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Türöffner aus dem Drucker

  • vonChristina Jung
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Sie sind nicht ganz so gefragt wie Schutzmasken, finden gerade aber dennoch reißenden Absatz: Haken zum kontaktlosen Öffnen von Türen. Hergestellt werden sie seit vergangener Woche von einer Schülerfirma der DBS in Lich.

Sie sind 13 Zentimeter lang, vier Zentimeter hoch und sechs Millimeter tief. Es gibt sie beispielsweise in Gelb, Grün oder Blau und sie bestehen aus Filament. Die Rede ist von speziellen Türhaken, die gerade in großer Stückzahl an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule vom Band laufen. Oder besser gesagt aus dem 3-D-Drucker. Gedacht waren sie eigentlich als Unterstützung der heimischen Wirtschaft und Dankeschön für jene Unternehmen, die die Schule bei ihren Aktivitäten unterstützen. Mittlerweile werden die Produkte aber auch für Privatpersonen hergestellt. Denn in Zeiten von Corona sind sie fast so gefragt wie Schutzmasken.

Warum liegt auf der Hand: Öffentlich zugängliche Türen beispielsweise, die im Tagesverlauf von vielen Menschen angefasst werden, lassen sich mit den Haken ohne direkten Kontakt öffnen, außerdem können mit der spitzen Seite Klingel- oder Fahrstuhlknöpfe betätigt werden. Gemacht hat das innovative Hilfsmittel im Umgang mit dem Coronavirus die Schülerfirma SPI 3 D, die im Februar im Rahmen des Wahlpflichtkurses "Maker Space" gegründet wurde.

13 kreative Köpfe haben die Haken quasi im Homeschooling "konstruiert", vergangene Woche begann die Produktion.

Die Idee dazu hatte Lehrerin Alexandra Galyschew den Achtklässlern an die Hand gegeben. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Roland Mevißen leitet sie den Kurs. "Ich habe in der Rheinischen Post davon gelesen und den Schülern den Vorschlag gemacht", erzählt Galyschew im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung. Die 14-Jährigen seien begeistert gewesen.

"Die Schüler haben im Internet recherchiert, welche Haken es gibt und sich für eine Vorlage entschieden", erzählt Mevißen. Die entsprechende Datei wurde heruntergeladen, angepasst, der Haken mit dem Firmenlogo versehen und die Druckereinstellungen vorgenommen. Zuvor hatten die jungen Türöffnerproduzenten natürlich geklärt, welches Material sie verwenden wollen und wie viel es davon braucht. Außerdem, wem die fertigen Alltagshelfer zugute kommen sollen. Auch ein Werbekonzept musste her: Und, wen wundert es, bekannt macht SPI 3 D sein Produkt natürlich in sozialen Netzwerken wie Instagram und Twitter.

Gearbeitet wird in den Abteilungen Technik, Buchführung, Marketing, Personal und im Firmenvorstand. Die Verständigung erfolgt online.

650 Haken sind bereits aus den 3-D-Druckern gelaufen. Acht Geräte sind mittlerweile für die Schülerfirma im Einsatz. Drei davon stehen tagsüber in der Schule , nachmittags und nachts bei den beiden verantwortlichen Lehrern. Vier weitere Drucker werden von einem Schüler und drei Kollegen zur Verfügung gestellt. Und seit dem Wochenende ist auch ein Ober-Bessinger mit von der Partie, der in den sozialen Netzwerken auf das Projekt der DBSler aufmerksam geworden war und seine Hilfe angeboten hat.

Rund 100 Türhaken werden täglich produziert. "Der Bedarf ist da", sagt Mevißen. Anfangs gab es den nützlichen Alltagsbegleiter, beispielsweise zu jeder Bestellung in Remos Restaurant in Lich. "Wir wollten damit nicht nur der regionalen Gastronomie in diesen schwierigen Zeiten helfen, sondern auch einem der ersten und wichtigsten Unterstützer der Schülerfirma", so Galyschew. Mittlerweile seien aber auch zahlreiche Mitarbeiter in den sogenannten systemrelevanten Berufen ausgestattet worden, so ihr Kollege. "Es ist verbunden mit einem großen Dankeschön für die tägliche schwierige Arbeit."

Und angesichts der Verknappung von Schutzhandschuhen könne der Haken auch im Dienstleistungssektor eine wichtige Funktion übernehmen, so der Pädagoge. Deshalb haben zum Beispiel die Mitarbeiter des Licher Rewe-Marktes die Türöffner erhalten , die etwa das kontaktlose Öffnen der Gefrierschränke ermöglichen.

Die Zustellung der Türhaken, die SPI 3 D kostenlos zur Verfügung stellt, erfolgt entweder per Post oder durch die Schüler und Lehrer selbst. Allerdings bitten die Produzenten Interessenten darum, sich bei Bedarf mit anderen zusammenzuschließen, um Einzellieferungen zu vermeiden.

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