Auch über dem Kreis Gießen meinen immer mehr Menschen, Ufos zu entdecken. (Symbolbild)
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Auch über dem Kreis Gießen meinen immer mehr Menschen, Ufos zu entdecken. (Symbolbild)

Ufo-Meldestelle

Immer öfter Ufo-Meldungen aus dem Kreis Gießen

  • VonStefan Schaal
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Aus dem Kreis Gießen rufen immer wieder Menschen mit Schilderungen unbekannter Flugobjekte bei der deutschen Ufo-Meldestelle an. Woran liegt das?

Herr Köhler, wann beginnen Ihre Aufzeichnungen von Ufo-Sichtungen über dem Kreis Gießen?

Die ersten zwei Fälle stammen aus den 80er Jahren. Beide Male sind über dem Himmel der Stadt Gießen etwa fünf Minuten lang orangerote Feuerbälle beobachtet worden. 1982 war es eine vierköpfige Familie, die sich bei uns gemeldet hat. 1986 sind zwei Personen mit ihrem Auto die Straße entlang gefahren und haben das Glühen entdeckt. Sie haben sich gewundert, dass darüber am nächsten Tag nichts in der Zeitung gestanden hat.

Ist herausgekommen, was die Ursache für die Feuerbälle war?

In beiden Fällen waren es neuartige Mini-Heißluftballons, die eine Höhe bis zu 500 Meter erreichen konnten. Die Flamme und die Windverhältnisse haben einen orangerotes, tänzelndes Glühen am Himmel hervorgerufen. Ein Hubschrauber oder ein Flugzeug konnten es nicht sein, Drohnen gab’s damals noch nicht.

Gelingt es Ihnen meistens, die Ursache für derartige Beobachtungen zurückzuverfolgen?

Ja, wir haben eine hohe Aufklärungsquote. Klar: Wenn Leute heute anrufen und erzählen, dass sie im Jahr 2012 etwas Unerklärliches gesehen haben, wird es schwierig. Aber an den Schildungen erkennen wir meistens ziemlich schnell, in welche Richtung es geht. Wir recherchieren auch nach astronomischen Auffälligkeiten zu dem Zeitpunkt und ob über dem fraglichen Ort eine Boeing 737 oder eine Cessna geflogen ist.

Können Sie aus dem Kreis Gießen Beispiele nennen, bei denen die Recherche schwieriger war?

2001 bei Fernwald. Eine Gruppe von jungen Erwachsenen war im Auto auf der B457 unterwegs und hat auf einmal ein helles Licht gesehen, das auf sie zugeflogen ist und immer greller wurde. Sie haben angehalten und haben sich nicht getraut auszusteigen. Als sie den Motor ausgeschaltet haben, haben sie ein leichtes Summen gehört. Das Licht ist über Felder geflogen, schwächer geworden und war dann weg.

Und was war es?

Ein Helikopter der Bundeswehr. Warum der dort geflogen ist, weiß ich nicht. Wir haben die Möglichkeit, Nachfragen bei der Deutschen Flugsicherung zu stellen. Bei Zivilflugzeugen bekommen wir mehr Informationen, bei Militäreinsätzen sind diese eher spärlich.

Reagieren Menschen eigentlich enttäuscht, wenn sie erfahren, dass es keine Aliens waren?

99 Prozent der Anrufer sind erleichtert. Klar gibt es das eine Prozent, das in Verschwörungstheorien eingetaucht ist. Bei so mancher Wortwahl, wenn sich am Himmel zum Beispiel ein Objekt »de- und entmaterialisiert« haben soll, werde ich vorsichtig, weil da beim Anrufer dann eine gewisse Erwartungshaltung existiert. Wenn ich die profane Ursache herausgefunden habe, bin ich aber so fair und sage das der Person auch. Ob die das dann auch annimmt? Daran kann ich nichts ändern.

Nimmt die Zahl der Verschwörungstheoretiker zu?

Das war im vergangenen Jahr auffällig, da waren einige Teilnehmer der berüchtigten Corona-Demonstrationen dabei, da wurden uns verrückte Behauptungen gemeldet.

Was war die verrückteste Behauptung?

Dass die Ufos aus dem Inneren der Erde herauskommen. Es gebe ja eine hohle Erde. Da verlassen wir dann den Boden der Tatsachen.

Können Sie beziffern, wie stark die Ufo-Beobachtungen in Pandemie-Zeiten zugenommen haben?

Es gibt einen deutlichen Anstieg, die Pandemie ist aber nicht die Hauptursache. Von bundesweit 895 Ufo-Meldungen im Jahr 2020 sind allein 602 auf das Satelliten-Projekt »Starlink« von Elon Musk zurückzuführen. Da sind zum Teil 60 Satelliten brav hintereinander in einer Kette geflogen, das hat am klaren Himmel verrückt ausgesehen und viele Menschen irritiert. In Corona-Zeiten beobachten wir aber noch ein ganz anderes Phänomen.

Welches?

Menschen erkennen Flugzeuge immer häufiger nicht mehr als Flugzeuge. Der Luftverkehr hat ja zeitweise um 60 Prozent abgenommen. Und viele Leute sind Flugzeuge offenbar nicht mehr gewöhnt. Wenn am blauen Himmel eine Maschine aufsteigt und das Licht reflektiert oder wenn ein Kondensstreifen im Sonnenuntergang orange angestrahlt wird, halten das einige für Raketenstarts oder ähnliches und melden sich bei uns. Wir können das dann schnell aufklären.

Besteht für Sie die Möglichkeit, dass es Aliens gibt?

Für mich ist klar, dass wir nicht die einzigen in den Weiten des Weltraums sind. Das wäre Platzverschwendung. Bloß sind die Entfernungen im All so extrem. Vielleicht gibt es einen gewissen Artenschutz da draußen, damit wir uns nicht so schnell in die Quere kommen. Man stelle sich vor, es gebe Alien-Wesen auf dem Nachbarplaneten Mars. Wir wären doch längst da drüben und würden uns die Köpfe einschlagen, wenn man sieht, welcher Irrsinn auf unserem blauen Planeten passiert.

Sie haben seit 1976 bundesweit 5000 Fälle von angeblichen Ufo-Beobachtungen erfasst. Würden Sie ausschließen, dass einmal außerirdisches Leben die Ursache war?

Unter dem Strich bleibt nichts übrig. Auch bei den berühmten internationalen Fällen, wir tauschen uns ja mit Kollegen weltweit aus.

Gibt der vor wenigen Tagen veröffentlichte Pentagon-Bericht neue Erkenntnisse her?

Dieser Bericht tut weder den Fans noch den Skeptikern weh. Es heißt darin: Wir haben in den 140 untersuchten Beobachtungen keinen direkten Hinweis, dass es Außerirdische gewesen sind. Aber ganz ausschließen können wir es auch nicht. Das ist wie bei der Wetteransage: Es könnte unter Umständen regnen, muss es aber nicht. Geheimdienstberichte der Vergangenheit waren ähnlich formuliert. Es gibt Berichte über den sogenannten Roswell-Zwischenfall, als 1947 angeblich eine fliegende Untertasse über New Mexico abgestürzt sein soll. Die US-Airforce hat aufgeschlüsselt, dass es ein Spionageballon war. Außerirdisches Leben gibt es da draußen. Bloß war es bis heute nicht hier. Wobei: Streng genommen gab es 2018 einen spektakulären außerirdischen Flug auch über dem Kreis Gießen.

Inwiefern?

Am Abend des 16. Juni haben uns Menschen aus Biebertal, Lahnau, Großen-Buseck und am Kloster Schiffenberg von einem blau-grünlichen Feuerball berichtet, der schnell von West nach Osten geflogen ist. Es war eine Feuerkugel, die größere Schwester einer Sternschnuppe und damit ein tatsächlich außerirdischer Meteorit. Die Ionisierung beim Eintritt in unsere Sphäre hat ein Spektakel über dem Himmel abgegeben. Wer diesen Feuerball sieht, kann tatsächlich denken: Jetzt beginnt die Invasion.

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