das Umsatzsteuergesetz in Deutschland bisher nicht immer von seiner rosigen Seite gezeigt. Die anstehende Umsatzsteuerreform, die zahlreiche Neuerungen und EU-weite Vereinheitlichungen vorsieht, soll vieles erleichtern - doch bislang ist die Unsicherheit in der Wirtschaft noch groß. Einen fachlich fundierten Überblick zu den wichtigsten Änderungen bei der Umsatzsteuer gab die Gießener Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei Westprüfung Emde im Rahmen der Veranstaltungsreihe "HLB Praxisforum Umsatzsteuer". Die Steuerberater Thomas Mäurer und Pierre Christian Hilker fassen die wichtigsten Themen zusammen:

Reihengeschäfte, Konsignationslager und innergemeinschaftliche Lieferungen:Bei Reihengeschäften mit einer sogenannten bewegten Lieferung - die einzige potenziell steuerfreie Lieferung in einem Reihengeschäft - wird diese künftig der ersten Lieferung zugeordnet, wenn der erste Lieferant in der Kette die Ware befördert bzw. versendet. Holt der letzte Abnehmer in der Kette die Ware beim ersten Unternehmer ab, stellt die letzte Lieferung die sogenannte bewegte Lieferung dar. Bei einem Transport durch einen Zwischenhändler gilt: Zeigt der Zwischenhändler seinem Lieferanten seine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer des Abgangslandes der Ware an, so gilt die von ihm ausgeführte Lieferung (also die 2. Lieferung im Reihengeschäft) künftig als bewegte Lieferung. Zeigt er diese Nummer nicht an, so gilt die von ihm bezogene Lieferung als die bewegte Lieferung. Ab dem 1. Januar 2020 stellt die Lieferung in ein in der EU befindliches Konsignationslager (Warenlager in Kundennähe) kein innergemeinschaftliches Verbringen mit anschließender Inlandslieferung mehr dar. "Durch die Neuregelung werden nun im Zeitpunkt der Entnahme aus dem Lager eine innergemeinschaftliche Lieferung im ursprünglichen Abgangsstaat und ein innergemeinschaftlicher Erwerb des Leistungsempfängers im Bestimmungsland fingiert", berichtet Mäurer.

Zudem wird künftig die Umsatzsteueridentifikationsnummer in die Reihe der materiellen Voraussetzungen für die Steuerfreiheit bei innergemeinschaftlichen Lieferungen aufgenommen.

Organschaft:Seit dem 1. Januar 2019 sind die Regelungen zur Organschaft auch für Tochter-Personengesellschaften anzuwenden. "Da die Organschaft automatisch bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen entsteht, sollten Unternehmer die steuerlichen Auswirkungen gründlich prüfen und gegebenenfalls umstrukturierende Maßnahmen einleiten", rät Hilker. Bisher konnten Tochtergesellschaften in Form von Personengesellschaften nicht als Organgesellschaften in einen Organkreis eingegliedert werden.

Neue Haftungsregelungen für Betreiber von E-Commerce-Marktplätzen:Bereits seit dem 1. Januar 2019 müssen Betreiber von elektronischen Marktplätzen wie ebay, Amazon und Co. neue Dokumentations- und Haftungsregelungen beachten. So haften die Betreiber von elektronischen Marktplätzen für die nicht entrichtete Umsatzsteuer auf Lieferungen, die Händler über die jeweilige Online-Plattform generieren.

Bagatellregelung E-Commerce:Bislang galt für Online-Händler, die sogenannte "TRFE-Leistungen" erbringen (Rundfunk-, Fernseh-, Telekommunikations- und elektronisch erbrachte Dienstleistungen), dass die Leistung unabhängig von der Höhe des (Welt-)Umsatzes entsprechend des jeweiligen Steuersatzes im Land des Endverbrauchers zu versteuern war. Seit dem 1. Januar 2019 gilt auf EU-Ebene eine einheitliche "Bagatellgrenze" von 10 000 Euro. "Nur wenn der Umsatz des Online-Händlers diese Grenze im vorangegangenen und im laufenden Kalenderjahr überschreitet, entsteht weiter die Umsatzsteuer im Land des Endverbrauchers", erklärt Mäurer. "Bleibt der Gesamtbetrag der Entgelte unter der Grenze, entfällt der Sprung ins ausländische Steuerrecht und es wird mit deutscher Umsatzsteuer fakturiert." Rückwirkend findet die Regelung keine Anwendung.

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