Die Waldhausstraße zwischen Krofdorf-Gleiberg und Salzböden ist ein Sanierungsfall. 
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Die Waldhausstraße zwischen Krofdorf-Gleiberg und Salzböden ist ein Sanierungsfall. 

Streit um Chaussee

Trümmerstrecke: Was wird aus der Waldhausstraße zur Schmelz?

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Vollumfänglich sanieren? Oder teils sanieren und teils zurückbauen? Vor dieser Frage steht der Kreis bei der Waldhausstraße. Denn die Chaussee zwischen Krofdorf, der Schmelz und Salzböden ist marode. Eine Entscheidung steht seit Jahren aus.

Die Löcher sind so tief, die Straßenränder stellenweise so angefressen, dass es für Fahrradfahrer schlicht gefährlich ist, dort mit etwas Schwung unterwegs zu sein. Auch Autofahrer fluchen und bangen um ihre Stoßdämpfer, wenn sie das zwölf Kilometer lange Sträßchen benutzen, etwa um im Mühlen-Gasthof auf der Schmelz einzukehren. So am Samstag Mitglieder der CDU-Fraktion im Gießener Kreistag. Die Oppositionspolitiker machten sich vor Ort ein Bild von der Straße, die es bislang nicht so recht auf die politische Agenda geschafft hat. Denn seit Jahren wird eine Entscheidung nicht mit Nachdruck verfolgt.

Womöglich gibt es in den kommenden Tagen eine neue Weichenstellung, wenn die Waldhausstraße in der Kreistagssitzung am 29. Juni aufgerufen werden sollte. Seit Monaten im Geschäftsgang sind Anträge von FDP und AfD. Beide zielen darauf ab, die Kreisstraße 394 ohne Wenn und Aber zu ertüchtigen. Die Baudezernentin des Kreises, Dr. Christiane Schmahl (Grüne), hat andere Vorstellungen. Sie präferiert ein Sanieren der Straße zwischen Krofdorf und dem Forsthaus Waldhaus sowie zwischen dem Weiler Schmelz und Salzböden. Diese beiden Abschnitte sollen dann den Kommunen übertragen werden. Die knapp fünf Kilometer dazwischen sollen nach Schmahls Dafürhalten ebenfalls rückgestuft werden: Rückbau zum Wirtschaftsweg und Übertragung ins Eigentum von Hessen Forst.

Waldhausstraße zwischen Krofdorf und Schmelz: Fachmann hinzugebeten

Damit wäre die durchgängige Befahrbarkeit mit Pkw passé. Denn ein Forstwirtschaftsweg wäre nurmehr eingeschränkt freigegeben: für Forstfahrzeuge, Radler, Fußgänger, Kutschfahrer. Das legt der kommissarische Forstamtsleiter Ralf Jäkel dar, den die CDU als Fachmann zum Ortstermin hinzugebeten hatte. Hessen Forst könnte auch mit einer sanierten Fahrbahn leben, sagt Jäkel. Aber der Forst könnte den Unterhalt für eine Schwarzdecke nicht leisten. Für eine wassergebundene Trasse mit eigenen technischen Mitteln sehr wohl, so Jäkel. Wenn Übernahme der Straße, dann also nur mit Rückbau und Sperrung für Individualverkehr.

Eine Sperrung im mittleren Abschnitt zwischen Forsthaus und Schmelz wäre keineswegs im Interesse von Herbert Jung: Der Gastronom, dessen Familie seit Generationen die Schmelzmühle betreibt, legt dar, dass rund 40 Prozent der Besucher das Ausflugslokal über die Waldhausstraße ansteuern. Insofern hat deren durchgängige Befahrbarkeit für ihn essentielle Bedeutung. Auch aus der Wettenberger Gemeindevertretung und von der Lollarer CDU sind bereits klare Signale gesetzt, dies zu gewährleisten: eben aus touristischen Gründen. "Es wäre schön, wenn Frau Dr. Schmahl einmal käme. Ich habe sie hier noch nicht gesehen", lädt Jung die Baudezernentin zur Ortsbesichtigung ein. Und legt nach: "Auch die Landrätin kommt immer nur zu Fuß. Wohl weil sie weiß, in welchem Zustand die Straße ist…"

Waldhausstraße zwischen Krofdorf und Schmelz: Eine Frage des Geldes

Für diesen Sommer steht erst einmal das Sanieren der knapp zwei Kilometer zwischen Salzböden und der Schmelz an. Das ist bereits geplant. Alles weitere ist letztlich auch eine Frage des Geldes: Für den Abschnitt zwischen Krofdorf und dem Waldhaus mit fünf Kilometern liegt eine erste Kostenschätzung vor: 1,02 Millionen Euro. Würde der mittlere Abschnitt ebenfalls frisch geteert, käme schätzungsweise die gleiche Summe obendrauf.

Wobei die derzeit geplante Art der Sanierung bei den Kommunen nicht gutgeheißen wird: Der Ausbaustandard wird als zu gering angesehen. Befürchtet wird, dass bei zu dünnem Unterbau und dünner Teerdecke die Strecke binnen weniger Jahre von Holzlastern wieder kaputtgefahren ist. Dann würden die Kommunen, die nach der Sanierung Eigentümer der Straße werden sollen, auf den Kosten sitzen.

Die Rückübertragung an Wettenberg und Lollar sowie an Hessen Forst ist keineswegs beschlossene Sache: Die Kommunen wollen dies erst nach ordentlicher Instandsetzung akzeptieren. Einen Kreistagsbeschluss gibt es dazu auch noch nicht. Die CDU-Fraktion hat am Donnerstag wegen der Waldhausstraße ein Gespräch mit der Baudezernentin. "Wir hoffen, dass sie uns offenlegt, wo sie bei der Frage hinwill", erwartet der CDU-Fraktionsvorsitzende Claus Spandau. Auch und gerade in der Frage der Abstufung bedürfe es weiterer Informationen. Unmittelbar danach will die CDU entscheiden, wie sie sich positioniert.

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