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Die Unfallursache ist eher unspektakulär. Eine Fußgängerin kam dem Kran entgegen. Der Kranfahrer wollte nur »ein klein wenig« ausweichen. Das Ende vom Lied: Das Fahrzeug kippte um.

Unglück

Kran kippt um - Stromleitung im Kreis Gießen gekappt

Unglück am Montag (19.07.2021) im Kreis Gießen: Ein Kran ist umgekippt. Auslöser war eine eigentlich nichtige Begegnung.

Laubach - Die Botschaft »Rücksicht macht Wege breit« ruft Radfahrer und Fußgänger auf der einen, Landwirte auf der anderen Seite zu mehr Partnerschaft auf. Der Slogan ist vielerorts, auch in unserer Region, auf schmalen Wirtschaftswegen aufgesprüht.

Ob der Fahrer eines Kranes am Montagmittag wohl gerade an die bundesweite Aktion des Bauernverbandes gedacht hatte? Er war unterwegs vom Stadtkern Laubach in Richtung Caravan-Park »Am Froschloch«. Dort sollte er ein Mobilheim, immerhin zwölf Meter breit und vier Meter tief, auf einen Tieflader hieven. Der etwa einen Kilometer lange asphaltierte Wirtschaftsweg vom Ortsrand bis zum Caravanpark ist nicht gerade üppig breit.

Als ihm auf halber Strecke eine Fußgängerin entgegenkam, so der Fahrer, sei er ein »klein wenig nach rechts ausgewichen«. Und da war es auch schon passiert: Der Kran geriet mit den beiden rechten Vorderrädern - zwei Achsen vorne, zwei hinten - ein Stück vom Asphalt auf die aufgeweichte Bankette. »Ich habe gleich gemerkt, dass der Kran minimal in eine rechte Schieflage geriet«, erzählte der Fahrer an der Unfallstelle. »Ich habe versucht, mit der hydraulischen Gewichtsverlagerung gegenzusteuern.« Doch es hat nichts genutzt: Im Zeitlupentempo sackte der tonnenschwere Koloss ab, legte sich dann ganz langsam auf die rechte Seite. Im Fernsehen würde man das als »Slow Motion« bezeichnen.

Kreis Gießen: Kran-Unfall bei Laubach in »Slow Motion«

Zwar hat der Fahrer den Unfall verletzungsfrei überstanden. Doch die Reparatur des etwa 700 000 Euro teuren Spezialfahrzeugs schätzte er auf rund 200 000 Euro. Dazukämen noch Bergungskosten.

Allein drei weitere Kräne wurden zunächst angefordert, um den havarierten »Kollegen« wieder auf seine acht Räder zu stellen. Einer von ihnen ist notwendig zum Ausrichten, die beiden anderen müssen das Stabilisieren übernehmen - so der Plan.

Um den Bergungskränen sicheren Halt zu bieten, wurde ein Bagger bestellt, der die Banketten rechts und links aushob. 150 Tonnen Schotter fuhr eine Reiskirchener Straßenbaufirma an und füllte sie in die ausgehobenen Gräben.

Laubach: Notversorgung für »Ringelshöhe« nach Kran-Unfall

Zwischenzeitlich waren Mitarbeiter der Oberhessischen Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (OVAG) eingetroffen, um ein weiteres Problem anzugehen: Über der Unglücksstelle verläuft eine Oberleitung. Diese wurde zwar durch den Unfall nicht beschädigt. Allerdings war sie beim Hochhieven des verunfallten Kranes im Wege. Also mussten die Freileitungen gekappt werden.

Unmittelbare Folge: kein Strom für das Hotel »Waldhaus« und die nahe Siedlung »Ringelshöhe«. Die OVAG allerdings, so konnte Bürgermeister Matthias Meyer nach Rücksprache mit dem Bauhof berichten, habe mit Notstromaggregaten die Versorgung wiederhergestellt.

Wie ein Polizeibeamter am frühen Nachmittag vor Ort schätzte, werde die Bergungsaktion die gesamte Nacht in Anspruch nehmen. So dürfte es noch dauern, bis das Mobilheim wieder seinem Namen gerecht wird und abtransportiert werden kann. (ige)

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