Korrekturen via Laptop: Während der Corona-Krise müssen auch Musikschulen erfinderisch sein. SYMBOLFOTO: ADOBESTOCK/MEDITERANEO
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Korrekturen via Laptop: Während der Corona-Krise müssen auch Musikschulen erfinderisch sein. SYMBOLFOTO: ADOBESTOCK/MEDITERANEO

Üben mit Hindernissen

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Praktisches Üben ist für Musiker unabdingbar - das gilt für Anfänger wie Fortgeschrittene gleichermaßen. In Corona-Zeiten sorgen die öffentlichen Musikschulen in Buseck, Grünberg und Lich mit digitalen Angeboten dafür, dass möglichst keiner "einrostet". Dennoch sind auch Existenzen gefährdet.

Not macht erfinderisch. Das gilt auch für die öffentlichen Musikschulen, von denen es drei im Kreisgebiet gibt. In Buseck, Grünberg und Lich wird den Schülern - insgesamt sind es im Normalbetrieb etwa 4000 - von den Lehrern nun in Corona-Zeiten ein digitales Angebot unterbreitet.

Doch wie funktioniert eigentlich digitaler Musikunterricht? Beispielsweise so: Lehrer treffen sich mit ihren Schülern in Videokonferenzen. Das lässt sich mit Smartphones, Tablets oder Laptops umsetzen. Der Ablauf ähnelt dann einer "normalen" Musikstunde: Schüler spielen etwas vor, der Lehrer hört und sieht zu, gibt Tipps, korrigiert und demonstriert, wie es klingen sollte. Auch Unterricht für kleine Gruppen mit drei oder vier Schülern ist so möglich.

Doch ganz so unproblematisch ist es dann doch nicht. Die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern ist begrenzt. Schon allein bedingt durch die zeitliche Verzögerung der digitalen Medien gehen Hinweise etwa zum Anschlag und der Spieltechnik verloren. Auch das gemeinsame Spiel ist so nicht möglich.

Zudem: "Die Vorbereitung und die Durchführung des digitalen Unterrichts ist deutlich aufwendiger", sagt Dr. Hans-Joachim Rieß, Landesgeschäftsführer des Verbands deutscher Musikschulen (VdM) Hessen, in dem die drei Kreis-Musikschulen organisiert sind. "Hinzu kommt, dass beim Gruppenunterricht jeder einzelne Teilnehmer individueller betreut werden muss."

Dennoch, die Erfahrungen sind positiv. Das berichten zumindest Britta Lange, Andreas Kühr und Bernd Niesner, die Leiter der Musikschulen Buseck, Lich und Grünberg. Die Schüler schätzten die Anregungen, die die Lehrer ihnen während der Videokonferenzen geben, erzählen sie. Bei der Musikpädagogik in Großgruppen, wie sie direkt an der Musikschule oder an Kindertagesstätten angeboten werde, stoße das digitale Angebot jedoch an seine Grenzen.

Weil die 66 unter dem Dach des VdM Hessen organisierten Musikschulen mit ihren rund 2700 Fachlehrkräften derzeit ihren Betrieb nur teilweise aufrecht erhalten können, sehen sie sich mit einem Ausfall von Unterrichtsgebühren konfrontiert. Diese Gebühren machen bis zu 80 Prozent der Gesamtfinanzierung aus.

Trotz der guten Annahme des digitalen Unterrichts könne ein großer Teil der Schüler nicht erreicht werden, gibt Rieß zudem zu bedenken. Sei es, dass die Schüler weder Laptop noch Tablet besitzen oder weil der Unterricht in Arbeitsgemeinschaften in Grundschulen stattfinde und auch das Instrument nicht zur Verfügung steht.

Gerade die Musikschullehrer, die ausschließlich im Bereich der elementaren Musikpädagogik, also im grundlegenden Musikunterricht, in Kindertagesstätten und Grundschulen in Großgruppen arbeiten, erleiden durch den Wegfall nun erhebliche finanzielle Einbußen, die von den Musikschulen nur zu einem kleinen Teil aufgefangen werden können. Die heimischen Musikschulen sind in Vereinsstruktur organisiert, arbeiten daher nicht auf Profitbasis und haben nur wenige Rücklagen.

Zur Existenzfrage wird die aktuelle Situation besonders für die selbstständigen Honorarlehrkräfte - im Landkreis Gießen sind das immerhin rund 70 der 80 Lehrer. Doch es gibt Unterstützung seitens des Landes. VdM-Landesvorsitzender Michael Eberhardt weist daraufhin, dass Zuschüsse des Finanz- und des Wirtschaftsministeriums nicht nur Unternehmen, sondern auch Vereinen, Verbänden, Selbständigen sowie Künstlern gewährt werden könnten. Die müssten auch nicht zurückgezahlt werden. Zuständig sei das Regierungspräsidium Kassel. Die Förderung könne aber erst Ende Mai/Anfang Juni valide berechnet werden.

Wie lange die Lehrer dies durchhalten, könne man nicht genau sagen, sagt Rieß. Wenn man davon ausgehe, dass die Betroffenen Anspruch auf Arbeitslosengeld II hätten, dann ginge das wohl etwa bis September.

Die avisierten Teilöffnungen der Schulen änderten an der Situation der Musikschulen jedenfalls nichts: "Wir sind noch meilenweit von der normalen Schulöffnung entfernt."

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